Freitag, 13. Dezember 2013

iBeacon: Systeminnovation mit Apple

Von Ralf Keuper

Nachdem Apple das Mediengeschäft zuerst mit dem iPod und später mit iTunes von Grund auf verändert hat, sehen viele den Tag näher rücken, an dem das Unternehmen die mobile Zahlungsabwicklung in eine neue Dimension überführen wird, wie Danny Bradbury in seinem lesenswerten Beitrag Will Apple Dominate Mobile Payments with iBeacon?
Darin beschreibt Bradbury die verschiedenen Bausteine, mit denen Apple in den letzten Jahren ein Ökosystem rund um das Thema Payments errichtet hat; sowohl hardware- wie auch softwareseitig, - von iOS7 über Passbook, die iCloud Keychain, den iTunes-Store, die EasyPay Initiative, den iPod, das iPad, das iPhone bis hin zu iBeacon. 

Rückblickend betrachtet hat Apple in der Vergangenheit seine Geräte systematisch (?) so ausgestattet, dass sie mit iOS7 in der Lage sind, den vollen Funktionsumfang von iBeacon nutzen zu können. 
In gewisser Weise hat Apple hier den Ansatz verfolgt, den Guy Kawasaki und Stephen Jay Gould einmal als den Wert der Redundanz (Exaptation) bezeichnet haben, d.h. in die Geräte oder Software werden Funktionen eingebaut, für die (noch) kein Bedarf auf Kundenseite besteht, die im Fall des Falles aber schnell und ohne allzu großen Aufwand aktiviert werden können. Strategieentwicklung und Softwareentwicklung gehen hier Hand in Hand. 

Alles in allem deutet sich hier ein weiteres Paradebeispiel der Systeminnovation aus dem Hause Apple an, jedenfalls im Sinne der Definition von Bruno Weisshaupt:
Erst mit Systeminnovation, die sich weder an vorgegebenen Strukturen noch an vorgegebenen technischen Lösungen orientiert, kann man die Rolle des Kunden, des Nutzers, des Konsumenten einnehmen und seien Bedürfnisse verstehen: Was will der Kunde Und wie können wir ihn dabei unterstützen? (in: Systeminnovation. Die Welt neu entwerfen)
Im Fall von Apple kommt noch hinzu: Die Bedürfnisse der Kunden im Blick haben, die diese noch gar nicht als solche empfinden.
Abweichungen zu dem von Weisshaupt skizzierten Idealtypus bestehen bei Apple insoweit, als dass Apple bereits einige der Systeme und technischen Lösungen geschaffen hat, die das Unternehmen jetzt nicht mehr revolutionieren muss, sondern für den Ausbau des eigenen Ökosystems nutzen kann. Es hat den Markt und die Kunden bereits in einem Ausmaß mit seinen Lösungen infiltriert, dass einige Hürden nicht mehr genommen werden müssen: Sowohl der Handel wie auch die Kunden sind mit den Geräten und der Software,  dem Handling so vertraut, dass hier keine bzw. kaum noch Berührungsängste mehr bestehen. 

Wie für Apple typisch, wird es sich dabei aber um ein geschlossenes System handeln. Hier liegen die Risiken für die Kunden und den Handel aber auch die Chancen für den Wettbewerb. So oder so: Die Antwort wird bzw. sollte ebenfalls eine Systeminnovation sein. 

Apple hat jedoch einen entscheidenden Startvorteil, der sich aus mehreren Punkten zusammensetzt:
  • Apple muss sich über die grundlegende Strategie nur mit sich selbst unterhalten, d.h. der Koordinations- und Abstimmungsaufwand ist deutlich geringer als bei herkömmlichen Kooperationen
  • die Einnamen müssen, wenn überhaupt, nur mit wenigen Partnern geteilt werden
  • die kritische Masse an Kunden wird quasi aus dem Stand erreicht
  • parallel dazu kommt Apple der Lock-In-Effekt zugute. 
  • ein einheitliches Look & Feel und eine durchgehende User Experience
  • bereits hohe Reputation im Bereich der Zahlungsabwickung.
  • das Unternehmen wird als ausgesprochen innovativ und als Hersteller qualitativ hochwertiger Produkte wahrgenommen
Die Mitbewerber müssen in den genannten Bereichen mit Apple gleichziehen, zumindest aber auf Tuchfühlung kommen und bleiben. In der Collaborative Economy nicht unmöglich .. 

Zum Verhängnis könnte Apple sein nicht unumstrittener Ruf als Arbeitgeber und Steuerzahler werden, d.h. die Interessengruppen (Stakeholder) könnten die Gefolgschaft irgendwann verweigern. 

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