Montag, 15. September 2014

Apple Pay - Vorerst kein Handlungsbedarf für die Banken? Eine Replik auf die Kritiker

Von Ralf Keuper

Eigentlich wollte ich mich nicht mehr weiter zum Thema Apple Pay äußern. Im Grunde genommen ist alles gesagt. Die Einschätzungen, was die Auswirkungen auf die Banken betrifft, gehen naturgemäß auseinander. 
Trotzdem möchte ich den aktuellen Beitrag Apple Pay erzeugt zu wenig Druck auf die Banken - Zurücklehnen ist trotzdem nicht drin von Dirk Elsner zum Anlass nehmen, auf Kritikpunkte näher einzugehen, die mir in der Diskussion symptomatisch erscheinen.

Nachdem Apple nun - für einige wider Erwarten - doch eine Lösung für das mobile Bezahlen präsentiert hat, müssen die Konsequenzen herunter gespielt werden. Die Lösung ist dann - welch Überraschung - alles andere als "disruptiv". Das war auch noch nie der Ansatz von Apple. Apples Erfolg beruht eben nicht auf der Lancierung der einen, aber alles entscheidenden "Killer-App", sondern auf einer Systeminnovation, Evolution - siehe iTunes. Das ist auch die eigentliche Bedrohung für die Banken wie überhaupt für Finanzintermediäre. 

Die Tatsache, dass die Banken an Apple Gebühren entrichten müssen, ist keinesfalls nur ein unbedeutendes betriebswirtschaftliches Ereignis, ohne weitreichende Konsequenzen, sondern Ausdruck eines Machtbebens. Dass Apple, PayPal & Co auch weiterhin die Infrastruktur der Banken nutzen, ist alles andere als ein Grund zum Jubeln. Jedenfalls dürfte Jamie Dimon von J.P. Morgan darin keinen Anlass erkennen. Die Folgerung, die Banken würden die Herausforderer weiterhin an der langen Leine halten, erschließt sich mir beim besten Willen nicht. Im Gegenteil: Hier bahnt sich das Ende eines Monopols an. Da dringt ein Unternehmen in eine der Königsdisziplinen der Banken ein - und das mit einem wohl durchdachten Konzept. Davon sind die meisten Banken noch weit entfernt, wie ja auch Dirk zu bedenken gibt. 
Außerdem sind Zweifel angebracht, ob die Lösung, so sie denn eines Tages kommen sollte, mit der von Apple und PayPal nicht nur in Fragen der Anwenderfreundlichkeit gleich ziehen kann. In den Lösungen von Apple, PayPal & Co steckt jahrelange Arbeit. Das macht man nicht einfach so über Nacht, wie selbst Amazon jetzt eingestehen muss. Da könnte die Banken eine ausgedehnte Lernkurve erwarten. 
Wenn auch noch, wie bei Apple Pay, die Authentifizierung mit übernommen wird, ist das ein weiterer Funktionsverlust für die Banken - ein Schritt in Richtung Disintermediation. 

Um ein Thema wie Mobile Payments in die Fläche zu bekommen, bedarf eines großen Players mit großer Reichweite  - wie Apple. FinTech-Startups fehlen dazu die Mittel. Das Internet begünstigt auch hier diejenigen, die über die Ressourcen verfügen, um einen Standard zu setzen, den die FinTech-Startups nutzen können, wie Stripe. In Afrika sind es übrigens die großen Telekommunikationsunternehmen wie Vodaphone und Econet, die bei den Mobile Payments die Rolle des Treibers übernommen haben. 

Das eigentliche Ziel von Apple & Co ist der Bereich E-Commerce. Dafür spricht, dass Apple in den letzten Monaten einige führende Köpfe von AmEx, PayPal und Google abgeworben hat. Über diesen Kanal werden künftig weite Teiles des Banking abgewickelt. Wer da im Hintergrund die Infrastruktur für die Verbuchung betreibt, ist da fast schon zweitrangig. 

Für Michael Harte von Barclays geht die größte Gefahr für die Banken nicht von Apple, sondern von Alilbaba aus

Apple hat den Zeitpunkt für die Lancierung von Apple Pay mit Bedacht gewählt. Gerade auch mit Blick auf die Unterstützung durch den Handel. Das Timing war wichtig. So schreibt Brett King auf Bankinnovation:
Apple now knows that the major merchant acquirers and the card networks are all fully committed to rolling out new EMV capable terminals, that will also support mobile contactless payments. This is key – without this guaranteed momentum, Apple was faced with uncertainity over the horse before the cart problem of a mobile payments capability. For merchants, issuers and acquirers, this makes the decision to invest in retooling the POS networks much easier.
Auch hierzulande stehen die Räder nicht still. So wurde am 12.09.14 bekannt, dass Visa und Mastercard die Verbreitung von NFC in Europa planen. Demnach sollen bereits ab dem 01. Januar 2015 (!) alle neuen Zahlungsterminals, die Mastercard akzeptieren, NFC-fähig sein. Die alten können noch bis 2018 verwendet werden.  

Die Bedrohung für das Geschäftsmodell der Banken ist real. Nicht umsonst warnte der Chef der BBVA, Francisco Gonzales, vor einiger Zeit seine Branche davor, von Google, Amazon und Co. aus dem Stammgeschäft gedrängt zu werden. Ebenso mahnte die Macquarie Bank unlängst, dass den Banken allein in Australien als Folge der Digitalisierung in den nächsten Jahren bis zu  30% ihrer Erträge verloren gehen könnten
Im Jahr 1990 zog Ulrich Cartellieri, zu der Zeit Vorstandsmitglied der Deutschen Bank, in einer Rede vor Studenten Parallelen zwischen dem Schicksal der Banken und der Stahlindustrie

Es handelt sich aber um mehr als "nur" einen digitalen Wandel. Wäre es so, könnten die Banken vielleicht noch die Entwicklung aufmerksam, aber entspannt beobachten und den Zeitpunkt abwarten, an dem sie die nötigen Investitionen vornehmen, wie das bisher auch immer der Fall war. Jedoch haben wir es hier auch mit einem medialen Wandel zu tun, der auch das Banking umfasst. Es ist diese Kombination aus digitalem und medialem Wandel, der das Geschäftsmodell der Banken in den nächsten Jahren massiv unter Druck setzen wird. 

Um nicht missverstanden zu werden: Es geht mir keineswegs darum, Apple als leuchtendes Vorbild für die Zukunft des Banking zu präsentieren. Allerdings halte ich es für falsch, Apples Erfolg nach all den Jahren zu marginalisieren oder das Unternehmen zu dämonisieren. Man muss Apple nicht mögen, um zu erkennen, dass man einiges davon lernen kann. Persönlich zähle ich mich, auch wenn in den letzten Tagen der gegenteilige Eindruck entstanden sein kann bzw. wird - zu den Personen, die dem Unternehmen kritisch, gleichwohl nicht per se ablehnend gegenüberstehen.  

Es ist - sportlich gesehen - immer von Vorteil, seinen Gegner zu kennen, um die passende Antwort auf seine Aktionen finden zu können. Das gilt auch für das Banking. 

Bin sicher, dass Dirk und andere da mit mir einig sind. Unsere Positionen liegen nach meinem Eindruck ohnehin gar nicht sooo weit auseinander.

Eine lesenswerte Analyse liefert Jochen Siegert in seinem Beitrag Konsolidierung im Mobile Payment durch ApplePay? Wer kann überleben?

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