Dienstag, 30. August 2016

Fusionen unter Sparkassen: Ein Allheilmittel?

Von Ralf Keuper

An die Sparkassenorganisation geht von mehreren Seiten die Aufforderung, sie möge die Zahl ihrer Institute (derzeit 410) durch Fusionen reduzieren, um so wettbewerbsfähiger zu werden. Daneben steht das Regionalprinzip in der Kritik

Die Forderung nach einer stärkeren Konzentration bei den Sparkassen und Genossenschaftsbanken steht schon länger im Raum. In Sparkassen und Genossenschaftsbanken – quo vadis? habe ich mich näher mit der Kontroverse aus dem Jahr 2011 "Kooperation im Verbund statt vertikale Konzentration" beschäftigt.

Seitdem hat sich der (Handlungs-) Druck erhöht. Die Zahl der Fusionen bei den Sparkassen und Genossenschaftsbanken hat in den letzten ein bis zwei Jahren deutlich zugenommen. Auf diesem Blog nachzulesen in: 
Seit der Veröffentlichung wurden weitere Fusionen angekündigt oder vollzogen (Auswahl):
Die Fusionswelle ist also im vollen Gange, ein Ende noch nicht abzusehen. Einige, wie der Chef der Volksbank Ludwigsburg in einem Interview, bevorzugen Kooperationen, lehnen Fusionen aber nicht per se ab. 

Es gibt Stimmen, die in den Fusionen kein Allheilmittel sehen und für die Beibehaltung des Regionalprinzips sowie für das Geschäftsmodell der Universalbank plädieren. Beispiel dafür ist Stefan Gärtner in Gefährliche Größe. Dass Fusionen bzw. Größe allein nicht der alleinige Maßstab sein könne und das Regionalprinzip seine betriebswirtschaftliche Berechtigung habe, belege, so Gärtner, die Sparkassenkrise in Spanien. Als weiteres Beispiel könnte man m.E. die Sparkassenkrise in den USA in den 1980er Jahren bringen.

Zwar bereite das Niedrigzinsumfeld den Sparkassen Probleme, ebenso wie die die Umsetzung der regulatorischen Bestimmungen auf die Erträge drücke; das Heil in Fusionen und vermeintliche Kostendegressionen aufgrund von Skalen- und Lernkurveneffekten sowie Synergien zu suchen, wie das Unternehmensberater gerne propagieren, sei der falsche Weg - das Beispiel Spanien lässt grüßen. In der Tat sei es in der Vergangenheit zu Fällen gekommen, in denen es Vorstände und Verwaltungsräte an der nötigen Sorgfalt hätten fehlen lassen. Es handele sich dabei aber um Einzelfälle, die keine weiteren Rückschlüsse auf das Ganze zuließen. Ohne die Sparkassen sähe es um die Kreditversorgung deutlich schlechter aus. 

Alles in allem bestehe für die Sparkassen kein Grund zur Sorge. Von einem Reformstau in den Sparkassen könne keine Rede sein, er existiere eher in den Köpfen bzw. auf den Power Point-Folien der Berater. Auch die Digitalisierung ändere an dem Befund wenig bis gar nichts, wenngleich sie ernst zu nehmen sei.

Bewertung:

Die Argumente, die Gärtner bringt, sind nachvollziehbar und plausibel. Dass Fusionen nicht das Allheilmittel sind, wird durch die Wirtschaftsgeschichte immer wieder belegt. Zwei Unternehmen, die sich mit einem ähnlichen Geschäftsmodell in demselben Markt bewegen, werden dadurch nicht automatisch stärker, vor allem dann nicht, wenn die Fusion aus einer Notlage heraus oder aber angesichts sinkender Erträge und Marktanteile erfolgt. Ein Geschäftsmodell, das sich überholt hat, kann durch Fusion und Größenvorteile nicht gerettet werden. Das alte Univeralbankmodell, für das Sparkassen stehen, hat sich weitgehend überholt - und das nicht nur wegen der sog. Disintermediation und der zahlreichen Fintech-Startups. Alles aus einer Hand anbieten zu wollen, ist selbst für die größten Bankinstitute kaum noch wirtschaftlich. 

Sicherlich hat das Regionalprinzip auch weiterhin Vorteile: Es kann nicht von Schaden sein, mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut zu sein und einen Bezug zur Region herzustellen und zu pflegen. Ferner leisten viele Sparkassen einen wichtigen Beitrag zum Gemeinwohl, indem sie einen Teil ihrer Gewinne an die Kommunen ausschütten oder für wohltätige, gemeinnützige Zwecke einsetzen. Richtig ist aber auch, dass das Internet, über das ein immer größerer Anteil der Bankgeschäfte abgewickelt wird, kein Regionalprinzip kennt. Hier haben wir es mit einer neuen Situation zu tun. Weiter so! ist keine Option mehr. Für diesen Befund spricht u.a. die schwache Akzeptanz von paydirekt, dem Online-Bezahldienst der Deutschen Kreditwirtschaft. 

Freilich kann man über die Aussagekraft der Skandale und anderer Verfehlungen in den Sparkassen streiten; der Behauptung, es handele sich nur um Einzelfälle, darf indes widersprochen werden, wie auf diesem Blog in: 
Was die Rentabilität der Sparkassen und ihre Rolle für die Kreditversorgung der deutschen Wirtschaft betrifft, kommt Ralf Jasny in Wertpapiergeschäfte der Sparkassen. Eine Analyse der Anlegepolitik der deutschen Sparkassen zu einer etwas anderen Bewertung. Auszug aus der Pressemitteilung:
Die Untersuchung hat ergeben, dass 72 Sparkassen (rund 17 % aller Sparkassen) weniger als die Hälfte ihrer Bilanzsumme als Kredite an Kunden vergeben, bei acht Sparkassen liegt die Quote bei unter 30 %. Stattdessen werden die Kundengelder überwiegend in Schuldverschreibungen angelegt. „Diese Anlagepolitik hat mit der Erfüllung des gesetzlich verankerten öffentlichen Auftrags der Versorgung der regionalen Wirtschaft mit Krediten nichts mehr zu tun“, kommentiert Prof. Dr. Ralf Jasny, Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Finanzdienstleistungen an der Frankfurt UAS, die Ergebnisse. „Es entsteht der Eindruck, dass sich manche Sparkassen mehr auf den Wertpapierhandel konzentrieren als auf das Kreditgeschäft mit regionalen Kunden. Die Filialschließungen vielerorts passen hier ins Bild.“
Angenommen, Gärtner liegt richtig: Reicht es für die Sparkassen künftig wirklich aus, auf die Verwurzelung in der Region zu setzen, das Universalbankmodell alten Stils hoch zu halten, die Digitalisierung als notwendiges Übel bzw. weiteren Vertriebs- oder Interaktionskanal zu betrachten und darauf zu setzen, dass die Niedrigzinspolitik abgelöst wird? Haben wir es mit so einem - weitgehend - statischen Marktumfeld im Banking zu tun?  Oder bekommen wir in Zukunft andere Banken

Montag, 29. August 2016

Bargeld ist geprägte Freiheit !? #3

Von Ralf Keuper

Das Bargeld hat in der Welt scheinbar nur noch wenig Freunde. Von verschiedenen Seiten wird ihm die Existenzberechtigung abgesprochen, insbesondere von Unternehmen, deren Geschäftsmodell auf der Verwirklichung der Bargeldlosen Gesellschaft abgestellt ist, wie Paypal und Visa. Fast scheint es so, als würde ein Feldzug, eine Propaganda-Schlacht gegen das Bargeld geführt; ein Eindruck der sich sich während der Lektüre von The War on Cash bestätigt. Dabei meinen es die Verfechter der Bargeldlosen Gesellschaft doch nur gut mit uns. Der Autor Scott Garrett stellt fest:
An orchestrated strategy to make us feel weird about cash. Propaganda is a key weapon of war, and all sides present themselves as liberators. Visa comes across like a paternalistic commander when assuring us that we – like a baby taking first steps – will feel a sense of achievement at liberating ourselves from the burden of cash dependence. Visa's technology offers freedom without dependence or dangers.
Viele Medien, so Garrett, lassen sich bereitwillig für die Anti-Bargeld-Kampagnen einspannen:  
Very few media champions defend cash. It is like a taken-for-granted public utility, whereas digital payments platforms are run by private companies with an incentive to flood the media with their key messages. When they fight this war, their target is our cultural belief in cash, and the belief that its provision should be a public right.
Jeder, der sich für den Erhalt der Bargelds einsetze, wirke in der öffentlichen Diskussion schnell als rückständig und fortschrittsfeindlich; ein Vorwurf, den sich heute kaum noch jemand machen lassen will. Wer nicht in den Chor der Futuristen und selbsternannten Disruptoren einstimmt, setzt sich dem Vorwurf aus, das Glück der Menschheit - wenn auch mit guten Absichten - verhindern zu wollen. Gerne greifen die Befürworter der Bargeldlosen Gesellschaft auf Ausdrücke und Formulierungen mit Absolutheitsanspruch zurück:
To create a trend you should also present it as something that other people demand. A sentence like "All over the world, people are switching to digital payments" is not there to describe what other people want. It's there to tell you what you should want by making you feel out of sync with them.
Letztlich sei es der "Markt", der für die Durchsetzung der Bargeldosen Gesellschaft sorgen werde. Das Hauptargument lautet:
If digital payment transaction costs are lower, then cash will rightly die.
So simpel sei das, so Garrett, jedoch nicht. Der Markt alleine, dafür ist die Finanzkrise von 2008 ein Beispiel von vielen, kann es alleine nicht richten:
Our sense of what constitutes a legitimate choice does not form in a vacuum. We are born into social power structures that tell us what normality is, and that shame us for not choosing 'correctly'. You might be a rebel who challenges prevailing cultural norms, but those norms are conditioned by those with the greatest financial and media clout. At this moment the blaring of propaganda extolling the short-term conveniences of digital payment is dulling our critical impulses to rearrange our cultural DNA. Who is thinking about the longer-term implications of building our lives around these systems, and thereby locking ourselves into dependence upon them?
Insofern besteht die Gefahr, dass durch Gruppendruck und soziale Normen, die freie Wahl, d.h. ob ich mit Bargeld oder Online/per Smartphone zahle, deutlich eingeschränkt wird. Für den Fall, dass Bargeld verboten wird, besteht die Wahlmöglichkeit überhaupt nicht mehr. Mit Freiheit habe das nur wenig zu tun. Ferner führt die Bargeldlose Gesellschaft zum Gläsernen Bürger, der sich gerne oder ohne große Einwände überwachen lässt; für die jüngere Generation schon bald der Normalzustand:
The proclaimed Death of Cash is thus an episode in the broader drama that is the Death of Privacy, the death of breathing room, and the death of informal, non-measured, unaccounted-for behaviour. Every action you take must forever be attached to your digital persona, dragging with it a data trail extending back to the day you were born. We face creating an entire generation of people who do not know what it feels like to not be monitored.
Indirekte Unterstützung bekommt Garrett von FTA Alphaville in DLTs and the "can't we all just get along? barrier. Wenn die Blockchain so eingesetzt wird, wie sich das zahlreiche Vertreter dieser Technologie vorstellen, d.h. die volle Gleichförmigkeit und Transparenz der Transaktionen umgesetzt wird, sei das , so die Autorin Izabella Kaminska, in der Konsequenz eine Form von Daten-Kommunismus. Jeder Teilnehmer, der sich nicht dem Verfahren unterwirft, der sich nicht vollständig anpasst, kann am Wirtschaftsleben nicht mehr oder nur noch in stark eingeschränktem Umfang teilnehmen. 

Darüber sollte man zumindest nachdenken.  

Samstag, 27. August 2016

Die Geschichte des Kölner Bankwesens

Von Ralf Keuper

Im Mittelalter war Köln für einige Jahrhunderte die mit Abstand größte und bedeutendste Stadt im damaligen Deutschen Reich. Die Stadt war ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt und zentraler Umschlagplatz für Waren aller Art. 

