Mittwoch, 5. März 2014

Robert S. Shillers neueste Gedanken zu Bitcoin und digitalen Währungen

Von Ralf Keuper


Nun muss die Tatsache, dass ein Wirtschaftsnobelpreisträger diese Aussage trifft, nicht bedeuten, dass es sich hierbei um der Weisheit letzter Schluss handelt. Jedoch besitzt Shiller gewiss eine mindestens ebenso große Glaubwürdigkeit wie die Investoren, die von den Bitcoin-Anhängern gerne als Zeugen genannt werden. Ist es nur die Angst vor den neuen Herausforderern, die die Banken, Notenbanken und Regierungen auf Distanz zu Bitcoin gehen lassen?
Selbst wenn das der Fall sein sollte, kann es nicht erklären, warum so viele namhafte Persönlichkeiten, die den Banken wahrlich nicht unkritisch gegenüberstehen, wie Robert Shiller, Alex Payne, Dirk Müller und zuletzt Paul Kellermann Bitcoin nur wenig bis gar nichts abgewinnen können.

Schon jetzt hat Bitcoin so viel Vertrauen verbraucht, wie es herkömmlichen Währungen häufig erst nach Jahrzehnten "gelingt". Überhaupt ist die Bitcoin-Gemeinde längst nicht von so edlen Motiven geleitet, wie einige Beobachter noch immer anzunehmen scheinen, wie die nähere Betrachtung der dazugehörigen Ideologie zeigt. Um eine Revolution von unten handelt es sich wohl kaum.

Insofern sind die aktuellen Gedanken von Shiller geeignet, etwas mehr Nüchternheit in die Diskussion zu bringen. Bei aller Kritik, sieht Shiller, wie er in dem Beitrag In Search of a Stable Electronic Currency in der New York Times schreibt, in Bitcoin einen wichtigen Schritt hin zu dem eigentlichen Einsatzfeld digitaler Währungen:
I believe that electronic forms of money could give us better pricing, contracting and risk management.
Elektronisches Geld hätte demnach in erster Linie die Aufgabe eines neutralen Wertmessers, der Vergleiche zwischen unterschiedlichen Volkswirtschaften, Währungen und Warenkörbe erleichtert. Das klingt natürlich nicht sonderlich revolutionär. 

Man muss Shiller nicht in allen Punkten zustimmen. Jedoch sind die Defizite von Bitcoin, auch gemessen am eigenen Anspruch, so gravierend, dass es sehr schwer sein dürfte, die hoch gesteckten Erwartungen zu erfüllen. 

Das Thema digitale Währungen ist damit m.E. nicht erledigt. Hier besteht in der Tat noch viel Potenzial, für das sich noch ganz andere Einsatzmöglichkeiten im Banking finden lassen. Das Experiment geht weiter. 

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