Montag, 19. Mai 2014

Die skandinavischen FinTech-Startups

Von Ralf Keuper

Im (hohen) Norden Europas sind in den letzten Jahren einige FinTech Startups entstanden, die es bereits geschafft haben oder dabei sind, ihr Geschäftsmodell zu skalieren und damit die Grenzen des skandinavischen Marktes zu überwinden.

Das bekannteste dürfte izettle aus Schweden sein. Ebenfalls aus Schweden stammen wrapp und Klarna. Klarna hat erst im letzten Jahr die Sofort AG, die als führend im Markt für Online-Überweisungen in Deutschland gilt, übernommen. Noch relativ neu ist der Bitcoin-Reseller Safello, der beabsichtigt, mehr Sicherheit in die Bitcoin-Industrie zu bringen, wie kürzlich mit seinem identity verification service

In Finnland macht seit einiger Zeit Holvi mit seiner Kontoübersicht von sich reden. Damit sieht sich das Unternehmen gegenüber Anbietern wie Bank Simple im Vorteil. Im Bereich Security, genauer Biometrie, versucht BehavioSec, ebenfalls aus Finnland, den FinTech-Markt zu erobern. 

In Norwegen hat erst kürzlich das FinTech Startup Edgefolio für einiges Aufsehen in der skandinavischen Startup-Szene gesorgt. Edgefolio bietet nach eigener Aussage eine skalierbare Marketing-Plattform für Hedgefonds an, die es ermöglicht, die Suche nach geeigneten Investments zu standardisieren (Pitch bzw. Auswahlprozess) und den Markt transparenter zu machen. 

Auffallend ist, dass in Dänemark bisher kaum FinTech-Startups auf dem Radar erschienen sind. Eines der wenigen ist tradable
Das bekannteste FinTech-Unternehmen aus Dänemark ist SimCorp

Im Gegensatz dazu haben sich in den baltischen Ländern (Lettland, Estland, Litauen) ausgesprochen lebhafte Startup-Ökosysteme gebildet, die immer für eine Überraschung gut sind - nicht nur im Bereich FinTech.

Hervorzuheben ist BAS (Baltic Amber Solutions) aus Litauen mit ihrer neuartigen CRM-Lösung Nano. Weiterhin wirbt das Unternehmen mit seiner Innovation RiskFinas. Aus Estland kommt Big Data Scoring

Alles in allem bestätigt sich der Eindruck, dass Skandinavien derzeit über das wohl vielfältigste und vielversprechendste Startup-Ökosystem Europas verfügt. Epizentrum ist dabei neben Helsinki und Oulu in Finnland vor allem Stockholm, dessen Startup-Ökosystem einige Kommentatoren für ebenso dynamisch wie das israelische halten.  

Die Beispiele Skandinavien/Baltikum, wie auch Island mit Meniga, zeigen außerdem, dass FinTech-Startups nicht zwangsläufig in internationalen Finanzzentren wie London, New York oder Frankfurt angesiedelt sein müssen. 
Häufig kommen die wirklich bahnbrechenden Ideen von der "Schöpferischen Peripherie". Einen aktuellen Eindruck über die skandinavische und baltische Startup-Szene gibt der Beitrag Top 30 Startups From The Nordics/Baltics: Arctic15 Finalists Announced, Your Vote Needed.

Jedenfalls scheinen die langen skandinavischen Winter der Kreativität nicht abträglich zu sein, was auf dem Kontinent, schaut man sich unsere langen Winter bzw. Herbstphasen an, in gewisser Weise hoffnungsvoll stimmt ;-) 



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