Freitag, 30. Januar 2015

Deutsche Bank in der Strategiefalle

Von Ralf Keuper

Es gibt Zeiten, da drängt sich die Erkenntnis förmlich auf: 

Wie man es auch macht, man macht es nicht richtig.

In diesem Dilemma scheint sich derzeit die Spitze der Deutschen Bank um Jürgen Fitschen und Anshu Jain zu befinden. Einige wollen bereits eine Sinnkrise ausgemacht haben.
Die Gewinne bleiben hinter den Erwartungen zurück, diverse Prozesse erfordern hohe Rückstellungen und über die strategische Ausrichtung der nächsten Jahre sind nur unbestätigte Meldungen, Gerüchte zu vernehmen. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, ob die Postbank demnächst verkauft wird oder nicht.

Fragen über Fragen. Dabei wäre gerade jetzt eine schlüssige Strategie nötig, um sich gegen die Konkurrenz durch die großen Internetkonzerne wie Apple, Amazon, Alibaba, Google, Tencent & Co und die zahlreichen FinTech-Startups zu wappnen. 
Daneben geht die technologische Entwicklung in eine Richtung, die, wenn sie so verlaufen sollte, die Rolle der Banken als Finanzintermediäre aushöhlt - gemeint sind die digitalen Währungen wie Bitcoin und deren technologisches Rückgrat, die Blockchain. 

Wie solle eine international ausgerichtete Universalbank von der Größe der Deutschen Bank auf diese vielfältigen Herausforderungen reagieren, ohne sich zu verzetteln und ihre Kräfte zu überdehnen? Kurzum: Wie lässt sich die Strategiefalle umgehen?

Kann das Universalbank-Modell in die Digitalmoderne überführt werden? 

Meiner Ansicht nach ist die Universalbank alten Stils jedenfalls ein Auslaufmodell und keine sinnvolle Perspektive für die Zukunft mehr. 
Andrea Rexer rät in ihrem Kommentar Deutsche Bank. Eine Nummer kleiner in der SZ vom 26.01.2015, den Traum, zu den größten Banken der Welt aufschließen zu können, zu begraben. Stattdessen sei ein Zurück zu den Wurzeln das Gebot der Stunde.
So weit so gut - nur: Was sind die Wurzeln einer Universalbank angesichts der Herausforderungen durch neue Mitbewerber, verschärfter Regulierungen und eines veränderten Kundenverhaltens? 

Kann eine Bank, auch von der Größe der Deutschen Bank, überhaupt noch alles aus einer Hand anbieten, wenngleich eine Nummer kleiner? 

Damit würde sich die Bank an zu vielen Stellen gleichzeitig angreifbar machen. Diesen Wettlauf kann eine Deutsche Bank m.E. auf Dauer nicht gewinnen - aber nicht nur die Deutsche Bank, sondern auch die amerikanischen Großbanken nicht. 
Banken können in erster Linie noch mit dem Vertrauen der Kunden in Fragen der Sicherheit punkten, insbesondere der Datensicherheit z.B. als Sicherheitsdienstleister für digitale Vermögenswerte. Ein Thema, dessen Bedeutung in den nächsten Jahren noch zunehmen wird. 

Eine Bank, die den Weg der "digitalen Transformation" konsequent beschreitet, ist die Erste Bank in Österreich mit ihrer neuen Online-Banking-Plattform George

Sicher: Das kann für die Deutsche Bank nur eine grobe Richtung vorgeben. Jedoch wird die Bank m.E. nicht darum herum kommen, sich darüber klar zu werden, was sie in Zukunft an Dienstleistungen für welche Kundengruppe noch anbieten will und kann. 

Damit wird es fast schon zwangsläufig (mindestens) eine Nummer kleiner. 

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