Samstag, 13. Dezember 2014

Die Grenzen der Bankenregulierung

Von Ralf Keuper

Wer sich auf das weite Feld der Bankregulierung begibt, hat irgendwann des Gefühl, sich inmitten eines Labyrinths zu befinden. 
Die diversen Konsultationspapiere können schon mal epische Formen annehmen. Es dürfte nur sehr wenige geben, die von sich behaupten können, die verschiedenen Regularien benennen, einordnen und bewerten zu können. Alleine das Thema Meldewesen ist in den letzten Jahren so komplex geworden, dass es eine lange Phase intensiver Beschäftigung mit der Materie braucht, um hier auf Detailebene mitreden zu können. 
Insofern ist es verständlich, dass das Thema in den Banken nicht unbedingt zu den mit dem höchsten Beliebtheitswert zählt. Auf der anderen Seite sehen viele in der Regulierung eine Art Allheilmittel, mit dessen Hilfe sich künftige Krisen, vielleicht nicht immer verhindern, ihre Folgen jedoch abmildern lassen. 

Den höchsten Bekanntheitsgrad dürfte das Regelwerk Basel III besitzen. 

Heftig diskutiert wird in letzter Zeit die Frage des nötigen Eigenkapitals der Banken, um im Krisenfall nicht gleich in Liquiditätsengpässe zu geraten. Die Meinungen gehen hin und her. Ganz gleich, wie man zu dem Thema stehen mag, eine Lösung des Dilemmas wird die Höhe des Eigenkapitals alleine nicht bringen. Dafür ist das Thema tatsächlich zu komplex, wenn auch nicht in der Form, wie sie beispielsweise Fredmund Malik vertritt. 
So viel kann nach derzeitigem Stand als gesichert gelten: Regulation overkill won’t prevent another crisis. Ebenso sicher ist aber auch: For The Financial Sector, Regulations Are Here To Stay

In den Diskussionen der letzten Jahre tauchte immer wieder die Problematik der Anreizstrukturen in den Banken auf, die unethisches Verhalten begünstigen würden. Unterstützung fand diese These erst kürzlich durch eine Studie der Universität Zürich. Demnach sind es weniger persönliche Motive, als die Unternehmenskultur, die schädliches Verhalten begünstigen. Auch der ansonsten der Branche kritisch gegenüberstehende Rainer Voss ist, wie in dem Film Der Banker - Master of the universe, nicht der Ansicht, dass die Defizite auf der personellen Ebene zu finden sind - jedenfalls nicht in erster Linie. 

Zunehmend problematisch aus Sicht der Regulierung ist das Phänomen des "Schattenbanksektors" zu bewerten. Hier bahnt sich eine Entwicklung an, die einige Parallelen zu der aus dem Zeitraum vor Ausbruch der Finanzkrise aufweist. Ebenfalls nicht zu unterschätzen sind die diversen Technologierisiken, wie sie derzeit unter den Schlagworten Cyberhacking und Algo - Banking die Runde machen. Alleine, um mit der Entwicklung Schritt halten zu können, werden die Banken ebenso wie die Aufsicht über kurz oder lang analytische Applikationen, Stichwort "Big Data", einsetzen (müssen). 

Welche Lösungsmöglichkeiten außerhalb der gewöhnlichen Kategorien der Regulierung existieren, um das Problem ein Stück weit unter Kontrolle zu bringen bzw. zu steuern?

Könnten alternative oder digitale Währungen, wie Bitcoin, Optionen sein? Ist die Einführung von Vollgeld eine realistische Perspektive? Liegt der Schlüssel evtl. in der Anwendung der Methoden des Beyond Budgeting bzw. des Beta Codex, wie bei Svenska Handelsbanken?

Was lässt sich in dem Zusammenhang von kritischen Denkern wie David Graeber, Thomas Sedlacek, Hans Christoph Binswanger und Steve Keen für die Praxis, für das Risikomanagement/die Gesamtbanksteuerung/das Aufsichtsrecht übernehmen?

Kurzum: Welchen Bankstil, welche Bankstile könnten wir anstreben, erproben, diskutieren, um die Grenzen der Regulierung - ein Stück weit - zu überwinden. Wie lässt sich die Regulierung zum Wohle aller, auch der Banken und anderer Anbieter von Finanzdienstleistungen, nutzen? Wie bleiben Wirtschaft und Gesellschaft handlungsfähig?


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