Freitag, 4. Juli 2014

Großbritannien: Mehr FinTech-Startups in der "Provinz" ?

Von Ralf Keuper

In keiner anderen Stadt der Welt haben sich so viele FinTech-Startups angesiedelt wie in London. Da auch hier irgendwann die Kapazitätsgrenzen erreicht sind, wird in Großbritannien aktuell die Frage diskutiert, ob es für FinTech-Startups nicht auch außerhalb der Londoner City oder in anderen Regionen des Landes Überlebenschancen gibt, wie in dem Beitrag Can UK fintech startups survive outside London?. Für London spricht die wohl weltweit einzigartige dichte Infrastruktur aus Investoren (Acceleratoren/Inkubatoren), anderen FinTech-Startups, Beratern, Talenten, Finanzdienstleistern (Information Centric Industries) Veranstaltungen und Coworking Spaces. In diesem Umfeld kommt es schneller zu den sog. Übertragungseffekten (Spill Over), die für gewöhnlich eine gewisse räumliche Nähe benötigen. 

Neben London werden inzwischen auch Manchester, Nordirland und Schottland als geeignete Standorte für FinTech-Startups genannt. Überhaupt liegen in Großbritannien die Startup-Ökosysteme, anders etwa als in den USA, räumlich dicht beieinander (siehe Das Startup-Ökosystem im Vereinigten Königreich (The UK Tech-Startup Ecosystem) Die Frage ist, welche Mindestgröße ein Startup-Ökosystem haben muss, um als Standort für FinTech-Startups attraktiv zu sein. In Deutschland ist Berlin derzeit der bevorzugte Standort für FinTech-Startups, obwohl die Stadt kein internationales Finanzzentrum ist. Aber auch in der "Provinz" in Hamburg, München, Frankfurt und Köln/Düsseldorf haben sich viele FinTech-Startups niedergelassen (siehe Die FinTech Startup - Ökosysteme in Deutschland (Studie) )
Allerdings ist Deutschland von seiner Struktur her ohnehin föderaler, dezentraler ausgelegt als Großbritannien. 
Brad Feld belegt am Beispiel von Boulder/Colorado, dass sich auch außerhalb großer Metropolen dynamische Startup-Ökosysteme bilden können. Jedoch ist Boulder bisher noch nicht als Hochburg für FinTech-Startups in Erscheinung getreten. Als weiteres Beispiel ließe sich jetzt noch Skandinavien anführen, das ebenfalls über kein internationales Finanzzentrum verfügt. 

Kurzum: Völlig aussichtslos ist es nicht, außerhalb der Londoner City ein FinTech-Startup zu gründen und zum Erfolg zu führen. Entscheidend ist ein intaktes Startup-Ökosystem mit genügend Investoren, Talenten, Veranstaltungen, Instituten/Universitäten und, wie Brad Feld es nennt, Leadern, die eine langfristige Perspektive, eine Vision verfolgen. Abzuwarten bleibt vor dem Hintergrund die weitere Entwicklung des Inkubators für Startups aus dem Umfeld digitale Währungen auf der Isle of Man. Allerdings ist ein direkter Vergleich wegen des besonderen Status der Insel schwierig. 

Weitere Informationen:

Die US-amerikanischen FinTech-Startups

Leeds gets fintech accelerator

From Tech City to Tech Nation



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