Freitag, 5. Dezember 2014

Droht Apple Pay zu scheitern bzw. ist Apple Pay schon gescheitert?

Von Ralf Keuper

Kaum, dass Apple Pay an den Start gegangen ist, schon melden sich die ersten Marktbeobachter zu Wort, die von einem Scheitern von Apples mobiler Bezahllösung sprechen.

Als Maßstab dafür wird der erste, vermeintlich misslungene Test von Apple Pay während des sog. Black Friday heute vor einer Woche, herangezogen, wie u.a. das Manager Magazin in Apple Pay fällt beim ersten großen Test durch.

Da wird ein bestimmter Tag mit hohem Symbolgehalt - willkürlich - zum Testfall erhoben - und siehe da: die Ergebnisse entsprechen nicht oder, je nach Sichtweise, doch den Erwartungen. Allerdings lässt der Beitrag im Manager Magazin auch Stimmen zu Wort kommen, die darauf verweisen, dass es derzeit einfach zu früh ist, um von einem Erfolg oder Misserfolg sprechen zu können. 

Demgegenüber spricht David S. Evans in Why Apple Pay is fizzling and What It Means for the Future bereits von einem Scheitern und erstellt schon mal eine Ursachen- und Auswirkungsanalyse.

Da ist der Bär noch nicht erlegt, ja eigentlich noch nicht mal auf Sichtweite, und da wird sein Fell schon verteilt. 

Evans nimmt die Zahlen des Black Friday zum Anlass, seine zuvor schon geäußerten Zweifel bestätigt zu sehen, und bringt im Anschluss eine Vielzahl von Argumenten, die seine Ansicht belegen sollen.
Nur - was hilft die beste Argumentation für ein Problem, das falsch definiert wurde, und das sich noch dazu an einem bestimmten Ereignis festmacht? Das ist bestenfalls eine Momentaufnahme. Hier wird induktiv von einem Einzelfall oder Ereignis auf das Ganze geschlossen. Nicht nur Karl Popper hat dieses Vorgehen als Kurzschluss bezeichnet.

Die Zahl der Beobachtungen reicht schlicht (noch) nicht aus, um ein abschließendes Urteil fällen zu können; und ich behaupte, dass dafür auch noch einige Zeit ins Land gehen wird.

Aber schauen wir uns doch mal nur die Entwicklung in dieser Woche an:
Bereits am 15.11.2014 wurde berichtet, dass Apple Pay bei McDonald's bereits für 50 Prozent seiner mobilen Zahlung stehe. Das veranlasste jedoch niemanden, zumindest so weit ich das beobachten konnte, von einem Durchbruch zu sprechen - zu Recht. 

Dafür war der Zeitpunkt damals wie heute viel zu früh. Der erste halbwegs belastbare Indikator wird das Weihnachtsgeschäft sein. Aber auch das wird nicht mehr als ein Trend sein, der noch keine Rückschlüsse für die Zukunft zulässt, es sei denn, man verfügt über die Fähigkeit in die Zukunft zu blicken.

Für mich kann ich das ausschließen. Allerdings wage ich zu behaupten, dass diese Feststellung auch für David Evans zutrifft.

Niemand ist frei von selektiver Wahrnehmung. Daraus folgt indes nicht, dass man sich nicht um Augenmaß bemühen bzw. davon Abstand nehmen sollte, voreilige Schlüsse zu ziehen. 

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