Mittwoch, 5. Februar 2014

Digitale Revolution am Kaffeeautomaten, oder: Starbucks als Game Changer bei Mobile Payments?

Von Ralf Keuper

Das Thema Mobile Payments beflügelt die Phantasie einiger Kommentatoren, wie von Gene Marks, der auf Forbes fragt: What is Starbucks Brewing for Mobile Payments?
Marks äußert in dem Beitrag seine Überzeugung, dass Starbucks den Standard im Bereich Mobile Payments setzen wird; das Unternehmen sei geradezu prädestiniert dazu.

Nicht Apple, Google, PayPal, Amazon oder Alipay werden Mobile Payments zu breiter Akzeptanz und zum Durchbruch verhelfen, sondern die Kaffeehauskette Starbucks. Den Kreditkartenunternehmen weist Marks nur noch eine Statisten-Rolle zu, und auch das nur, wenn sie Glück haben.

Für Starbucks spricht ihr Image als Trendsetter in der Gastronomie, der neuen Technologien aufgeschlossen ist und bereits über eine eigene Mobile-App verfügt. Die Mehrzahl der Kunden dürfte in Starbucks auch weit mehr als "nur" ein Kaffeehaus sehen. Im Lauf der Jahre hat sich Starbucks zu einer Marke entwickelt, deren Bekanntheit nicht weit hinter Apple & Co. zurücksteht. Ein weiteres Pfund, mit dem Starbucks wuchern kann, ist das Filialnetz mit 18.000 Niederlassungen weltweit. 

So weit so gut.

Um als Newcomer im Bereich Mobile Payments einen weltweiten Standard etablieren zu können, d.h. das zu vollbringen, wozu die diversen Kreditkartenunternehmen, Banken, Telekommunikations- und Internetunternehmen bisher nicht in der Lage oder willens waren, benötigt man mehr als nur ein gutes Marketing und eine digitale Strategie. 

Hierfür sind enorme Investitionen in die entsprechende Infrastruktur und Personal nötig; auch dann, wenn Starbucks die Dienste anderer Anbieter in Anspruch nimmt. Es mag sein, dass Starbucks bereits über große Erfahrungen bei der mobilen Zahlungsabwicklung verfügt; nur dürfte das im Vergleich zu Amazon, Apple & Co. bescheiden sein. 

Kurzum: Um einen Standard begründen zu können, fehlt es Starbucks derzeit an Marktmacht und an technologischen, wie auch organisatorischen Möglichkeiten. 
Das einzige Argument, das für Starbucks spricht, ist, dass das Unternehmen als neutraler Agent zwischen den Blöcken agieren kann. Solange sich die großen Player blockieren und belauern, ist das die einzige Chance für einen (relativ) neuen Spieler. Noch besser wäre es, wenn es Starbucks gelänge, eine Allianz zu schmieden, ein offenes Ökosystem aufzubauen, das die anderen Player unter Zugzwang setzt. Spätestens hier jedoch beginnt die reine Spekulation. 

Die eigentliche Rolle von Starbucks bei den Mobile Payments kann m.E. nur die eines Innovationstreibers sein, der Impulse setzt, die von den anderen, letztlich maßgebenden Unternehmen in der einen oder anderen Form aufgenommen werden. Aber auch diese (Pionier-)Rolle wird sich Starbucks mit anderen teilen müssen. 

Eine ebenfalls nicht zu unterschätzende Bedeutung bei der Durchsetzung internationaler Standards haben staatliche und internationale Institutionen

Weitere Informationen

Vom Nutzen internationaler Standards in der Bank-IT (BIAN)

The Starbucks mobile wallet: Will fantasy become reality?



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