Donnerstag, 30. Januar 2014

Einige Anmerkungen zur Zukunft der Bankfiliale #2

Von Ralf Keuper

Die Ankündigung der HVB, die Schließung eines Großteils ihrer Filialen zu erwägen, hat zu erneuten Diskussionen um die Zukunft der Bankfiliale geführt. Die HVB begründet ihren Schritt u.a. damit, dem veränderten Kundenverhalten Rechnung tragen zu wollen. Als Folge der digitalen Revolution im Banking würden die Filialen als Vertriebskanal weiter an Bedeutung verlieren. Einige Kommentatoren sprechen dagegen von einem Kahlschlag

Mit ihrer Haltung steht die HVB nicht alleine da. Vor einiger Zeit ließ die Volksbank Westerwald verlauten, 9 ihrer 34 Filialen zu schließen. Auch die Volksbank Siegerland gab auf ihrer jüngsten Jahrespressekonferenz bekannt, dass 9 von 30 Filialen nur noch halbtags geöffnet seien. In den betreffenden Filialen sei die Kundenfrequenz in der Vergangenheit um bis zu 50 Prozent zurückgegangen. 

Wie auch immer. Die große Zeit der Filialen scheint vorbei zu sein. So ging nach neuesten Erhebungen die Zahl der Bankfilialen in Deutschland von 2003 bis 2012 von 49.711 auf 38.336 zurück. 

In einer ersten Reaktion ließen der Sparkassen- und Genossenschaftsverband lt. SZ mitteilen, an der Filiale festzuhalten und sich nicht aus der Fläche zurückzuziehen. Um den Exodus aufzuhalten, teilen sich Sparkassen und Volksbanken in einigen Regionen eine Filiale - auch Filialsharing genannt. Das kann m.E. nur eine Übergangslösung sein. Der Trend wird sich damit nicht aufhalten lassen.

In den USA stellen die großen Banken ihre Filialplanungen jedenfalls auf den Prüfstand (Total Payments: Mobile Payments are Discouraging Banks from Growing). Angesichts der wachsenden Verbreitung von Mobile Banking und Mobile Payments machen sich dort Zweifel breit, ob es noch sinnvoll ist, in ein flächendeckendes Filialnetz zu investieren. 

Weiterhin wird der vielzitierte "demographische Wandel" dazu beitragen, dass immer mehr Bankfilialen verschwinden werden. Schon heute ist für die junge Generation die herkömmliche Bankverbindung längst nicht mehr selbstverständlich (Business Week: The Young and the Bankless).

Wir werden auch künftig noch Bankfilialen haben. Nur wird ihre Anzahl weitaus geringer sein als heute. Ebenso werden sich die Ausstattung der Filialen und die Anforderungen an die Bankmitarbeiter deutlich wandeln. 

Weitere Informationen:

Einige Anmerkungen zur Zukunft der Bankfiliale #1

Bradesco Next - Bank of the Future, oder: Technisch anspruchsvoll am Ziel vorbei

New Banking mit Audi Bank

Kleine Banken und Sparkassen in der Personalfalle?

Branches could blossom as transactions move to digital channels

Bank’s New Branch Design Is ‘Just Better’

Rethinking the Bank Branch in a Digital World

Branchless Banking: Unavoidable reality or myth?

Kommentare:

  1. Sehe ich genau so. Die Welt bewegt sich nicht an ihren Enden bei Schwarz oder Weiß, sondern dazwischen. Filialen werden nicht verschwinden, sondern weniger und anders. Das sind sie jetzt schon, im Vergleich zu den z.B. 1970iger Jahren. Und in den 2020iger Jahren werden sie wieder anders sein.
    Die HVB und Barclays ( http://www.telegraph.co.uk/finance/personalfinance/consumertips/banking/10604175/Do-banks-have-a-duty-to-keep-branches-open.html )und weitere Beispiele sprechen von der Ausdünnung der Filialdichte.
    Gleichzeitig sind die Banken mit unterschiedlichem Erfolg und Engagement und Geschwindigkeit in der Findungsphase, was denn statt dessen wie kommen soll? Es gibt nicht den einen Ersatz für "das Alte" wie von der Kutsche zum Auto, sondern eben viele. Und da tun sich die Banken eben sehr schwer. Das strapaziert manchmal die Geduld der innovationsfreudigen Kunden :-)

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  2. Ja. An Ideen und ersten Umsetzungen fehlt es nicht. Würde mir allerdings von den Banken und Sparkassen noch mehr "Experimentierfreude" wünschen ;-)

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