Montag, 25. November 2013

New Banking - Ein Blick zurück in die Zeit um die Jahrtausendwende

Von Ralf Keuper

Bei der Durchsicht alter Artikel fesselten kürzlich einige Beiträge aus der Zeit um die Jahrtausendwende meine Aufmerksamkeit. Das weniger aus nostalgischen Gründen, als vielmehr deshalb, da sich die Autoren schon damals ernsthaft mit der wachsenden Konkurrenz aus dem Internet auseinandersetzten. Vieles kommt einem mit Blick auf die aktuelle Situation bekannt vor.

So skizzierten Michael Salmony und Michael A. Denck (damals beide Mitarbeiter der DG Bank) in ihrem Beitrag Multibanking: Auf dem Weg zur neuen Bank schon ziemlich genau die Marschroute, die das Banking in den nächsten Jahren durchlaufen würde. Dabei widmeten sie der damals ersten virtuellen Bank, der Security First Network Bank, einem Vorläufer von Bank Simple und der Movenbank, besondere Aufmerksamkeit. Booz Allen  & Hamilton schätzte, dass bis zum Jahr 1999 weltweit 1.500 ähnliche Banken im Internet vertreten sein würden. Resümierend hielten Salmony und Denck fest:
Die Technologisierung des Bankgeschäfts wird jedenfalls weiter voranschreiten. Dabei haben sich die Gewichte in jüngster Zeit deutlich verschoben: Im Vordergrund steht weniger die Automatisierung des Back Office oder die Rationalisierung durch Kundenselbstbedienung, sondern die Nutzung technischer Innovationen zur Kundengewinnung und -bindung. .. Der Einzug der neuen Medien in den Bereich Finanzdienstleistungen wird es dem "Bankkunden der Zukunft" nicht nur leichter machen, mit seiner Bank zu kommunizieren. Er wird auch ganz neuartige, individuell gestaltete Angebote nutzen können - zum Beispiel persönliche Beratung im Rahmen einer Videokonferenz oder ein über Handy gesteuertes Meldesystem zu den aktuellen Börsenentwicklungen. (HARVARD Business Manager 1/1999)
Das war schon erstaunlich treffgenau. Die Autoren gingen am Rande auch auf das Thema Virtuelles Geld/Cyberbucks ein. 

In dem Leitartikel "E-Commerce: schöne neue Welt?" der Ausgabe 5/2000 der Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen hieß es: 
Die Grenzen zwischen Kreditinstituten und Internet-Dienstleistern verschwimmen, und Banken offerieren vermehrt nicht-bankbezogene Dienstleistungen, um im E-Commerce-Markt mitmischen zu können. Das Internet verringert die Fertigungstiefe der Banken. Darum müssen Kreditinstitute mit originellen und originären Dienstleistungen aufwarten, um sich von der Masse abzuheben. Kooperationen und Allianzen sollen hierbei den stetigen Fluss innovativer Zusatzangebote sicherstellen.
Der Befund gilt eigentlich noch immer.

Der Leitartikel erwähnte die Initiative der "Full-Service-Internet-Bank" der Dresdner Bank. Durch die Zeilen klang da schon die Vision der Bank als digitaler Plattform. 

Am 12. April 2001 berichtete das Handelsblatt von den Aktivitäten der Commerzbank im Bereich E-Business. Dabei war die Bank schon recht fortschrittlich:
Um neue Geschäftsmodelle zu finden und auszutesten, hat das Institut ein eigenes Profit-Center gegründet: Die Commerzbank NetBusiness AG (CNB) ist eine 100-prozentige Tochter der Commerzbank und hat derzeit 40 Mitarbeiter. Die CNB agiert als technischer Trend-Scout und untersucht Geschäftsmodelle von E-Business-Firmen. Die für die Bank erfolgsversprechenden Modelle werden in einem "Incubatorverfahren" zur Marktreife entwickelt und dann den Firmenkunden der Bank zur Erweiterung des Serviceportfolios angeboten. (Commerzbank plant Firmenkundenbank im Netz) Vgl. dazu: Commerz NetBusiness mit neuem Internet-Auftritt für junge Start up - Unternehmen)
Demnach haben die Banken frühzeitig auf die Entwicklung reagiert. Allerdings hat man den Eindruck, dass sie seitdem nicht so recht von der Stelle gekommen sind. 

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