Sonntag, 8. Februar 2015

Lloyd's of London - Es begann in einem Coffee Shop

Von Ralf Keuper

Nur sehr wenige Finanzinstitutionen haben es über die Jahrhunderte geschafft, zum Synonym für ihre Branche zu werden, wie Lloyd's of London für die Versicherungen. 


Die Geschichte von Lloyd's of London beginnt, ähnlich wie die der modernen Börse, in einem öffentlichen Lokal, dem Kaffeehaus von Edward Lloyd. Dort unterhielten sich Reeder, Kaufleute und Kapitäne bei einem Kaffee oder Bier über ihre Geschäfte, Handelsrouten und natürlich die damit verbundenen Risiken, wie Piratenüberfälle, Schiffsunglücke, Krankheiten, Windverhältnisse und gefährliche Fahrrinnen. Nach einem feststehenden Ritual wurden die Schiffsladungen an den Bieter verkauft, der als Letzter sein Gebot abgab, bevor die Flamme einer im Raum stehenden Kerze erlosch. Die Gespräche wurden aufmerksam von den Versicherungsmaklern verfolgt, die den Reedern, Kaufleuten oder Kapitänen entsprechende Versicherungen anboten. Die Verträge wurden direkt vor Ort verhandelt und, bei Einigung, unterzeichnet. Die Makler sparten sich damit großen Aufwand, da sie ihre Kunden nicht einzeln in deren Geschäftsräumen aufsuchen mussten. Die Kaufleute brauchten ihrerseits nicht extra Angebote verschiedener Versicherungsmakler einholen. Für beide Seiten also eine nicht zu unterschätzende Einsparung an Zeit und Geld. 

Später, nach einem Umzug in größere Räumlichkeiten, begannt Edward Lloyds ein Korrespondenznetzwerk aufzubauen und die daraus gewonnenen Informationen in einem dreimal wöchentlich erschienenen Blatt zu veröffentlichen. 

Das in seinen wesentlichen Elementen noch immer gültige und erfolgreiche Geschäftsmodell ebenso wie die Philosophie von Lloyds of London beschreibt Marlies Lehmann-Brune in ihrem Buch Die Story von Lloyd's of London. Glanz und Tragödien des legendären Versicherungshauses:
Lloyds ist keine Gesellschaft, sondern eine Vereinigung von einzelnen Underwriting Members, die alle zum eigenen Vor- oder Nachteil Versicherungsrisiken übernehmen und für ihre Verpflichtungen in voller Höhe ihres Privatvermögens haften. Diese Art Institution ist ohne Parallele auf der ganzen Welt. Nur mit den Underwriting Members, nicht aber mit der Corporation of Lloyds können Versicherungen abgeschlossen werden. ...
Die Jahrhunderte haben bewiesen, wie die auf einen gemeinsamen Raum konzentrierte Arbeit trotz gegenseitiger Konkurrenz der Syndikate einen gewissen kollektiven Weitblick verleiht - eine Art >Lloyd`s - Sicht<, die in der ganzen Welt Beachtung findet. Der Room ist das Kräftefeld, das den Underwriters Selbstvertrauen gibt. Dies erklärt vielleicht, warum bei Lloyd`s Risiken unterzubringen sind, die nirgendwo sonst Deckung finden. Viele spektakuläre Versicherungen wären außerhalb dieses Zentrums wohl nie zustande gekommen. ..
Dank des Internet bieten sich über den Open API  - Ansatz und digitale Plattformen im Finanzwesen inzwischen genügend Möglichkeiten, die Idee von Lloyd's of London auf die heutige Zeit zu übertragen. 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen