Freitag, 19. Dezember 2014

Die Universalbank alten Stils - ein Auslaufmodell

Von Ralf Keuper

Zum ersten Mal in dieser Form räumt ein prominenter Banker, der Chef von Barclays, Antony Jenkins, ein, dass die Universalbank alten Stils ein Auslaufmodell ist, wie das Manager Magazin in  Barclays-Chef zweifelt an Geschäftsmodell der Deutschen Bank und die Financial Times in Barclays' Antony Jenkins calls end of universal banking berichten. Gründe dafür seien nicht nur die wachsende Zahl der regulatorischen Vorschriften oder die höheren Kapitalanforderungen, sondern vor allem der gestiegene Investitionsbedarf im Bereich der neuen Technologien. Schon, um nur auf bestimmten Gebieten mit der technologischen Entwicklung Schritt halten zu können, seien Investitionen nötig, die es utopisch erscheinen lassen, an dem klassischen Modell einer Universalbank, die alles aus einer Hand anbietet, festzuhalten. Man müsse sich daher gut überlegen, auf welchen Geschäftsfeldern die Bank noch tätig sein will bzw. kann. 

Wie auf diesem Blog bereits an mehreren Stellen geschrieben, halte auch ich die Vorstellung, das Modell der Universalbank im Maßstab 1:1 in die digitale Welt überführen zu können, für nicht realisierbar. Dafür hat sich das Umfeld in den letzten Jahren zu stark gewandelt, was längst nicht nur mit Technologie zu tun. Dazu gehört auch der viel zitierte, wenngleich in seiner Wirkung häufig überschätzte, Wertewandel, der Vertrauensverlust der Banken als Folge der Finanzkrise und immer wieder neu auftauchender Skandale sowie die veränderte Mediennutzung. Quasi als Krönung kommen die neuen Herausforderer, wie die großen Internetkonzerne und die vielen FinTech-Startups, oben drauf. Es sind schlicht zu viele Stellen, an denen eine Bank gleichzeitig schrauben müsste, um den alten Status zu erhalten. Netzwerke beginnen die alten vorwiegend vertikal organisierten Bankkonzerne abzulösen. 

Noch im Jahr 1997 zeigte sich der damalige Vorstandschef der heutigen Credit Suisse, Hans-Ulrich Doerig, in seinem Buch Universalbank- Banktypus der Zukunft zuversichtlich.

Als Begründung führte er u.a. an:
Universalbanken zeichnen sich im allgemeinen durch vertrauen schaffende Langzeitstrategien aus, was zur wichtigen Glaubwürdigkeit mitverhelfen muss. Dies im Gegensatz zu den vielen Investmentbanken und Brokers mit sehr flexiblen und oft rein opportunistischen "Stop-and-Go"-Strategien. Gerade in Zeiten des unberechenbaren Wandels ist eine gewisse Berechenbarkeit des Finnazunterbaus der Wirtschaft alles entscheidend. Verunsicherte Kunden wollen sicheren Bankinstitutionen ihr Geld anvertrauen oder von solchen borgen. Jede gute Bank lebt primär vom Vertrauen. Vertrauen ist die Basis zur Reintermediation von Beziehungen in einer unsicheren Welt. 
Das scheinen heute Gedanken aus einer weit zurückliegenden Epoche zu sein. Langzeitstrategien, Vertrauen, Berechenbarkeit, Reintermediation - annähernd das genaue Gegenteil assoziieren heute viele, und hier nicht nur die "typischen" Bankenkritiker, mit dem Banktypus Universalbank. 
Die Disintermediation ist im vollen Gang; die von Doerig erwähnte Reintermediation wird nicht mehr den Weg zurück zur klassischen Universalbank ebnen. Diese Entwicklung war im Jahr 1997 nicht vorauszusehen, wie man fairerweise einräumen muss. 
Noch vor gut zwei Jahren äußerte der CEO der Bank of America, Brian Moynihan,  die Überzeugung, dass die Universalbank auch künftig in der Lage sei, die gewohnte Angebotspalette abzudecken. Auch der eingangs erwähnte Beitrag in der Financial Times geht davon aus, dass die Chefs von J.P. Morgan oder HSBC der Einschätzung ihres Kollegen von Barclays so wohl nicht folgen würden. 

Allerdings zeugen einige Meldungen der letzten Tage davon, dass der Barclays-Chef mit seiner Meinung so falsch nicht zu liegen scheint. So spielt man bei der Deutschen Bank offenbar die Möglichkeit eines Verkaufs der Postbank durch. 
Auf der anderen Seite scheint die französische Großbank BNP an dem Modell der Universalbank - prinzipiell - festhalten zu wollen. Darauf deutet jedenfalls die gestern vollzogene Übernahme der DAB Bank hin. Zusammen mit der konzerneigenen Consorsbank, die erst letzte Woche umbenannt wurde und nebenbei eine Kooperation mit der Crowdfunding-Plattform Seedmatch verkündete, ergibt das die derzeit größte Online-Banken-Gruppe Deutschlands. 

Die Idee der Universalbank lebt also weiter. In der Praxis wird es m.E. darauf hinaus laufen, dass die Funktion der klassischen Universalbank von anderen Organisationen/Institutionen, wie Plattformen bzw. digitalen Ökosystemen, übernommen wird. 


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