Freitag, 28. Februar 2014

Bitcoin nach Mt. Gox - Abstieg eines Hoffnungsträgers

Von Ralf Keuper

Auf seinem Blog Die wunderbare Welt der Wirtschaft wägt egghat in dem Beitrag Post-Mt.Gox: Was nun, Bitcoins? Reinigendes Gewitter oder Anfang vom Ende? die verschiedenen Argumente sorgfältig gegeneinander ab, die für oder gegen eine Fortsetzung der Bitcoin-Story sprechen. 
Darin kommt egghat zu einer insgesamt vorsichtig optimistischen Prognose. Allerdings ist diese, wie er einräumt, an bestimmte Bedingungen geknüpft. Gegen Ende seines Beitrags schreibt er: 
Langfristig glaube ich, dass die Gefahr für Bitcoins nicht vom Kern - der Blockchain - ausgeht. Aus dem Ökosystem könnten hingegen mittelfristig noch ein paar Einschläge kommen, es ist allerdings unwahrscheinlich, dass der Fehler noch einmal so groß (und so einfach) sein wird wie bei MtGox.
Die wirkliche langfristige Gefahr ist eine andere: Das Konglomerat aus Staat, Notenbanken und der Finanzsektor. Denen geht es im alten System nämlich prächtig. Und sie würden jede Menge Macht abgeben, wenn sich Bitcoins breit durchsetzen und klassische Währungen verdrängen würden. Aber über diese Gefahr habe ich ja schon mal was geschrieben ... Schnappt jetzt die Regulierungsfalls für Bitcoins zu?
Die Argumentation ist plausibel. 

Trotzdem teile ich seinen (vorsichtigen) Optimismus so nicht. 

In seiner jetzigen Form hat Bitcoin m.E. kaum eine Überlebenschance. Selbst wenn die technischen Probleme vollständig beseitigt werden könnten, werden sich die z.T. hochgezüchteten Erwartungen (Demokratisierung, Transparenz) nur noch sehr schwer erfüllen lassen. Dafür ist schon jetzt zu viel Ideologie und Spekulation mit im Spiel. 

Eher glaube ich, dass auf Dauer eine andere digitale Währung (oder mehrere) den Platz von Bitcoin einnehmen wird, die aus den Fehlern von Bitcoin die richtigen Konsequenzen zieht. Es stehen ja schon genügend bereit. Allerdings wird es noch einige Zeit brauchen, bis das Wirtschafts- und Banksystem die nötigen Voraussetzungen geschaffen hat, ohne die auch eine digitale Währung nicht existieren kann. Das muss nicht zwangsläufig in einer Regulierungswut enden. Ohne verbindliche Regeln wird es jedoch nicht funktionieren

Kurzum: Stand heute halte ich Bitcoin, nicht aber digitale Währungen, nur für eine vorübergehende Erscheinung. Bitcoin hatte die Funktion eines Wegbereiters - immerhin. Der Hoffnungsträger verlässt die Bühne. Auch dieser Kaiser war dann bei näherer Betrachtung nackt. 

Nachtrag: 

Es spricht viel dafür, dass auch Zahlungs- und/oder Tauschmittel dem sog. Perelmanschen Trägheitsprinzip unterliegen, denn:  
Dass genauso gute Gründe für eine neue Lösung wie für die überlieferte sprechen, reicht nicht aus. Die Gründe für die neue Lösung müssen so gut sein, dasss sie nicht nur die neue Lösung, sondern auch den Bruch mit der Tradtition rechtfertigen. Es gilt also das Perlemansche Trägheitsprinzip. Derjenige, der eine neue Lösung vorschlägt, trägt die Argumentationslast. (in: Robert Alexy: Theorie der juristischen Argumentation) 
Schaut man sich die letzten Aktualisierungen bei egghat an, dann hat das schon etwas vom "Pfeifen im Walde" oder schlicht "Selektiver, ideologisch verzerrter Wahrnehmung". Als wäre es letztlich nur ein technisches, ein "Malleability-Problem" bzw. ein "Hacker-Problem".   

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