Dienstag, 2. Dezember 2014

Von der Disintermediation zur Reintermediation im Banking

Von Ralf Keuper

Viel ist in letzter Zeit, auch auf diesem Blog, von der Disintermediation im Banking geschrieben worden. Damit ist in erster Linie die Ablösung der Vermittlerfunktion gemeint, im Englischen auch als "Cutting out the middleman" bezeichnet, wie u.a. von Don Tapscott in Cutting out the banker middleman. Banken werden häufig Finanzintermediäre genannt. Diese Rolle ist seit einiger Zeit, bedingt durch das Aufbrechen bzw. die Verkürzung der Wertschöpfungsketten, bedroht. Zahlreiche FinTech-Startpus und branchenfremde Anbieter, wie die großen Internetkonzerne, übernehmen immer mehr Aufgaben, die bisher von den "klassischen" Banken ausgeführt wurden.

Damit stellt sich irgendwann die Frage, wie weit dieser Prozess gehen kann. Ins Extreme gedacht, würde das darauf hinauslaufen, dass sich das Banking atomisiert.
Das wäre für ein klassisches Massengeschäft wie das (Retail-) Banking, das auf Standards und ein gewisses Maß an Konzentration angewiesen ist, weder förderlich noch gesellschaftlich wünschenswert. Selbst die Verbreitung digitaler Währungen wird daran - prinzipiell - nur wenig ändern, da auch das Netz dazu tendiert, monopolartige Strukturen zu begünstigen oder, wie u.a. das Beispiel der Skalenfreien Netze zeigt, Hubs zu bilden. 

Christoph Kappes hat vor einiger Zeit in seinem Vortrag Ökonomie des Internets den Begriff der Reintermediation ins Spiel gebracht. Darunter versteht er das Eintreten neuer Mittler, wie Marktplätze, Aggregatoren und Vermittler. 

Wer wird diese Rolle im Banking künftig übernehmen? Die besten Chancen haben derzeit die großen Internetkonzerne wie Amazon, Google, Apple, Tencent, facebook & Co. Ihr Geschäftsmodell verlagert sich immer mehr in Richtung Reintermediation, d.h. sie übernehmen die Vermittlerrolle bei der Zuteilung der Aufgaben. Hierfür bilden sie Digitale Ökosysteme/Plattformen, die z.T. über eine Reichweite von mehr als 1 Milliarde Menschen verfügen. Gute Aussichten haben auch einige FinTech-Startups, Telekommunikations-, Medien- und Einzelhandelskonzerne.

Wie die Begriffe Disintermediation, Reintermediation und Finanzintermediation andeuten, ist das Banking seinem Wesen nach auch und vor allem ein Mediengeschäft. 

Im dem Capco Blog-Beitrag Snapchat and Square: A Payments marriage made in heaven? empfiehlt Thomas Wagenknecht den Banken, sich im m-Payments-Ökosystem so positionieren, dass mehrere Optionen offen bleiben. 

Ein großes Problem, Hindernis der Banken ist laut dem Autor jedoch:
Moreover, they so far lack a network that supports instantaneous money transfer.
Eine davon zunächst etwas abweichende, in der Summe jedoch ähnliche Sicht vertritt Stephen Greer von Celent in Industry Consolidation in Financial Services. Darin gelangt er zu der Feststellung, dass viele kleine Banken wegen der wachsenden Komplexität des Bankgeschäfts, nicht mehr in der Lage sein werden, die volle Angebotspalette anzubieten. 
Dem möchte ich hinzufügen, dass von dieser Entwicklung auch die großen Banken betroffen sind.

Die Karten werden neu gemischt. Bei der Disintermediation großen Stils kann und wird es nicht bleiben. Die Konsolidierung zeichnet sich derweil immer deutlicher ab. Die Reintermediation wird eine neue Machtbalance mit sich bringen. 

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