Donnerstag, 11. Dezember 2014

The end of banks but not of banking

Von Ralf Keuper

In dem Gastbeitrag Silicon Valley might kill banks but not banking auf FTA Alphaville legen die unter dem Pseudonym Jonathan McMillan schreibenden  Autoren des neues Buches The End of Banking: Money, Credit, and the Digital Revolution ihre Sicht auf die aktuelle und noch künftig noch zu erwartende Entwicklung im Banking dar. Hinter dem Pseudonym sollen sich ein Investmentbanker und ein Wirtschaftspublizist, zugleich ein ehemaliger Ökonomie-Dozent, verbergen. 

Der Beitrag liefet eine andere Sicht auf die Branche. Und zwar würde bei der aktuellen Diskussion um Disruption, Disintermediation und Digitalisierung untergehen, dass sich am Kern des Bankgeschäfts, der Risikotransformation, nichts wesentlich geändert habe. Was in den letzten Jahren neu hinzugekommen sei, ist das häufig als Schattenbankensystem bezeichnete Phänomen. Die Risiken sind nicht verschwunden, sie sind nur woanders, und zwar durchaus in aggregierter Form, d.h. sie wurden an anderer Stelle, abseits des "normalen" Geschehens, wieder zusammengeführt. Dieser Befund gilt nach Ansicht der Autoren auch für das P2P-Lending. Hier kommen die Mechanismen des klassischen Risikomanagements immer deutlicher zum Vorschein; Auslagerung, Verbriefung eines Teils der Forderungen - ein Punkt, mit dem ich mich auf diesem Block u.a. in den Beiträgen P2P-Lending - Der Glanz verblasst und Die Evolution der P2P-Kreditplattformen beschäftigt habe. 

Das eigentliche Dilemma der Bankenbranche fassen die Autoren in die Worte:
In the current regulatory framework, financial innovation ultimately turns into unregulated banking.
Daraus leiten sie die Forderung ab:
We need to adapt the regulatory framework to the digital age such that financial innovation no longer automatically becomes part of banking.
Eine zum Nachdenken anregende Sichtweise, die jedoch einige Defizite hat.  

Zwar ist es richtig, dass Digitalisierung, Disintermediation und Disruption den Kern des Banking weitgehend unberührt lassen und wir uns derzeit in einer Art Übergangsphase, einem Übergangsstil befinden. Die Teile müssen irgendwann wieder von irgendwem zusammengesetzt werden: Standardhebung durch Anpassung. In diesem Prozess übernehmen die Banken eine, aber nicht mehr "die" Rolle. Die Aufgaben werden sich auf mehrere Akteure, Anbieter, Plattformen verteilen. Das Netz schafft hier ein neues Spielfeld, das in bestimmten Bereichen nach anderen Regeln ausgetragen wird, als wir es bisher noch zu glauben scheinen. Neue Sprach- und Symbolwelten halten im Banking Einzug.

Wo die Autoren m.E. ohne Abstriche richtig liegen, ist der Punkt des Risikomanagements, der Risikotransformation: Banken als Risikoverarbeiter. Neben den klassischen Aufgaben sind die technologischen Risiken, in dieser Form jedenfalls, neu hinzu gekommen. Fragen der Sicherheit, der Datensicherheit haben großes Gewicht. Diese Rolle könnten Banken auf künftig ausüben, d.h. die Absicherung im Hintergrund. Eine ausgesprochen wichtige Aufgabe. Je mehr wir uns aber dem Front End, der App, der Schnittstelle zum Kunden nähern, um so mehr werden neue Spieler das Feld dominieren. 

Der letzte Hinweis der Autoren steht für mich im Widerspruch zu ihren anderen Ausführungen. Innovationen im Finanzsektor sind, wie das Bespiel der Derivate zu genüge gezeigt hat, nicht allein auf Technologie beschränkt. Dabei handelt es sich in erster Linie um risikopolitische Grundsatzentscheidungen der Geldhäuser. Von dieser Verantwortung kann sie kein Regelwerk und keine Technologie entbinden. Das gilt natürlich auch für die diversen neuen Herausforderer. 

Alles in allem, so weit ich das anhand des Beitrags beurteilen kann und ohne das Buch gelesen zu haben, ein wichtiger Diskussionsbeitrag. 




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