Mittwoch, 17. Dezember 2014

Sparkassen steigen in das E-Commerce-Geschäft ein - Eine erste Einschätzung

Von Ralf Keuper

Nach einer ausgedehnten Phase des Abwartens ist die Sparkassenfinanzgruppe aktiv geworden und hat über den Deutschen Sparkassenverlag (DSV) laut einem Bericht des Manager Magazins die Mehrheit an dem Anbieter für Online-Zahlungen PayOne übernommen. 

Damit erhofft sich die Sparkassenorganisation den Anschluss an den rasch wachsenden Markt für Online-Zahlungen zu finden. Bei PayOne handelt es sich um einen der größten Abwickler von Online-Zahlungen in Deutschland. Das Manager Magazin nennt noch Wirecard und Ogone als ernstzunehmende Mitbewerber auf dem deutschen Markt.
Zusammen mit der bereits zum DSV gehörenden B+S Card Service bestünde die Möglichkeit, eine Komplettlösung für Kontoführung, Online- und Kartenzahlungssysteme zu entwickeln. 

Da ist was dran. Es stehen - theoretisch jedenfalls - mehrere strategische Optionen zur Verfügung. 

Werfen wir jedoch zunächst einen Blick auf den E-Commerce-Markt in Deutschland, wie es vor einigen Tagen boerse.ard.de in E-Commerce: Achterbahnfahrt für Anleger getan hat.

Der Beitrag unterscheidet zwischen Vermittlern und Händlern. Zur ersteren Gruppe zählen Alibaba und eBay, zur letzteren Amazon oder JD.com. Das Geschäftsmodell der Vermittler ist laut Bericht ertragreicher, da keine eigene Logistik, wie große Verteilzentren und Lagerhäuser, unterhalten werden müssen. PayOne zählt demnach zu dieser Gruppe. 

Bis auf weiteres gilt der Bereich E-Commerce als Wachstumsmarkt. Insofern ergibt die Entscheidung Sinn.

Was tut sich aber sonst noch auf dem Markt?

Wirecard

Wirecard hat in letzter Zeit mit mehreren strategischen Entscheidungen für Aufsehen gesorgt, wie mit der Kooperation mit Rocket Internet und der Gewinnung eines neuen Großkunden - Zooplus. Von der Einführung von Apple Pay erwartet man bei Wirecard einen weiteren Wachstumsschub

Ogone

Hierzu liegen mir ad hoc keine näheren Informationen vor, weshalb ich hier keine Aussagen treffen kann.

Klarna / Sofort AG

Nicht zu vergessen auf dem deutschen Markt ist der schwedische Anbieter für Online-Payment Klarna, der im vergangenen Jahr die Sofort AG übernommen hat. Für das Jahr 2014 erwartet die SOFORT AG 30 Prozent Umsatzwachstum. Mehr als 30.000 Händler in Europa nutzen laut Unternehmensangaben das Angebot. Bereits 18 Millionen Endkunden haben ihre Online-Käufe mittels SOFORT Überweisung getätigt. 

Auch sonst ist das Mutterunternehmen Klarna alles andere als untätig:
Otto Gruppe / Yapital

Das deutsche Versandhaus Otto ist bereits seit einiger Zeit mit Yapital auf dem Markt für Online Payments vertreten. 

Rakuten

Im Schatten von Amazon ist der japanische E-Commere-Konzern Rakuten seit einiger Zeit dabei, in Deutschland Fuss zu fassen. Bisher lässt der Durchbruch auf dem deutschen Markt noch auf sich warten. In einem Interview mit der Wirtschaftswoche gab sich Chef Hiroshi Mikitani kämpferisch. 
Vor wenigen Tagen brachte Econsultancy den Beitrag How Japan's Rakuten plans to become a global ecommerce giant.

Weitere Berichte von Aktivitäten des Unternehmens aus der letzten Zeit:
Weitere Entwicklungen / Spieler 

Weitere Spieler auf dem Markt sind, neben den großen und allseits bekannten wie Alibaba und Amazon, auch der japanische Telekommunikationskonzern und Alibaba-Haupaktionär SoftBank, der erst kürzlich die Finanzierungsrunde für das australische e-commerce - startup Bigcommerce anführte. Daneben investierte SoftBank in das indonesische e-commerce-startup Tokopedia

In den USA hat vor einigen Wochen Capital One den e-commerce-solutions-provider AmeriComm übernommen. 

Selbstverständlich will auch der weltweit größte Einzelhändler Walmart von dem Trend profitieren, nachdem man dort lange tatenlos mit zugesehen hatte, wie Amazon den Markt erobert. 

Und nicht zuletzt Google und Tencent wollen auf den Zug aufspringen. Mit seinem neuen Shopping-Feature gedenkt Google Amazon & Co. einen Teil des Geschäfts streitig machen zu können. 

Ausblick

Es ist mittlerweile unübersehbar, dass der Konzentrationsprozess im E-Commerce-Markt im vollen Gange ist. Insofern sind die Sparkassen hier spät dran. 
Die Frage ist, ob sie in der Lage sind, den großen digitalen Ökosystemen etwas entgegenzusetzen. Beim E-Commerce handelt es sich um ein für die Sparkassen und Banken wenig vertrautes Umfeld. Logistik und Handel ticken anders als Banking. Die Geschwindigkeiten und die Marktdynamik sind grundverschieden. 
Auf Basis der bestehenden Strukturen und des Geschäftsmodells dürfte das sehr schwierig werden. Ebenso wie der Wandel zu einem Komplettanbieter. 


Wir werden sehen. 

Update:

Über LinkedIn wies mich Jochen Siegert dankenswerter Weise auf Computop hin.  

Weitere Informationen:


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen