Freitag, 7. November 2014

Von Banken, Millenials, Vertrauen und Fintechs

Von Ralf Keuper

In seiner aktuellen Kolumne Kon­ver­genz statt „Mach Schluss mit dei­ner alten Bank! ruft Joachim Jürschick zu mehr Besonnenheit in der Diskussion um die Frage: Brauchen wir noch Banken? auf. Dabei bezieht er sich u.a. auf aktuelle Slogans von Number26 wie „Hilf uns gegen die alten Ban­ken zu gewin­nen“ oder „Mach Schluss mit dei­ner alten Bank!“. Statt sich gegenseitig zu bekämpfen, sollten die Startups und Banken nach Wegen für Kooperationen suchen. 

So viel ist wahr: Die FinTech-Startup-Szene geizt nicht gerade mit vollmundigen Versprechen. Schnell ist von "Disruption" die Rede. Es sei Zeit für ein neues Banking. Beliebt ist auch der Vergleich der Banken mit Dinosauriern. Hier wurden, und werden zum Teil auch noch, Erwartungen geweckt, die nur schwer erfüllt werden können. Da wäre etwas mehr Zurückhaltung nicht immer die schlechteste Wahl.
Zustimmung auch bei der Aussage, dass die FinTech-Startups quasi die ausgelagerten Entwicklungsabteilungen der Banken sind. 

Was allerdings die Frage des Vertrauens betrifft, dass die Banken noch immer genießen, komme ich zu einer etwas anderen Bewertung als Joachim. Im Februar diesen Jahres schrieb das Handelsblatt Banken verlieren Vertrauen der Privatanleger. Dirk Elsner veranlasste das zu dem leicht bissig-ironischen Beitrag: Banken verlieren zum 5.381 Mal das Vertrauen der Privatanleger – na und? Wie vor einigen Wochen gemeldet wurde, haben die Mittelständer nur noch wenig Vertrauen in die Banken

Das Bild bleibt durchwachsen. Etwas, womit die Banken punkten können, ist das Thema Sicherheit. Hier genießen die Banken - nach meinem Eindruck jedenfalls - nach wie vor großes Vertrauen bei den Kunden. Schon anders sieht es da bei der Frage der Gebühren aus. Am 28.10. diesen Jahres gab der Bundesgerichtshof sein Urteil bekannt, wonach Sparkassen und Banken Kreditbearbeitungsgebühren für den Zeitraum zwischen November 2004 und 2011 erstatten müssen. Wie immer man zu dem Urteil auch stehen mag, unter die Kategorie der "vertrauensbildenden Maßnahmen" lässt es sich nur schwer einordnen. Umstritten ist nach wie vor die Rolle der Banken auf den internationalen Finanzmärkten, man denke nur an den "Libor-Skandal". Viele Banken sorgen auch noch Jahre nach dem Ausbruch der Finanzkrise für negative Schlagzeilen. 

Jetzt kann man die Frage aufwerfen, ob Vertrauen nicht ohnehin überbewertet wird, wie die Historikerin Ute Frevert. Ist Vertrauen überhaupt skalierbar? Kurzum: Werden mit der inflationären Verwendung des Begriffs Vertrauen nicht Erwartungen geweckt, die sich so einfach nicht erfüllen lassen, dafür aber immer wieder gerne instrumentalisiert werden?

Jedenfalls profitieren die FinTech-Startups von dem Vertrauensschwund der Banken, ohne dass ihnen dabei aber - nach meinem Eindruck zumindest - ein großer Vertrauensvorschuss gewährt wird. Der Härtetest steht noch aus. Es ist nicht gesagt, dass die FinTech-Startups diesen besser bestehen werden, als die Banken. 

Über die, wenn man so will, neue ethnologische Gruppe der "Millenials" ist in der Vergangenheit viel geschrieben worden. Tritt nur die Hälfte der Prognosen ein, dann werden die Banken künftig nur noch eine Nebenrolle spielen. Wie diese Generation wirklich tickt, lässt sich nur schwer sagen; zumal auch diese Generation mit großer Wahrscheinlichkeit mit zunehmendem Alter in Fragen des Geldes konservativer wird. 

Ungeachtet dessen, können sich immer mehr Millenials eine Zukunft ohne die klassische Bank vorstellen, wie u.a. aus den Artikeln The End of Banking As Usual und BITKOM: 64 % wol­len bei der Haus­bank blei­ben, 22 % lieb­äu­geln mit FinTechs hervorgeht. Von großer Bedeutung ist das Thema Mobile Payments. Hier sind die Millenials kaum zu Kompromissen bereit. Bisher haben die Banken hier nicht allzu viel zuwege gebracht. Der Vorsprung von Apple, Paypal, Braintree/Venmo, Alipay u.a. dürfte nur noch schwer aufzuholen sein. 

Festzuhalten bleibt für mich: Banken und FinTech-Startups sollten verstärkt aufeinander zugehen und nach Kooperationsmöglichkeiten suchen, was einige Banken ja bereits praktizieren. Andererseits gibt es FinTech-Startups, die sich auch weiterhin als Alternative zu den Banken präsentieren werden - das ist ihr gutes Recht. Einige von ihnen werden sich dauerhaft etablieren können. Daneben werden wir noch weitere Kooperationen sehen: Zwischen Banken und FinTechs, Telekommunikationsunternehmen, Mobilitätsdienstleistern, E-Commerce- und Medienkonzernen. Die Banken, aber auch die FinTech-Startups, sollten ihren Fokus daher nicht nur aufeinander richten. 

Alles in allem ein wichtiger Diskussionsbeitrag und Denkanstoss von Joachim Jürschick. Hiervon brauchen wir m.E. noch mehr. 

P.S. Ich bin regelmäßiger Autor des von Joachim Jürschick seit Mitte diesen Jahres herausgegebenen IT-Finanzmagazins

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen