Mittwoch, 31. Dezember 2014

Die Geschichte der französischen Banken: Eine Tragikkomödie (Dokumentationsfilm)

Von Ralf Keuper

Die sehenswerte arte-Filmdokumentation Die Geschichte der französischen Banken: Eine Tragikkomödie beginnt mit einem bitter-bösen Zitat von Voltaire:
Wenn Sie einen Bankier aus dem Fenster springen sehen, springen Sie hinterher, es gibt bestimmt etwas dabei zu verdienen. 
Frankreich eignet sich aus vielen Gründen besonders, um den Wandel deutlich zu machen, der sich in den letzten Jahrhunderten im Banking vollzogen hat. Zum einen, da Frankreich das erste Land der Welt mit Banken war, die über ein landesweites Filialnetz verfügten, und zum anderen, da hier Regeln wie die Doctrine Germain, ihren Ursprung haben, die noch immer gültig sind, jedoch von Zeit und Zeit in Vergessenheit zu geraten pflegen, wie vor und auch noch nach der Finanzkrise von 2007/2008. Der Credit Lyonnais und die Société Generale waren schon Großbanken von weltweiter Bedeutung, als die Gründung der Deutschen Bank, der Dresdner Bank und der Commerzbank noch in weiter Ferne lag. 

Immer wieder wird ein vergleichender Blick auf die Geschehnisse in Deutschland geworfen. Großen Raum nehmen die 1920er Jahre ein, die von hoher Inflation und von der Weltwirtschaftskrise geprägt waren und deren Auswirkungen auf die Mentalität der Deutschen dem Bargeld und Aktien gegenüber noch heute zu spüren sind - und das nicht immer ohne Grund, wie aus dem Beitrag u.a. hervorgeht. 

An Frankreich lässt sich zudem der ständige Wechsel zwischen Regulierung und Deregulierung des Bankenmarktes ablesen. Ebenso aber auch die Exzesse, von denen die Börsen immer wieder heimgesucht werden, wie bereits unter John Law, der als Anlagebetrüger in die Wirtschaftsgeschichte einging. Die Einführung des Papiergeldes in Frankreich war übrigens eine seiner genialen Ideen ;-)

Schon unter Ludwig XIV hatte die Staatsverschuldung astronomische Ausmaße angenommen, die wie ein Schatten auf der Regierungszeit seiner Nachfolger Ludwig XV. und Ludwig XVI lag. Für letzteren sollte sie u.a. sein persönliches wie auch das Ende der Bourbonen-Monarchie bedeuteten. Selbst ein so genialer Bankier wie Jacques Necker vermochte das Unheil nicht mehr aufzuhalten. 

Später standen die Banken und Bankiers immer wieder in der Kritik - besonders in Zeiten von Börsencrashs, die nicht selten zu einer Verarmung breiter Massen führten und den Schriftsteller Émile Zola zu seinem Roman Das Geld inspirierten.  

In der Zeit nach dem 2. Weltkrieg entdeckten die Banken den Privatkunden, den Kleinsparer für sich. Das Massengeschäft dominierte fortan die strategische Ausrichtung der meisten Banken - nicht nur in Frankreich. Nahezu alles konnte auf Kredit beschafft werden. Konsumentenkredite wurden ein fester und ertragreicher Bestandteil des Geschäftsmodells der Banken. Es entstanden große Bankkonzerne. Die Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken wurde aufgehoben. 

Schon in der 1960er Jahren machten die steigenden Kosten für die IT-Systeme den Banken zu schaffen. Die Versuche, die Kostensteigerung über Gebühren wieder reinzuholen, stießen und stoßen nur auf wenige Gegenliebe bei den Kunden. 

In den letzten Jahren hat sich die Lage deutlich gewandelt. Das Geschäftsmodell der klassischen Universalbank, wie auch das spezialisierter Institute ist auf Dauer kaum noch tragfähig. Die Digitalisierung hat die Kunden anspruchsvoller und kritischer gemacht, die Zahl neuer Wettbewerber, die ohne Vollbanklizenz agieren, ist sprunghaft angestiegen, der Kostenapparat kann nicht mehr durch steigende Gebühren kompensiert werden, da die Kunden mittlerweile über eine wachsende Zahl von Alternativen verfügen. Das Trennbanksystem hält, wenngleich in anderer Form als beabsichtigt, Einzug. 

Digitale Währungen mit ihrem betont dezentralen Ansatz sind eine weitere Herausforderung für das Geschäftsmodell der Finanzintermediäre. 

Es kommen stürmische Zeiten auf die Banken zu - so viel ist sicher. Die gute alte Zeit, in denen selbst Krisen und Exzesse am Status der Banken nicht zu rütteln vermochten, sie sind vorbei. Weniger jedoch die der Krisen ;-)

Wie auch immer. Man muss dem Film nicht in allen Punkten und Wertungen zustimmen, um aus ihm Gewinn im besten Sinne zu ziehen. 

Mit Blick auf die Geschichte des Bankwesens in Frankreich, die eine ganz andere als die in Deutschland ist, überrascht es schon, dass die FinTech-Startup - Szene in Frankreich noch in ihren Anfängen ist. 

Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Das Potenzial ist da. 

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