Schon früh entstanden in Köln die ersten Banken. In Kölner Bankwesen heisst es: 
Das Kölner Bankwesen entwickelte sich während der bereits im Mittelalter blühenden Wirtschaftsmetropole Köln und machte die Stadt in der Gründerzeit zu einem der führenden deutschen Bankplätze. Als Mittelpunkt des Bankenstandorts fungiert die Straße Unter Sachsenhausen (Quelle: Wikipedia).
Bedeutender Finanzplatz mit langer Geschichte

Erste Bankiers siedelten sich bereits im 3. Jahrhundert in Köln an, wie es in Kölner Bankwesen weiter heisst. Ein einflussreicher Kölner Bankier des Mittelalters war Gerhard Unmaze. Er wird auch als Mit-Gründer des Kölner Bankwesens bezeichnet. 
Unmazes Kerngeschäft war zunächst die Geldleihe, wobei ihm die Schuldner oftmals ihren Grundbesitz zu verpfänden hatten, wodurch er seinen Immobilienbesitz ausbauen konnte, vor allem im Martinsviertel. Im Jahre 1174 gewährte er ein Darlehen an den Kölner Erzbischof Philipp von Heinsberg in Höhe von 650 Mark für dessen Teilnahme am fünften Italienzug von Friedrich Barbarossa. Dazu verpfändete der Erzbischof das Zollprivileg für 140 Kilogramm Silber an Unmaze (Quelle: Wikipedia).
Kölner Bankiers und Hansekaufleute 

Kölner Kaufleute waren auch im Ausland anzutreffen, vor allem im Londoner Stahlhof. Berühmt wurde das Mandat Heinrichs II von England  für die Kölner Hansekaufleute. Köln war neben bzw. nach Lübeck lange Zeit das Haupt der Hanse. Bedeutender Hansekaufmann jener Zeit aus Köln war Heinrich Sudermann

Kölner Börse

Nach den Börsen in Augsburg und Nürnberg war die Kölner Börse die drittälteste Deutschlands. 
Köln war im Mittelalter eine der bedeutendsten Finanz- und Handelsstädte Europas. Es bestand deshalb das Erfordernis, den Handel mit Gütern, Geld und Wechseln zu institutionalisieren. Der Rat der Stadt entschloss sich, den Städten Augsburg und Nürnberg, die sich bereits 1540 für die Errichtung einer Börse entschieden hatten, zu folgen. Die Kölner Börse begann zunächst im Spätmittelalterals Waren- und Wechselbörse, in der Gründerzeit kamen Effekten- und Devisenhandel hinzu (Quelle: Wikipedia)
Die "Fugger von Köln"

Auch Köln hatte seine "Fugger". Dabei handelt es sich um die Bankiersfamilie Hackeney, deren Begründer zuerst als Goldschmied tätig war. Wegen ihres Reichtums wurde die Angehörigen der Familie auch "Fugger von Köln" genannt.  

Kölner Banken gehen mit der Zeit 

Im späten Mittelalter bis zum Beginn der Neuzeit konnte Köln seinen Rang als führender Finanz- und Handelsplatz in Europa behaupten. In dieser Zeit wurden in Köln mehrere Bankhäuser gegründet, die während der Industrialisierung in Deutschland eine wichtige Rolle spielten, wie Sal. Oppenheim, Herstatt, J.H. Stein oder der A. Schaaffhausen’sche Bankverein
Die Kölner Bankiers waren für die damalige Zeit sehr modern bzw. fortschrittlich:  
Kölner Privatbankiers betrieben bereits in den 1830er Jahren erfolgreich Universalbankgeschäfte. Im Gegensatz zu den Frankfurter Bankiers mit dem Schwerpunkt auf Staatsanleihen standen bei den Kölner Privatbanken Handelskredite und ab 1820 Industriefinanzierungen in der Textil- und Montanindustrie und dem Eisenbahnbau im Vordergrund. Hamburger Banken widmeten sich der Außenhandelsfinanzierung, Berliner Banken engagierten sich in der Industriefinanzierung und dem Effektengeschäft. Während die Kölner Banken sich maßgeblich an der Industriefinanzierung im Ruhrgebiet beteiligten, waren sie bis auf wenige Ausnahmen nur an der Finanzierung von solchen Eisenbahnstrecken interessiert, die nach Köln führten oder durch die die Kölner Wirtschaft Vorteile hatte. Im Bereich der Industriefinanzierung, des Konsortial- und Emissionsgeschäfts nahm das Kölner Bankwesen nach Berlin die zweite Stelle in Deutschland ein (Quelle: Wikipedia)
Trotzdem konnten die Kölner Privatbanken das Schicksal anderer inhabergeführter Institute nicht umgehen: Irgendwann konnten sie den großen Kapitalbedarf der Industrie nicht mehr bedienen: 
Der wachsende Kapitalbedarf der Montanindustrie im Ruhrgebiet um 1850 in Höhe von 100 Millionen Talern ließ auch im Kölner Bankwesen mit der Gründung von Aktienbanken und dem zunehmenden Gewicht des neu entstehenden Berliner Bankwesens eine erhebliche Strukturveränderung eintreten mit dem Ergebnis eines Bedeutungsschwundes der dort ansässigen Privatbankhäuser (ebd.).
Köln wurde als Bankplatz von Berlin und später dann Frankfurt deutlich überholt. 

Statuserhalt bis 1914 

Trotzdem konnte Köln bis 1914 seinen Status als bevorzugter Standort für Regional- und Privatbanken erhalten, wie Wolfgang Leoni in Köln profitiert vom innovativen Impetus seiner Banken schreibt. 

Das Treffen Papen - Schröder - Hitler 

Zu den unrühmlichen Kapiteln des Kölner Bankwesens zählt das Treffen Papens mit Hitler im Haus des Bankiers Schröder in Köln im Jahr 1933, das für den Historiker Karl Dietrich Bracher die Geburtsstunde des Dritten Reiches markiert.

Bedeutungsverlust nach 1945

Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Bedeutungsverlust des Bank- und Finanzplatzes Köln nicht mehr zu übersehen. Köln war Schauplatz der größten Bankpleite der Nachkriegszeit - der Herstatt Bank und des Niedergangs der zu dem Zeitpunkt größten deutschen Privatbank Sal. Oppenheim. Einer der einflussreichsten Kölner Bankiers der Nachkriegszeit war Robert Pferdmenges
Ab 1901 arbeitete er in derLondoner Filiale der Disconto-Gesellschaft, nach einigen Jahren wurde er dort Filialleiter. 1913 wechselte er beim selben Bankinstitut in die Filiale Antwerpen. Von 1919 bis 1929 war er Vorstand der A. Schaaffhausen'scher Bankverein Actiengesellschaft in Köln und wechselte dann zum Bankhaus Sal. Oppenheim jr. & Cie. in Köln, dessen Teilhaber er von 1929 bis 1953 war. 1931 wurde Pferdmenges auf Betreiben Reichskanzler Heinrich Brünings stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Dresdner Bank AG. Diese Funktion bekleidete er bis zum Jahre 1936 (Quelle: Wikipedia)
Köln als Standort für Fintech-Startups 

Wenngleich Köln als Finanzplatz nur noch von untergeordneter Bedeutung ist, gehen von hier noch immer zahlreiche Impulse aus. Das Fintech-Startup moneymeets gilt einigen Beobachtern als das Hidden-FinTech-Juwel aus Köln. Die größten Fintech-Treffen Deutschland finden neben Frankfurt in Köln statt. Für ihre E-Learning-Plattform Nexmarkets, die den Nutzern die Börse erklären soll, konnten die Gründer erst kürzlich drei Millionen Euro einsammeln; unter den Investoren befindet sich u.a. Peter Thiel.  

Freitag, 26. August 2016

New Banking: Ein kurzer Wochenrückblick #KW34

Von Ralf Keuper

Anbei eine Liste von Meldungen, die mir in dieser Woche besonders ins Auge gefallen sind:

Fintech und die Verantwortung der Medien

Von Ralf Keuper

Sobald die Medien ein Thema für sich entdeckt haben, schnellt die Zahl der Beiträge, die sich mit diesem neuen Phänomen beschäftigen, in die Höhe. So auch bei Fintech. Insofern also nichts Neues. Problematisch wird das dann, wenn die Medien die nötige kritische Distanz vermissen lassen. In letzter Zeit haben sich die Fälle gehäuft, bei denen Unternehmen von zahlreichen Medien förmlich "hochgejazzt" wurden. Beispielhaft dafür sind LendingClub, The DAO und der Themenkomplex Blockchain. 

Wie die Studie  Wirtschaftsjournalismus in der Krise - zum massenmedialen Umgang mit Finanzmarktpolitik im Jahr 2010 feststellte, unterließen die Medien in ihrer Gesamtheit, die Entwicklung der Finanzindustrie in den Jahren vor Ausbruch der Krise kritisch zu begleiten bzw. zu hinterfragen. Die Autoren kamen zu dem Ergebnis:
Die kritische Darstellung der neuen Finanzbranche, ihr Wandel von einem Dienstleister zu einer Art Finanzindustrie, die Folgen daraus für das Gemeinwohl, also die Perspektiven von Volkswirtschaft und Gesellschaft waren dagegen kein Thema. Wenn berichtet wurde, dann über die neue Finanzindustrie als Zeichen von internationaler Wettbewerbsfähigkeit und als Quelle für Gewinne und Arbeitsplätze am Standort Deutschland. Hier handelt es sich um eine Perspektivenverengung mit enormen Wirklichkeitsverlusten, die als schwere journalistische Verfehlung einzustufen ist.
Caleb Pershan beleuchtet in The Troubled Tale Of Lending Club And The Problems Created By Glowing Tech Press die Wirkmechanismen des Tech-Reporting am Beispiel von LendingClub. Im Silicon Valley, wie überhaupt im Tech-Sektor, gehe es häufig nur noch um Erzählungen, Narrative. Ob und inwieweit diese mit der Realität im Einklang sind, ist eher nebensächlich; Hauptsache die Botschaft ist cool: Die Welt wird an der neuen Technologie genesen. Probleme, die uns heute noch unslösbar erscheinen, werden sich in nichts auflösen. Die Gesellschaft wird gerechter, die Menschen werden glücklicher: Alles wird gut.  

Pershan erwähnt den Bericht Access, Accountability Reporting and Silicon Valley des renommierten Nieman Lab. Darin schildert Adrienne Lafrance an verschiedenen Beispielen die Veränderungen, die sich in den letzten Jahrzehnten im Tech-Reporting ereignet haben. In den 1980er Jahren, als Technologiekonzerne wie Apple noch Exoten waren, war der Zugang zu den Exponenten der Tech-Szene leicht und die Atmosphäre offen, wie bei den sog. Homebrew Meetings:
John Markoff, a long-time technology reporter for The New York Times, remembers the original culture of Silicon Valley as open and collaborative—even welcoming to journalists. In the early ‘80s, Markoff had access to the Homebrew Computer Club, a legendary hobbyist group whose members included the technologists who would go on to run Silicon Valley. Steve Wozniak, the co-founder of Apple, first shared his design for the Apple I computer at a Homebrew meeting in 1976.
Diese Kultur änderte sich in den nächsten Jahrzehnten drastisch:
Over the next few decades, the people running the tech sector went from occupying a niche cultural and economic space to being some of the most powerful business leaders on the planet. And the culture and influence of Silicon Valley changed dramatically. “Early on, Apple was fringe,” says Kevin Kelly, founding executive editor of Wired magazine. “It was nerdy-techy. The difference now is that these companies are the most profitable companies in the world. This is no longer the sideshow; this is the main show.” 
Sobald man in die Sphäre der Technologiefirmen und Startup-Szene gelangt, treten manche Fragen fast schon automatisch in den Hintergrund. Es scheint so, als betrete man eine andere, heile Welt, wie David Streitfeld, Tech-Reporter bei der New York Times, berichtet:
“There’s a sense, in too much tech reporting, that when you cross the bridge into Silicon Valley, you’re in a world where the old rules of journalism don’t apply. One of the biggest clichés of Silicon Valley is when they say, ‘It’s not about the money. We just want to change the world.’ Sometimes that even may be true. But that’s a reason for better coverage, not weaker.”
Dass aufstrebende Fintech-Startups sich mit kritischen Fragen schwer tun, durfte das Handelsblatt bei Number26 vor einiger Zeit erfahren

Um die Defizite im Tech-Reporting zu beheben, sei, so Pershan - wie sollte es auch anders sein ;-) -  eine disruption nötig:
Possibly a good way to disrupt this system is to hire dedicated reporters with a narrow focus, such as on a single company, investigative journalists who can cultivate sources outside that company's PR department and beyond the scope of its own self-serving narrative. 
Weitere Informationen:

New Banking und die Rolle der Medien

Mittwoch, 24. August 2016

Der Stresstest für die Fintech-Startups steht noch aus

Von Ralf Keuper

Die Ergebnisse des letzten Bankenstresstests lösten ein geteiltes Echo aus. Während einige Bankenvertreter die Resultate als Beleg dafür werten, dass das Bankensystem in Europa krisenfester geworden sei, sind andere der gegenteiligen Ansicht, da einige wesentliche Szenarien nicht berücksichtigt wurden. Nicht in die Bewertung eingegangen sei z.B. das Geschäftsmodellrisiko, wie es durch neue Mitbewerber, wie die Fintech-Startups, repräsentiert werde. 

So weit, so gut. 

Wie sieht es aber mit der Krisenfestigkeit der Fintech-Startups aus? Bis jetzt haben sich die Fintech-Startups in einer Schönwetterphase bewegt, wie u.a. Max Chafkin von Bloomberg am Beispiel LendingClub erläutert, Ökonomische Krisen oder größere Verwerfungen auf den Kapitalmärkten hat es bisher nicht gegeben. Was aber, wenn die Konjunktur nachlässt, die Investoren risikoscheuer werden und die Kapitalmärkte austrocknen? Was, wenn sich die Kreditausfälle häufen? Welche Auswirkungen hat das auf die Fintech-Startup-Szene?

Samstag, 20. August 2016

Bankiers als Bildungsbürger

Von Ralf Keuper

Im deutschen Kaiserreich mussten die Bankiers lange um ihre gesellschaftliche Anerkennung kämpfen. Ihr Ansehen rangierte deutlich hinter dem von Offizieren oder hohen Beamten. Bankiers standen unter dem Generalverdacht, ausschließlich materialistischen Interessen nachzugehen und geistigen Genüssen gegenüber unempfänglich zu sein sowie über keine hohe Bildung zu verfügen. 
In Bankiers als Bildungsbürger schildert Morten Reitmayer die Bemühungen bzw. Strategie führender Bankiers im deutschen Kaiserreich, ihren Status, ihr symbolisches Kapital (Pierre Bourdieu) zu erhöhen. In den meisten Fällen gelang es erst den Kindern von Bankiers wie Georg von Siemens oder Carl Fürstenberg, über eine hohe Bildung von den gesellschaftlichen Eliten jener Zeit als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft akzeptiert zu werden. Reitmayer unterscheidet ferner zwischen den Privatbankiers, wie den Mendelssons, Warburgs und Oppenheims, und Bankmanagern, wie von Siemens, Hansemann und Fürstenberg. Während die Bankmanager quasi Tag und Nacht mit Arbeit verbrachten, pflegten die Privatbankiers den Lebens- und Arbeitsstil eines Gentleman. Reitmayer berichtet über eine Anekdote:
Max Warburg kolportierte über den Chef des Pariser Hauses Rothschild: "Baron Alfred de Rothschild fand, ich mache zu viel Bureaustunden. Er sagte mir eines Tages: Ein Gentleman ist nicht vor elf im Bureau und bleibt nicht länger als bis vier Uhr. "
Privatbankiers, wie Rotschild, betrauten Manager mit der operativen Führung der Bank, so dass sie selber genügend Zeit für kulturelle Aktivitäten hatten. Für Bankmanager wie Siemens oder Hansemann war der Gentleman-Stil keine Option - sie mussten sich selber um die Geschäfte kümmern. 
Selbst Bankiers, die sich intensiv mit Theater, Dichtung, Musik und Malerei beschäftigten und hohe Summen in Kunstwerke investieren, mussten mit dem Verdacht kämpfen, wiederum nur aus rein materiellen Gründen zu handeln. Es war häufig nur ein schmaler Grat, der den Bankier vom typischen Bourgeois trennte:
Es waren Geschmacksurteile, die die Welt der Bildungsbürger von der der Bankiers trennten. Der wichtigste Maßstab für diese Urteile war das Ausmaß der Vertrautheit mit den Spielregeln der herrschenden Kultur, die über die Fähigkeit entschied, z.B. einem Gemälde den ihm zukommenden Wert zu geben. 
Eine Strategie, allen Verdächtigungen aus dem Weg zu gehen, war, in unbekannte Künstler zu investieren, bei denen es ungewiss war, ob sie den Durchbruch schaffen würden. 

Die Bankiers akzeptierten das bildungsbürgerliche Ideal ihrer Zeit und passten sich über die Generationen an die Verhältnisse an. Zur Zeit Kaiser Wilhelms II bekamen sie Zutritt zu der Welt der Bildungsbürger: 
Die Bankiersfamilien befanden sich nun in einer viel größeren Nähe zur Welt des Bildungsbürgertums. Man könnte auch sagen, dass es ein Element ihrer "Bürgerlichkeit" war, die kulturellen Standards der Bildungselite zu übernehmen. Denn mit dieser Bereitschaft zur Adaption bewiesen die Bankiers ihre Fähigkeit, zum Zweck ihres individuellen Aufstiegs Formen und Inhalte, die nicht unmittelbar ihrer eigenen Lebenswelt entstammten, in ihr eigenes Wertsystem zu integrieren. 
Die Bankiers wurden in den letzten Jahrzehnten von den Bankern abgelöst bzw. verdrängt. Das Ansehen der Banker befindet sich auf einem ähnlichen Niveau wie das der Bankiers zu Beginn des Deutschen Kaiserreichs. 
In seiner ungehaltenen Rede traf Ludwig Poullain eine Unterscheidung zwischen dem Bankier und dem Banker: 
Was den Unterschied zwischen einem Bankier und einem Banker ausmacht? Der Bankier war ein vornehmer Mann, kein Vornehmtuer, er war also ein Herr, der die Kunst und die Geduld des Zuhörens beherrschte und so souverän war, seine eigene Meinung durch das, was er aufnahm, zu korrigieren. Er räumte den Ratgebern Zeit ein, und er nahm die Sorgen derer, die sich ihm anvertrauten, ernst. Er war kein Mann des schnellen Geldmachens, sondern suchte seinen Nutzen in der Beständigkeit einer Beziehung. Ein Banker dagegen ist ein globaler Universeller. Er weiß nicht nur alles, er weiß auch alles besser; etwa von Abläufen in Produktion und Versand, von Forschung und Entwicklung, also von Dingen, von denen er von Haus aus nur wenig wissen kann. Hat er sich einmal eine Meinung gebildet, steht sie unverrückbar fest. Sie ist nicht mehr diskutierbar. Am liebsten verkehrt er nur unter Gleichgekleideten. Gepflegte Tischsitten und strikte Beachtung der Regeln der Etikette gelten ihm als Ausdruck hochentwickelter Kultur.
Siegmund Warburg wünschte sich gar eine neue Aristokratie in den Banken:
Ich hoffe noch auf eine neue Aristokratie, eine neue Elite, zu deren Eigenschaften die Verachtung von Luxus und Ansammlung materieller Güter, die Achtung vor dem Inhalt anstelle des Scheins, der Vorzug der Qualität vor der Quantität, schließlich edle Gesinnung und unabhängiges Urteil gehören müssen.
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