Samstag, 15. November 2014

Mobile Payments - Deutsche Banken planen - andere machen

Von Ralf Keuper

Während Apple Pay, CurrentC, Alipay, PayPal und weitere darum wetteifern, wer von ihnen den Standard für Mobile Payments setzen wird, gehen die Banken hierzulande die ganze Sache mit typisch deutscher Gründlichkeit an. So ließ DZ-Manager Gregor Roth wissen, dass Ende nächsten Jahres erste Ansätze eines PayPal-Konkurrenzangebotes von den unter dem Dachverband der Deutschen Kreditwirtschaft versammelten Finanzinstituten zu sehen sein werden.

Tatsächlich - Ende nächsten Jahres kann man schon etwas sehen!?

Wozu nur diese Eile?

Daneben seien die Genossenschaftsbanken offen für Gespräche mit Apple, Google oder den Kreditkartenorganisationen. 

Auf die Gefahr, dass die Banken demnächst kaum noch im mobilen Banking wahrgenommen werden, angesprochen, gibt sich Roth gelassen. Solange die Infrastruktur der Banken für die Abwicklung des Zahlungsverkehrs und für die Kontoführung unverzichtbar sei, bestehe kein Anlass zur Sorge. Es sei letztlich nur eine Frage des Preises. 

Wenn er da mal nicht zu optimistisch ist. Inzwischen müssen selbst so schwergewichtige Banken wie J.P. Morgan und Citi Gebühren an Apple für die Nutzung von Apple Pay entrichten. Außerdem hat Apple mit den großen Banken Sonderkonditionen bei den Gebühren für die Zahlungsabwicklung  (card transaction fees) ausgehandelt. Wer austauschbare Massendienstleistungen anbietet, kommt unweigerlich unter Preisdruck. 

Anders als es anscheinend die gemeinsame Haltung der deutschen Kreditwirtschaft ist, sieht Frank Liddy die reale Gefahr, dass die Banken an die großen Player dafür werden zahlen müssen, um auf deren Plattformen noch wahrgenommen zu werden. Wer wie Facebook, Amazon, Apple, Google, Alibaba/Alipay, WalMart, Tencent, Baidu, PayPal & Co. über mehrere hundert Millionen, manchmal sogar weit über 1 Milliarde Nutzer auf seine Plattform ziehen kann, hat ein gewichtiges Wort mitzureden, wer bei den Mobile Payments noch an der (Benutzer-) Oberfläche erscheint. 

Die Machtgewichte haben sich durch die fortschreitende Digitalisierung verschoben. Nach der Medienindustrie steht diese schmerzhafte Erfahrung den Banken erst noch bevor. 

Unterdessen hat das PayPal-Tochterunternehmen Braintree bekannt gegeben, dass sein neues System für Sofortpayment den Händlern in Europa zur Verfügung steht. 

Nicht nur in den Banken sieht man die Entwicklung bei den Mobile Payments gelassen. Auch auf der anderen Seite, bei PayPal, gibt man sich angesichts der Versuche der Banken, ein Konkurrenzprodukt zu bauen, betont entspannt, so wie der Technologie-Vorstand von PayPal, James Barrese, in einem Interview vor einigen Monaten:
Die sollen ruhig mal machen. Was ich zu bedenken gebe, ist dass wir hier einen Vorsprung von 15 Jahren haben.
Nur 15 Jahre Vorsprung: Das sollte doch wohl aufzuholen sein ... 

Weitere Informationen:

Apple Pay kurbelt Payment-Dienste der Konkurrenz an

Banken im Ringen mit der mobilen Konkurrenz

Die Banken schaffen sich ab

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen