Donnerstag, 6. März 2014

Auf der Suche nach dem passenden digitalen Geschäftsmodell im Banking

Von Ralf Keuper

Die fortschreitende Digitalisierung in der Wirtschaft zwingt auch die Banken dazu, ihre Geschäftsmodelle zu überdenken. Während andere Branchen, wenn auch mehr der Notwendigkeit als dem Wunsch folgend, genannt sei die Medienbranche, ihre Geschäftsmodelle schon weitgehend den neuen Realitäten angepasst haben, tut sich die Bankenbranche noch vergleichsweise schwer. Gründe dafür sind die Alt-Systeme, die einem raschen Wandel ebenso im Weg stehen wie die Unternehmenskultur und die informellen Strukturen/Regeln. Nimmt man dann noch den Aufwand für die Umsetzung der regulatorischen Anforderungen hinzu, zeigt sich, dass der Handlungsspielraum der meisten Banken auf ein Minimum begrenzt ist.

Und doch gibt es Banken, die es schaffen, sich ihre Handlungsfreiheit zu bewahren und selbst aktiv an der Digitalisierung im Banking mitzuwirken, wie beispielsweise die spanische BBVA oder die USAA.

Letztere wird von Peter Weill und Stephanie L. Woerner in ihrem lesenswerten Beitrag Optimizing Your Digital Business Model als Beispiel dafür herangezogen, wie einer Bank die Implementierung eines digitalen Geschäftsmodells gelingen kann.

Weill und Woerner benennen drei Komponenten eines digitalen Geschäftsmodells:
  • Content (What is consumed?)
  • Experience (How is it packaged?)
  • Platform (How is it delivered?)
Oberste Priorität für USAA hat die Experience. So hat die Bank die Kommunikations- und Interaktionskanäle mit den Kunden vereinheitlicht und die Produktorientierung durch an Lebensereignisse ausgerichtete Angebote ersetzt. Die Bank verfügt organisatorisch über einen Customer Experience Executive Vice President und IT-seitig über eine einheitliche Kundendatei wie auch eine gemeinsame Infrastruktur (Shared Services). 

Nicht für jede Bank wird die Experience an oberster Stelle stehen. Ebenso kann der Content oder die Plattform das Mittel sein, um den Kunden einen entscheidenden Vorteil zu bieten. Allerdings sollten die Banken jede der genannten Disziplinen beherrschen. 
Wird jeder Kundenwunsch erfüllt, hat dies häufig direkte Auswirkungen im Back End, d.h. die Zahl der Insellösungen oder "Sonderlocken" steigt und die IT-Landschaft nimmt eine Spaghetti-Form an. Der Middleware kommt dann die undankbare Aufgabe zu, Ordnung ins Chaos zu bringen. Unausweichlich steigen die gegenseitigen Abhängigkeiten an; der Weg in die Komplexitätsfalle ist dann nicht mehr weit. 

Eine weitere Bank, die eine aktive Rolle in der Digitalisierung im Banking anstrebt, ist die neuseeländische ANZ. Ganz gleich, welche Prioritäten eine Bank setzt, bleibt nach Ansicht von David Green ein übergeordnetes Ziel:
The ultimate aim of a modern global bank in an ever more connected world should be to enable any customer to make any payment, any time, anywhere, and on any device.
Weiterhin, so Green, sollte die Bank die Kunden aktiv, z.B. per Alerts, bei der Erledigung ihrer täglichen Arbeit unterstützen.  So könnte ein Agent auf Ereignisse bei den Kontobewegungen hinweisen, die ein Eingreifen erfordern bzw. nahelegen, z.B. wenn der Kurs einer ausländischen Währung eine bestimmte Schwelle unter- oder überschritten hat.
Gedanken dieser Art tauchen in letzter Zeit gehäuft auf. Gerne wird der Vergleich mit Amazon gezogen. Die BBVA spricht in dem Zusammenhang vom Knowledge Banking.

Damit stellt sich die Frage: Lassen die Digitalisierung und Globalisierung im Banking nur noch die drei von Weill und Woerner genannten Optionen zu ? Mit anderen Worten: Führen die Globalisierung und Digitalisierung zwangsläufig zu einer Vereinheitlichung der Geschäftsmodelle, der Stilarten im Banking? Fallen geographische, kulturelle und politische Faktoren nicht bzw. kaum noch ins Gewicht? Haben kleine, spezialisierte Banken/Finanzinstitute nur noch dann eine Chance, wenn es ihnen gelingt, sich in ein Netzwerk/Ökosystem einzuklinken? Oder aber bekommen wir eine bunte Mischung aus verschiedenen Geschäftsmodellen/Stilarten im Banking?

Fragen wie diese werden uns auf diesem Blog immer wieder beschäftigen. 

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