Samstag, 27. Dezember 2014

Facebook of Banking - eine realistische Perspektive?

Von Ralf Keuper

In Why the Facebook of Banking won’t own a charter geht Brett King auf die Besonderheiten der FinTech-Startups ein und behandelt die Frage, was erforderlich ist, um eine Facebook-Bank "zum Fliegen" zu bringen.

Zweifellos: FinTech-Startups gehören inzwischen zu den Lieblingen der Wagnisfinanzierungen. 2014 war das bisher erfolgreichste Jahr aus Sicht der FinTech-Startups. Das kommende Jahr könnte noch besser werden. 

Dennoch: Im Unterschied zu Startups aus dem Gebiet Social Media oder E-Commerce, unterliegt der Markt für FinTech-Startups Restriktionen, welche die Risikofreude der Investoren schnell trüben können: 
Scale and high-growth potential is always going to be the metric of a true bank-killer start-up, but when you look at what is required to build a start-up bank with more than 100 million customers globally, you run into unique problems in banking that you would never have with say a social media or consumer tech startup.
Alleine die Kapitalanforderungen erreichen ab einer bestimmten Größe Dimensionen, die Investoren eines FinTech-Startups wohl kaum aufbringen können oder wollen. Der Status einer Vollbank zählt daher nicht zu den erstrebenswertesten. Mit diesem Ballast, so King, ist eine digitale Vollbank mit 100 Millionen Kunden nicht realisierbar. Da ergebe es mehr Sinn, das Geschäftsmodell so weit auszudehnen, bis der kritische Punkt erreicht ist, d.h. bis das FinTech-Startup unter die regulatorischen Bestimmungen einer "normalen" Bank fällt. 

Insofern bleibt FinTech-Startups kaum etwas anderes übrig, als vor Erreichen dieses Wendepunktes den Verkauf, Exit oder Börsengang anzustreben. 

Statt mit den Banken auf Kapitalbasis gleich ziehen zu wollen, sind die meisten FinTech-Startups, ganz gleich ob sie Banken ersetzen oder ergänzen wollen, darauf aus, den Bedienungskomfort, die Experience, beim Banking zu verbessern und die Kunden quasi von den Banken zu entwöhnen:
The trick to FinTech innovation is not growing a new, better stack. It’s building better experiences. At the end of the day 100 million customers are going to drive the creation of a global downloadable bank account, a global P2P lending service, or a new payments ecosystem – not the FED, FDIC, FSA, SEC, ECB, etc. Owning a charter isn’t going to be a differentiator to investors or customers.
Mit Blick auf die Wirtschaftsgeschichte stellt King fest, dass Umbrüche nie von den etablierten Unternehmen einer Branche, sondern immer von neuen Spielern ausgegangen sind. Sie haben erst gar nicht versucht, das bestehende Modell der Branche zu verbessern und sich deren Regeln zu unterwerfen. Stattdessen haben sie ihr eigenes Spiel kreiert.

Da ist kaum Widerspruch möglich.  Eine digitale Vollbank halte ich, wie in Die Digitale Bank - eine Sackgasse auf diesem Blog geschrieben, für kein allzu verlockendes Ziel. Auch der Hinweis, dass die neuen Herausforderer das alte Spiel einfach nicht mitspielen werden, ist m.E. zutreffend. Noch immer denken die meisten Banken, selbst wenn sie von digitaler Transformation sprechen, in den Kategorien der "Welt von gestern". Die neuen Spieler streben ganz bewusst nicht den Status einer "echten" Bank an. Banking wird digitaler und medialer. Das Eine geht nicht ohne das Andere.

Diesen Punkt scheint nach meinem Eindruck auch Brett King noch zu unterschätzen. Er setzt große Hoffnungen in den Open-API - Ansatz und die Entstehung von Ökosystemen. Da ist sicherlich was dran. Die Chancen sind da. Allerdings stehen mit Apple, Amazon, Tencent, Google & Co. bereits einige Digitale Ökosysteme in den Startlöchern, die hier ein gewichtiges Wort mitreden werden. Es wird einige Anstrengungen kosten, dem etwas Gleichwertiges entgegen zu stellen. Ganz so einfach, wie sich Jack Gavigan das vorzustellen scheint, wird es m.E. nicht, wenngleich sein Ansatz einigen Charme hat. 



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