Montag, 24. Februar 2014

Stilarten im Banking und im Fußball - Eine Annäherung

Von Ralf Keuper

Dieser Tage hatte ich Gelegenheit, einem Vortrag des Kulturwissenschaftlers Hans Ulrich Gumbrecht über die Nationalen Stilarten im Fußball beizuwohnen. 
Dabei kam mir der Gedanke, ob nicht einige der Aussagen über die Stilarten im Fußball, wenngleich in abgewandelter Form, auch für das Banking zutreffen.
Gumbrecht konzentrierte sich in seinem Vortrag auf den südamerikanischen Fußball. Unterschiede im Stil lassen sich zwar anhand historischer und kultureller Entwicklungen im jeweiligen Land veranschaulichen, ein direkter, kausaler Zusammenhang ist jedoch schwer nachzuweisen. Hinzu kommen müssen weitere (Stil-) Elemente, wie Protagonisten, d.h. Identifikationsfiguren, die den Stil repräsentieren. Im Fussball wären das Spielerpersönlichkeiten wie Pele, Gradin, Kempes, Cruyff, Beckenbauer und Maradona. 

Im Banking sind die neuen Protagonisten der jüngeren Vergangenheit neben der Gruppe der Investmentbanker und den Vertretern eines Nachhaltigen Banking, wie die GLS Bank oder die Sparda Bank München, auch Personen wie Brett King, die für einen Stilwandel im Banking stehen. Während der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts haben Bankiers wie Jürgen Ponto, Alfred Herrhausen, Hermann-Josef Abs, Siegmund Warburg und Friedrich-Wilhelm Christians den Stil im deutschen Bankwesen maßgeblich geprägt. Zu der Zeit bestanden noch deutliche Unterschiede im Stil zwischen dem angelsächsischen und dem kontinentaleuropäischen Banking. Die "Deutschland AG" war ein gängiger Begriff. 
Nach wie vor ist das deutsche Bankwesen mit seinen drei Säulen (Privat-/Geschäftsbanken, Sparkassen, Genossenschaftsbanken) in dieser Form einzigartig in Europa und der Welt. Jede Säule steht wiederum für einen bestimmten Bankstil. Sparkassen agieren anders als Großbanken, diese wiederum anders als Genossenschaftsbanken, die sich ihrerseits von den Privatbanken unterscheiden. Spezial- und Absatzfinanzierer haben ebenfalls einen eigenen Stil. Neue Anbieter wie die diversen FinTech-Startups sorgen aber auch bei uns dafür, dass die Bankwelt sich wandelt bzw. sich dem Bankwesen anderer Länder annähert. 

Die Frage der Ästhetik während der Betrachtung eines Fussballspiels, einer Aufführung, lässt sich dagegen nicht ohne weiteres auf das Banking übertragen. Kaum jemand wird eine Bankfiliale wegen der Aufführung bzw. der Spielzüge der Mitarbeiter betreten. Ob die Gamification daran etwas ändert, bleibt abzuwarten. 

Inwieweit die Globalisierung zu einer Angleichung der Bankstile führt, ist noch nicht abzusehen. Vieles spricht derzeit dafür, dass wir hier zunächst eine weitere Annäherung erleben werden, was nicht heisst, dass sie auf Dauer völlig identisch und austauschbar werden. Eher werden wir erleben, dass die verschiedenen Bankstile versuchen werden, sich voneinander abzuheben, z.B. durch eine einzigartige Kombination der Stilelemente (Filialen, Bank als digitale Plattform, Crowdsourcing/Open Innovation, Mobile Payments/Mobile Wallet, Geschäftsmodellinnovationen, Offensive oder defensive Risikopolitik). 
Dem Trainer und der Mannschaft fällt die Aufgabe zu, den Stil glaubhaft nach außen zu vertreten und zu praktizieren, um die Aufmerksamkeit und das Engagement der Zuschauer (Kunden) zu fesseln. 

Weitere Informationen:

Was ist ein "Bankstil"? (Grundlegung eines neuen Begriffs) #1

Modernisierung des deutschen Finanzsystems – Ende der Sozialen Marktwirtschaft ?


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