Freitag, 16. Januar 2015

Erste Bank in Österreich startet Online-Banking nach Google-Vorbild

Von Ralf Keuper

Das ist ein gesonderten Beitrag wert: Wie futurezone berichtet, hat die Erste Bank in Österreich heute ihre Online-Banking-Plattform George vorgestellt. Bei der Gestaltung der Benutzeroberfläche hat sich die Bank u.a. an Google und Facebook orientiert. Die Plattform, die als Ökosystem mit eigenen Plug-Ins, vernetzten Apps und gestaltbaren Funktionen konzipiert ist, soll die Bank davor bewahren, von den Internetkonzernen und einigen FinTech-Startups demnächst auf die Rolle eines reinen Infrastrukturanbieters reduziert zu werden. 
Verantwortlich für die Konzeption und technische Entwicklung war der Erste Hub und das angegliederte Startup BeeOne. George hat sogar schon einen eigenen Blog

Als großen Pluspunkt wertet man bei der Erste, dass die Banken in Fragen des Datenschutzes von den Kunden nach wie vor als besonders vertrauenswürdig wahrgenommen werden. Das ist in der Tat ein Pfund, mit dem die Banken wuchern können.

Jedenfalls ein mutiger Schritt, den die Bank mit George wagt. Wie es aussieht, will die Erste ein eigenes digitales Ökosystem als Schutzwall gegen die neuen Herausforderer wie Apple, Google und Amazon aufbauen. 

In seinem aktuellen Beitrag stellt Elmar Borgmeier fest, dass die Banken noch nicht im Internet angekommen sind. Wie ehedem bewegen sie sich in ihrem geschlossenen System, das von der Regulierung geschützt wird. Da aber das Internet - jedenfalls vom Prinzip her - ein offenes System ist, haben Insellösungen, insbesondere dann, wenn die digitalen Währungen oder die Blockchain sich durchsetzen sollten, keine Überlebenschance - außer in der Nische.  

Es wird sich zeigen, ob die Erste und die österreichischen Sparkassen den offenen Ansatz verfolgen, oder lediglich versuchen, ihr altes Geschäftsmodell digital zu transformieren. Es ist fraglich, ob sich das Modell der klassischen Universalbank auf Dauer noch aufrecht erhalten lässt. 

Trotzdem ist das m.E. der richtige Weg. Indem die Erste den Netzwerk- bzw. Ökosystem-Gedanken anwendet, kann sie wichtige Erfahrungen über die Möglichkeiten und Grenzen dieser Organisationsform sammeln, die ihr einen Vorsprung vor den anderen Banken verschaffen. So lässt sich feststellen, welche Teile des Ökosystems auf Dauer eine Überlebenschance haben, und welche nicht. 

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