Dienstag, 28. Oktober 2014

Banking trifft Netzwerktheorie

Von Ralf Keuper

Angesichts der Tatsache, dass sich weite Teile des Bankgeschäfts mittlerweile ins Internet verlagert haben, ist es fast schon zwingend, sich ein wenig näher mit der Netzwerktheorie zu beschäftigen. Soziale Netzwerke wie twitter und facebook, ebenso wie die physischen Netzwerke in Form von Routern und Leitungen, üben einen großen Einfluss auf das Banking aus. Die Reaktions- und Verarbeitungszeiten werden immer kürzer, die gegenseitige Abhängigkeit nimmt zu. Letzteres kommt technisch in Systemausfällen zum Ausdruck, bankpolitisch und volkswirtschaftlich äußert sich das in der Systemrelevanz einiger Institute. 

An Theorien, die sich mit Netzwerken beschäftigen, herrscht kein Mangel. Inzwischen wendet sich die Forschung verstärkt den komplexen Netzwerken zu. 
Ein wiederkehrendes Thema sind darin die sog. skalenfreien Netze. Skalenfreie Netze zeichnen sich durch sog. "prominente Knoten", Naben (Hubs) aus, die eine große Bedeutung für die Widerstandsfähigkeit eines Netzwerks äußeren Einflüssen gegenüber haben. Skalenfreie Netzwerke verfügen über eine hohe Widerstandsfähigkeit bei zufällig auftretenden Störungen, währenddessen sie bei gezielten Angriffen auf die prominenten Knoten sehr verwundbar sind. Es reicht schon aus, wenn zwischen 5 und 15 Prozent der Naben, beispielsweise durch Computerviren, zerstört werden, um das gesamte Netz zum Einsturz zu bringen. Ein wichtiges Thema für Banken und Internetkonzerne gleichermaßen. 

Einen guten Überblick über die einflussreichsten Netzwerktheorien gibt Greg Satell in seinem Beitrag The Story of Networks

Das Internet hat eine starke Tendenz, die Entstehung von Hubs, Oligopolen zu begünstigen. Ökonomisch äußert sich das dann in der Dominanz einiger weniger Konzerne, wie Google, Amazon, facebook und neuerdings Uber. Nicht jeder sieht das Thema Marktdominanz so entspannt wie Peter Thiel. 

Auch vor dem Banking macht diese Entwicklung, dieses "Gesetz" nicht halt, wie derzeit gut am Beispiel Mobile Payments zu sehen ist. Dort kann man die Bildung einiger Blocks, Naben beobachten, die versuchen, den Standard zu setzen, wie Apple mit Apple Pay und WalMart mit CurrentC. 
Da das Banking, jedenfalls das Retail-Banking, ein typisches Massengeschäft ist, braucht es keine große prophetische Gabe, um hier in naher Zukunft von der Bildung oligopolistischer Marktstrukturen auszugehen. Die hohen Investitionen für den Aufbau des physischen wie auch sozialen Netzwerks, Ökosystems können nur die wenigsten Unternehmen aufbringen. Noch weniger dürften in der Lage sein, die Komplexität des Netzwerkes zu steuern. 

Banken mit ihren hierarchisch ausgelegten Organisationsstrukturen befinden sich hier klar im Nachteil. Damit ist nicht gesagt, dass die großen Internetkonzerne letztlich nicht auch hierarchisch organisiert sind. Nur nicht in diesem Ausmaß. Sie sind im Umgang mit Netzwerken, im Management von Plattformen, wie die Beispiele Uber und Apple zeigen, vertrauter. Und das kann ein entscheidender Vorteil sein. 

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