Samstag, 20. Dezember 2014

Trennbankensystem dank Digitalisierung?

Von Ralf Keuper

In den letzten Jahren ist es um das Thema Trennbankensystem merklich ruhiger geworden. 
Insbesondere die kontinentaleuropäischen Banken hoben in den Jahren unmittelbar nach Ausbruch der Finanzkrise die Vorteile des Universalbankensystems gegenüber dem Trennbankensystem hervor. Eine Einschätzung, die ich im Jahr 2011 in dem Beitrag Universal- oder Trennbanksystem? Anmerkungen zur aktuellen Debatte weitgehend teilte. 

Zum Schluss brachte ich ein Zitat des langjährigen Vorstandssprechers der Deutschen Bank, F. Wilhelm Christians ("Mister Deutsche Bank"):
Wenn trotz aller Vorkehrungen noch ein Freiraum für denkbare Konfliktansätze verbleibt, dann sollte man sich zugleich vor Augen halten, dass Interessenkonflikte kein universalbanktypisches Phänomen darstellen, sondern in nahezu allen Bereichen des Wirtschafts- wie auch des sonstigen privaten und öffentlichen Lebens vorkommen und insbesondere in einem Trennbanksystem keineswegs ausgeschlossen sind. Solange sie weitestgehend im Bereich der nur theoretisch vorstellbarer Möglichkeiten liegen, besteht kein Anlaß zu korrigierenden Eingriffen, zumal wenn diese auch nachteilige Aspekte aufweisen. Erst wenn sich die begründete Gefahr abzeichnet, dass solche Konfliktsituationen auch in der Praxis häufiger auftreten können und dann nicht sachgerecht bewältigt werden, sind geeignete Gegenmittel angezeigt. (in: Finanzierungshandbuch)
Heute stellt sich die Ausgangslage als Folge der Digitalisierung anders dar. Dennoch bleibt die grundsätzliche Frage, die auch Christians stellte, ob das Geschäftsmodell der Universalbank nicht irgendwann überholt sein könnte und ein Trennbankensystem, wenngleich ganz anders als ursprünglich gedacht, die notwendige Konsequenz wäre. Bei Barclays scheint man der Ansicht zu sein, ohne das Wort vom Trennbankensystem explizit zu verwenden. Selbst bei der Deutschen Bank scheinen sich erste Zweifel breit zu machen. 

Im September vergangenen Jahres schrieb ich auf diesem Blog:
Ein ständiger Fluss an Ideen, Produkten und Features bricht sich in immer kürzeren Abständen Bahn. Mit den bestehenden Organisationsformen ebenso wenig wie mit schrittweisen Veränderungen, wird dieser Wandel, so er denn so oder so ähnlich eintritt, in den Banken kaum zu bewältigen sein. Ein Zukunftsschock wäre die Konsequenz. Monolithische Blöcke oder Inseln werden der Brandung über kurz oder lang nicht standhalten können.
Die verschiedenen Schichten (in der Sprache der Bank-IT: Front End, Middleware und Back End) werden sich langsam voneinander abkoppeln, dafür sorgen allein schon die regluatorischen Anforderungen, die die Banken zunehmend in Fesseln legen. Auf diese Weise könnten wir dann doch ein Trennbankensystem bekommen - allerdings in anderer Form, als mit diesem Begriff derzeit noch assoziiert wird. 
Die zum Schluss formulierte Annahme hat seitdem m.E. an Plausibilität noch gewonnen. Der Ansturm der diversen FinTech-Startups und der großen Internetkonzerne, die Verlagerung weiter Teile des Banking ins Netz, macht es immer schwieriger, das Geschäft einer Universalbank profitabel zu betreiben. Ob die "Limited Purpose Bank" oder die Digitale Vollbank dagegen das Mittel der Wahl ist, wage ich derzeit zu bezweifeln.

Eher werden wir die Entstehung digitaler Plattformen für das Banking erleben, worin sich die Aufgaben auf verschiedene Anbieter verteilen. 


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen