Freitag, 28. Februar 2014

Evidenzbasiertes Research im Banking

Von Ralf Keuper

Im Banking werden wir fortlaufend mit neuen Entwicklungen konfrontiert, die eine, wenn auch nur vorläufige, Bewertung erschweren. Aus dem Grundrauschen, die Signale herauszufiltern, die für einen tiefgreifenden Stilwandel in der Branche sprechen, nach Igor Ansoff häufig auch als "weak signals" bezeichnet, ist daher von entscheidender Bedeutung.

Die meisten Verfahren leiden jedoch an einer selektiven Sichtweise - entweder werden die Veränderungen in der Branche aus technologischer Perspektive oder aber aus dem Blickfeld des Marketing beschrieben. 
Im Vergleich dazu zielt eine Evidenzbasierte Vorgehensweise im Research darauf ab, den Wandel anhand belastbarer Daten und Belege zu verdeutlichen, ohne dabei den Blick für das Ganze zu verlieren. 

Katharina Landfester hat den evidenzbasierten Forschungsansatz für ihre Disziplin, die Chemie, prägnant beschrieben: 
Je mehr Daten vorliegen, aus denen man Belege erzeugen kann, und je überzeugender die Kombinationen von Experimenten sind, die für eine Argumentation verwendet werden, desto unwahrscheinlicher werden weitere Interpretationen gemacht: Erst die Kombination und die Einschränkung der Interpretationsmöglichkeiten führen dann zu einer Evidenz mit hoher Überzeugungskraft. (in: Heureka. Evidenzkriterien in den Wissenschaften. Ein Kompendium für den interdisziplinären Gebrauch)
Allein wegen der Größe und Vielschichtigkeit des Untersuchungsgegenstands, der Bankenbranche, wäre jedoch ein rein empirisch gestütztes, den Experimentalwissenschaften entlehntes Vorgehen zum Scheitern verurteilt. Es muss ergänzt werden um eine geistes- und sozialwissenschaftliche Komponente, d.h. ohne historische Vergleiche und Analogien geht es nicht. 

Wenngleich es auf den ersten Blick verwegen erscheinen mag, ist als Vorlage die Geologie sehr geeignet: 
Geologisches Denken und Arbeiten setzt auf Methodenvielfalt (Beobachtung, Experiment, Analogien, hermeneutische und historische Methoden, Numerik, Statistik usw.), um Lösungen für vierdimensionale komplexe Probleme zu finden. (Hildegard Westphal, ebd.) 
Hierfür liefert das Konzept des Wirtschaftsstils, und in Abwandlung davon,  des Bankstils den nötigen Rahmen. Durch die verschiedenen Perspektiven ist eine erste Einordnung, eine Diagnose der Phänomene möglich, wie z.B. bei den Trend-Themen Mobile Payments, Cloud Banking, Mobile Wallet, Digitale Währungen, Zukunft der Filialen, Disruptive Technologien etc. . Ergebnis ist eine Auswirkungsanalyse. 

Die entscheidende Frage ist dabei, ob und inwieweit die verschiedenen Phänomene für einen Stilwandel im Banking stehen. Welche Belege und Daten lassen sich dafür finden und wie belastbar, bzw. repräsentativ sind sie?
Handelt es sich um einen oder vielleicht auch um mehrere Strategische Wendepunkte (Andy Grove) ?  - welche Argumente, Daten und Beobachtungen sprechen dafür, welche dagegen? Wie sind sie zu werten? 
Kurzum: Wie evident sind sie?

Daran schließen sich weitere Fragen an: Wie kann, wie muss eine Bank bzw. ein Finanzinstitut darauf reagieren? Welche Handlungsalternativen gibt es? (z.B. Geschäftsmodellinnovationen, Kooperationen) Welche Faktoren lassen sich direkt, welche bestenfalls indirekt beeinflussen? Wo muss man agieren, wo reagieren? 

Wie erhalten wir unsere Handlungsfreiheit (Freedom to act)?


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen