Donnerstag, 2. Oktober 2014

Die digitale Bank - eine Sackgasse #2

Von Ralf Keuper

Das Modell der Digitalen Bank erfreut sich derzeit großer Beliebtheit. Zu verlockend ist die Aussicht, eine Bank digital zu transformieren, ohne dabei die Idee einer Universalbank aufgeben zu müssen. 

Leider hat dieses Modell einige Webfehler. 

Auf mehrere davon weist David Gibbard in seinem Beitrag Omnichannel und Digital Banking will Not Succeed in America hin. Die Liste der funktionalen und nicht-funktionalen Anforderungen, die eine digitale Bank erfüllen müsste, ist erdrückend. Um diese abzudecken, müsste einer Bank die Quadratur des Kreises gelingen. Oder anders ausgedrückt: Eine Bank wäre gezwungen, sehr viel Aufwand zu betreiben, um der Komplexitätsfalle zu entrinnen. Die einzige bekannte Organisationsform, die dazu - prinzipiell - in der Lage wäre, ist die Netzwerkorganisation. Allerdings ist der Steuerungsaufwand hier extrem hoch. 

Gibbard bewegt sich nah an der Position von Francisco González, dem Chef der BBVA, der in dem Zusammenhang vom Knowledge Banking spricht. Demzufolge werden nur wenige Banken in der Lage sein, die volle Bandbreite der typischen Bankdienstleistungen anzubieten. Für die anderen bleibt nur die Nische und/oder der Status eines spezialisierten Zulieferers. González setzt  auf Skaleneffekte und Standardisierung. 

Demgegenüber glaube ich, dass wir Kooperationen zwischen Internet-Konzernen (Google, Apple, facebook, twitter, Alibaba, Tencent, Amazon), Telekommunikationsunternehmen (T-Mobile, Verizon, Vodaphone), Einzelhändlern (Wal Mart, Tesco), Kreditkartenunternehmen (Visa, Mastercard, Amexco) und Banken sehen werden. Einer alleine wird die Komplexität des Banking nicht mehr abbilden können. Dafür verläuft der technologische und soziale Stilwandel im Banking zu rasch. Es kommt von zu vielen Seiten gleichzeitig. Das Innovator's Dilemma in potenzierter Form quasi. 

Weitere Informationen:

Wir bauen uns eine Bank ...

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