Freitag, 20. Februar 2015

Banken und "Digitale Störer" - Symbiose oder Konfrontation?

Von Ralf Keuper

Über die Beziehung zwischen den Banken und FinTech-Startups wird seit einiger Zeit lebhaft debattiert. Soll eine Bank die Nähe zu FinTech-Startups suchen, oder sie als nervige "digitale Störer", wie lästige Fliegen, ignorieren? Andererseits: Soll ein FinTech-Startup sich als Wettbewerber oder als Kooperationspartner der Banken positionieren?

Dirk Elsner glaubt die Antwort gefunden zu haben. In Banken lassen sich mit digitalen Störern ein, zeigt er sich gewohnt zuversichtlich, dass die Banken die "digitalen Störer" auf Dauer in die Schranken weisen werden, auch, sofern unumgänglich, durch Kooperationen. Überhaupt befänden sich die Banken bereits in der Aufwachphase. 

Aha ... 

Zu diesem Bild passt weniger, dass die Deutschen Banken erst gegen Ende nächsten Jahres eine eigene Bezahllösung als Antwort auf PayPal präsentieren wollen, so der Plan denn aufgeht. Unterdessen schaffen Yapital und andere "Digitale Störer" Fakten. 

Die wirklichen "Digitalen Störer" sind andere. Und zwar die Digitalen Ökosysteme, wie sie Apple, Google, Tencent, Baidu, PayPal, Alibaba, facebook und andere derzeit errichten. In ähnlicher Weise äußert sich Thomas Dapp in Fintech – Die digitale (R)evolution im Finanzsektor .Algorithmenbasiertes Banking mit human touch. Darin schreibt Dapp u.a.:
Nach wie vor ist es aber auch so, dass der Großteil der innovativen Bezahlideen aus dem Nicht-Bankensektor erfolgt und nicht aus dem Finanzsektor selbst. Es sind vor allem die digitalen Ökosysteme, die Kreditkartenanbieter, Telekommunikationsanbieter und viele Start-Ups sowie Nischenanbieter, die im Bereich mobiler Zahlungsverkehr mit innovativen Lösungen experimentieren und erste Bewährungsproben im Markt erfolgreich bestehen. Gerade die großen Internet-Plattformen mit ihren umfangreichen Kundenreichweiten rüsten merklich auf. Um den inzwischen 1,3 Milliarden Nutzern von Facebook ein globales „Micropayment-System“ anzubieten, benötigt das Unternehmen eine E-MoneyLizenz, die lt. Medienberichten in Irland bereits beantragt wurde. Damit wäre Facebook in der Lage, innerhalb seiner Zäune einen virtuellen Zahlungsdienst anzubieten. Dieser ermöglicht den Nutzern einerseits, Gelder untereinander zu transferieren, und andererseits, die zahlreichen Facebook-Repräsentanzen (Restaurants, Einzelhändlern, Kinos, etc.) zu nutzen, um mit einer facebookeigenen Währung (z.B. Facebook Credits) diverse Produkte und Dienste zu konsumieren.
Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht von einer Bank berichtet wird, die bereit ist, Apple Pay zu unterstützen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Mobile Bezahldienst in Deutschland ankommt. Mit großer Wahrscheinlichkeit vor Ende 2016. 

Und das alles soll die Banken unberührt lassen? Wir müssen nur etwas digitaler werden und die eine oder andere Kooperation eingehen, die unser Front End ein wenig aufhübscht - dann läuft das schon, dazu noch ein paar Eingriffe in die Middleware?

Das wird so nicht funktionieren, dafür hat sich der Markt schon jetzt zu sehr gewandelt. Die veränderte Mediennutzung verlangt nach mehr, als nur nach kosmetischen Eingriffen an der Oberfläche. Solange die Geschäftsmodelle und die Kultur der Banken sind nicht von Grund auf ändern, handelt es sich lediglich um Neuen Wein in alte Schläuche - das wird auch hier nicht den gewünschten Erfolg bringen. Mittels digitaler Transformation die Welt von Gestern konservieren zu wollen, ist vergeblich. 

Die Neuen Realitäten im Banking lassen sich nicht mehr länger ignorieren. 

Weitere Informationen:

Zahlungsverkehr: Sparkassen zu sorglos?

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