Mittwoch, 18. Februar 2015

Kernbankensysteme - Open APIs und Modularisierung setzen sich langsam durch

Von Ralf Keuper

In den Markt für Kernbankensysteme ist in letzter Zeit wieder etwas Bewegung gekommen. 
Auf der letzten Finovate war für Boris Janek die Matrix-Plattform von Five Degrees einer der wenigen Lichtblicke. Dabei handelt es sich um eine offene, kundenzentierte Lösungsarchitektur (Open-APIs), über die auch Ripple angebunden werden kann

Auf Finextra schreibt Five Degrees dazu:
Matrix Middle-Office software platform is the beating heart of financial institutions’ infrastructure: the centre of operations, the hub of the architecture, and the core of the customer machine. All internal and external interface conduits are combined to provide a consistent and relevant suite of services for customers. A single intelligent platform links all front-end channels to the back-office systems and 3rd party provider solutions, automating the fully integrated delivery of cost-efficient financial services. A built-in visual designer facility allows for quicker and easier creation of brand new bank products without the need for major software releases.
Insofern handelt es sich nicht um eine "klassische" Kernbankenlösung, sondern eher um eine Integrationstechnologie. Die Lösung kommt all den Banken entgegen, die nicht gleich ihre ganze Systemlandschaft durch die Einführung eines neuen Kernbankensystems umkrempeln wollen oder können. 
So weit ich es beurteilen kann, hat die Lösung von Five Degrees Ähnlichkeit mit fidor OS

Vor einigen Tagen wurde bekannt, dass Julius Bär sich für Temenos und seine Lösung T24 entschieden hat. Kurze Zeit später meldete Temenos ein geringes Umsatzwachstum für das Jahr 2014. Bei der Gelegenheit teilte Temenos mit, den amerikanischen Hersteller von Bankensoftware, Akcelerant für 50 Mio. Dollar gekauft zu haben. Auf Forbes unterzog Tom Groenfeldt den Deal einer ersten Bewertung. 

In Australien hat sich die Macquaire Bank für die Einführung des Kernbankensystems von SAP entschieden.

Zum Treiber bei der Modernisierung der Kernbankensysteme hat sich der Standard BIAN entwickelt, der offene Schnittstellen und Modularisierung propagiert. 

Das verschafft den Banken, die aus den bereits erwähnten Gründen, die Einführung eines kompletten Kernbankensystems scheuen, die Möglichkeit, ihre Systemlandschaft schrittweise den Anforderungen des Marktes anzupassen, wie Deborah Aubrook in Is Fintech ‘Innovation’ Diverting Attention Away From ‘Unglamorous’ Core Banking? schreibt. Bei aller Faszination für "FinTech", so Aubrook, wird übersehen, dass jede noch so kundenfreundliche App im Hintergrund von einem stabilen Kernbankensystem unterstützt werden muss. 

Insgesamt bestätigt das den Trend, dass offene Lösungsarchitekturen und entsprechende Standards, wie BIAN, ebenso wie Integrationstechnologien in der Bank-IT an Bedeutung gewinnen. 

Weitere Informationen:

Warum die Auswechslung des Kernbankensystems nicht "die" Lösung ist


Vom Nutzen internationaler Standards in der Bank-IT (BIAN)

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