Donnerstag, 12. Februar 2015

"Tod eines Investmentbankers Eine Sittengeschichte der Finanzbranche" von Nils Ole Oermann

Von Ralf Keuper

In seinem Buch Tod eines Investmentbankers zeichnet Nils Ole Oermann die steile Karriere von Edson Mitchell nach, der im Jahr 2000 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam. Mitchell war eine schillernde Figur der Branche. Seine Meriten verdiente er sich, wie sein Ziehsohn Anshu Jain, bei Merrill Lynch. Dort bildete er um sich herum einen Kreis getreuer Mitarbeiter/Indianer, denen er als Häuptling vorstand. Als die Deutsche Bank in den 1990er Jahren beschloss, in das Investmentbanking einzusteigen und auf der Suche nach entsprechendem Personal war, fiel die Wahl auf Mitchell. Mit etwa 100 Indianern gelang es Mitchell, die Deutsche Bank unter die zehn weltweit führenden Investmentbanken der Welt zu platzieren. Für seine Erfolge wurden er und sein Team fürstlich entlohnt. Mit geschätzten 30 Millionen DM Jahreseinkommen verdiente Mitchell weitaus mehr als sein damaliger Chef, Rolf E. Breuer
Nach seinem Tod wurde Anshu Jain sein Nachfolger bei der Deutschen Bank. Zusammen  mit Jürgen Fitchen steht Jain heute dem Vorstand der Deutschen Bank vor. 

Oermann liefert einen Einblick in das Milieu der Investmentbanker, in die Welt der, wie sie es selber nennen, "Söldner", die sich keiner Bank, keinem Arbeitgeber, keinem Heimatstandort und keiner Region näher verbunden fühlen. "Loyal ist man nur Personen gegenüber", so Oermann. 
Nicht in Frankfurt, sondern in London und New York spielt im Investmentbanking die Musik. 

Inzwischen ist die Deutsche Bank dabei, ihre Abhängigkeit vom Investmentbanking zu verringern. Eine neue Strategie ist in Bearbeitung. Am Modell einer (europäischen) Universalbank will man festhalten. 

Hört sich ein wenig nach der Quadratur des Kreises an. 

Weitere Informationen:



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen