Freitag, 6. Dezember 2013

New Banking: Der Chef der BBVA schlägt Alarm

Von Ralf Keuper

In einem Beitrag (Banks need to take on Amazon and Google or die) für die Financial Times läutete der Chef der spanischen BBVA, Francisco Gonzales, die Alarmglocken für die Bankbranche. 
Anders als die meisten seiner Kollegen hält er es nur noch für eine Frage der Zeit, bis Google, Amazon & Co. als Vollbank am Markt auftreten. Banken, die noch immer davon ausgehen, dass  die Bemühungen der potenziellen Mitbewerber spätestens an den regulatorischen Hürden zum Stehen kommen, prophezeit er den sicheren Tod. 
Gonzales diagnostiziert den Wandel der Bankbranche hin zu dem, was er als BIT industry bezeichnet (Banking, information and technology).

Künftig würden, so Gonzales, nur noch einige dutzend digitale Banken bestehen. Daneben könnten bestenfalls noch Nischenabieter ein auskömmliches Dasein fristen. Die meisten Banken werden jedoch in die Rolle des Zulieferers für die wenigen digitalen Banken schlüpfen. Diese werden die Plattformen dominieren, über die die Finanzdienstleistungen verkauft und abgewickelt werden. 

Neben den technologischen Herausforderungen für die Banken, die in Zukunft eine nennenswerte Rolle spielen wollen, sieht Gonzales vor allem auch organisatorische Klimmzüge, die es zu bewältigen gilt. So oder so werden die Banken, so Gonzales, ihr Monopol verlieren. Um nicht in die völlige Bedeutungslosigkeit zu rutschen, sollten sie daher alles unternehmen, um den Wandel zu einem Anbieter von Informationsdienstleistungen zu vollziehen. 

So weit ich blicken kann, handelt es sich bei dem Beitrag um den ersten dieser Art eines der weltweit führenden Bankers. Er zeigt, wie ernst die Lage ist. Ob die von Gonzales beschriebenen Szenarien wirklich so eintreffen, wird die Zukunft zeigen. Jedoch ist es mehr als nur ein Weckruf. Die Verlagerung weiter Teile des Bankgeschäfts in das Netz ist nicht aufzuhalten. Dafür bedarf es keiner prophetischen Gabe (mehr). Die Anzeichen verdichten sich, dass die Bankbranche sich dem strategischen Wendepunkt, wie Andy Grove ihn beschrieben hat, bereits sehr nahe gekommen ist. 
Da die meisten Banken nach wie vor wie Tanker agieren, ist davon auszugehen, dass nur sehr wenige, wie Gonzales andeutet, das rettende Ufer erreichen werden. Zu groß ist der Investitionsstau - nicht nur bei der RBS. Ganz abgesehen von den organisatorischen Hürden. Noch befinden sich viele Banken in einer Abwarteblockade

Jedenfalls nimmt die Idee der Bank als digitaler Plattform immer konkretere Züge an.  

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