Dienstag, 18. November 2014

Denkmuster und Realitäten im Banking der Digitalmoderne (Alfred Herrhausen)

Von Ralf Keuper

Die immer mehr um sich greifende Digitalisierung stellt vor allem die Banken vor neue Herausforderungen. Das betrifft insbesondere die etablierten Denkmuster, die an die neuen Realitäten angepasst werden müssen, wollen wir nicht Gefahr laufen, den Anschluss an die Entwicklung in anderen Branchen sowie Regionen der Welt  zu verlieren. Damit ist gleichwohl kein Alarmismus verbunden, sondern die Bereitschaft, vertraute Annahmen einer fortlaufenden kritischen Revision zu unterziehen. Alfred Herrhausen beschrieb diesen Haltung in seinem Vortrag Denkmuster und Realität; damals mit Blick auf die Herausforderungen des technologischen Fortschritts für die Industriegesellschaften. Noch immer inspirierend und (nicht nur) zum Nachdenken anregend:
Den heutigen Rang in Technik, Ökonomie, wirtschaftlicher und sozialer Ausstattung zu erhalten oder noch zu steigern, wird ebenso schwer sein, wie es war, ihn zu schaffen. Dazu müssen wir neue Fähigkeiten in der Gesellschaft entwickeln und pflegen. Es gibt keinen Vorrat an konstruktiven Ideen. Erlerntes vererbt sich nicht genetisch. Wir müssen immer wieder neu anfangen, jeweils der entsprechenden aktuellen Ausgangslage. Und unsere Ausgangslage ist gekennzeichnet durch den Übergang von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft - nicht in der Form einer plötzlichen Ablösung, sondern in der einer kontinuierlichen Akzentverschiebung. Dies hat qualitative Konsequenzen, auch für die Art von Arbeit, die wir erwarten können: der Dienst am Produkt wird in zunehmendem Maße ergänzt durch den Dienst am Kunden. Er wird abhängig von dessen Eigenschaften, Gewohnheiten und Anforderungen, seinen Wünschen und Möglichkeiten. (in: Alfred Herrhausen. Denken_Ordnen_Gestalten)
Heute befinden wir uns am Übergang von der Dienstleistungsgesellschaft alten Stils zur Digitalmoderne. Auch hier gilt es, gewohnte Denk- und Verhaltensweisen den veränderten Bedingungen anzupassen, neue Ideen zu entwickeln und sich neues Wissen anzueignen. Dabei muss gewiss nicht alles über Bord geworfen werden, was man bisher an Erfahrungen und Know-How hat sammeln können. Jedoch ist die Entwicklungsgeschwindigkeit in bestimmten Bereichen im Banking, erinnert sei nur an den Bereich Mobile Payments und die Emanzipierung der Kunden von den Banken, inzwischen so rasant, dass ein Denken in den gewohnten Bahnen kontraproduktiv und nicht mehr zeitgemäß wäre. 

Wie sagte Herrhausen an anderer Stelle:
Die meiste Zeit geht dadurch verloren, dass man nicht zu Ende denkt. 

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