Donnerstag, 27. März 2014

Ethisches Banking: Zeichen für einen Stilwandel im Banking?

Von Ralf Keuper

Die Begriffe Ethisches Banking und Social Banking werden häufig synonym verwendet. Ethische Banken werben damit, dass sie ihre Anlagestrategie und Geschäftspolitik an moralischen, sozialen und ökologischen Kriterien ausrichten. Angebotsseitig zeigt sich das daran, dass die Gelder der Kunden nur in Anlagen wandern, die einem dezidierten ökologischen oder sozialen Zweck dienen. Analog dazu werden nur Projekte und Unternehmen finanziert, die nachhaltige Produkte und Dienstleistungen anbieten, wie aus dem Bereich der erneuerbaren Energien. 
Vorreiter auf dem Gebiet des ethischen Banking sind die GLS Bank, die EthikBank, die UmweltBankTriodos und als Newcomer rethink finance.  

Durch den Vertrauensverlust vieler Kunden in die "klassischen" Banken als Folge der Finanzkrise sahen viele Beobachter, aus guten Gründen, den Durchbruch des Ethischen Banking unmittelbar bevorstehen. Die Katastrophe von Fukushima führte in weiten Teilen der Bevölkerung wie auch in der Politik zu einem Umdenken. Dennoch ist der Anteil der Ethischen Banken am Gesamtmarkt nach wie vor gering. 

In ihrer wichtigen Social Banking Study 2012 veranschlagte die auf Banken spezialisierte Unternehmensberatung zeb das Gesamtpotenzial für sozial-ökologische Bankangebote in Deutschland bei den über 16jährigen auf 16,2 Millionen Personen. Als Kernpotenzial wurden 7,3 Millionen Personen mit einem Gesamtvermögen von 620 Milliarden Euro identifiziert. Als Hemmschuh für die weitere Entwicklung nannten die Autoren u.a. die geringe Kenntnis der Kunden über sozial ökologische Bankprodukte. 

Es scheint, als hätte das Ethische Banking die Nische bis heute nicht verlassen. So sehr der allgemeine Wertewandel auch in Richtung Nachhaltigkeit geht, so wenig haben, jedenfalls absolut gesehen, die ethischen Banken von diesem Trend profitiert. Das Potenzial, so es denn bei 16 Millionen Personen liegt, wurde bisher nicht annähernd ausgeschöpft. 

In ihrem Beitrag Social Banking wird massentauglich (bank und markt vom März 2011) bemerkten meine geschätzten Ex-Kollegen von Steria Mummert, Ludwig Jurgeit und Martin Tröger, dass Social Banking nur unter bestimmten Voraussetzungen, als Social Banking 3.0,  in der Breite vermarktbar ist. Im Grunde genommen läuft das Modell des Social Banking 3.0 darauf hinaus, die "konventionellen" Banken mit ins Boot zu holen, da sie über die nötigen Strukturen und Ressourcen verfügen, um die Massen zu erreichen. Daher müssten auch sie verstärkt auf Transparenz bei der Produktgestaltung setzen und entsprechende Anlageformen sowie Finanzierungen anbieten.  

Wie auch immer. Festzuhalten bleibt, dass das Ethische Banking noch nicht bei den Massen, in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Der Stilwandel vollzieht sich an dieser Stelle sehr langsam. Er wird m.E. auch weiterhin nur sehr zögerlich von statten gehen, sofern er nicht von einer größeren gesellschaftlichen Bewegung getragen wird. 

Der wachsende Einfluss der verschiedenen Interessengruppen (Stakeholder) wird auch das Banking nicht unberührt lassen. Friedrich Wilhelm Christians sprach bereits vor Jahren von einem Stakeholder-Value. Die Sparda-Bank München veröffentlicht als bisher einzige Bank in Deutschland eine Gemeinwohlbilanz. Auf internationaler Ebene setzt sich langsam aber sicher das Integrated Reporting durch. 
Wie Andrew Sheng in seinem Beitrag Kermit's Bankers schreibt, läuft es letztendlich darauf hinaus: 
Building a more stable, sustainable future requires getting policies, prices, and incentives right. 

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