Donnerstag, 26. Februar 2015

Von Mobile Payments zu Embedded Payments

Von Ralf Keuper

Während die Diskussion beim Mobilen Bezahlen nach meinem Dafürhalten noch zu sehr um die Frage kreist, worin der Mehrwert für den Kunden, etwa in Form von Zeitersparnis, liegen soll, ist die Verbreitung dieser Bezahlmethode m.E. nur noch eine Frage der Zeit - und das über alle kulturellen Unterschiede hinweg.

Wie ich in meinem Beitrag gestern geschrieben habe, ist die Akzeptanz des mobilen Bezahlens stark davon abhängig, welche Zusatzleistungen den Kunden durch die diversen Anbieter zur Verfügung gestellt werden. Eine entscheidende Rolle werden dabei die Smartphones spielen sowie die Digitalen Ökosysteme, in die sie eingebettet sind. Man könnte also auch in gewisser Weise von "Embedded Payments" sprechen. Diese Bezeichnung wird dem Wandel m.E. besser gerecht. Zudem beugt sie einer Blickverengung auf den reinen Bezahlvorgang vor. 

Die alte Infrastruktur aus Kassenterminals, Kassiererinnen, Scannern und Laufbändern wird ersetzt durch das Smartphone. Das Smartphone, oder andere mobile Endgeräte, werden, direkt oder indirekt, in die Kommunikation mit den Warenwirtschaftssystemen eingebunden. Einen Vorteil hat der Anbieter, der nicht "nur" die Hardware, sondern auch die dazugehörige Software liefern kann, wie Apple, Samsung, Microsoft und in absehbarer Zeit wohl auch Huawei und Xiaomi. Die Nachricht, dass Alibaba beim indischen Smartphone-Hersteller Micormax einsteigen will, zeigt in diese Richtung. 
Der Mehrwert für den Kunden besteht darin, dass er über Angebote, Aktionen oder andere Maßnahmen des Händlers informiert wird, basierend auf seinem bisherigen Kaufverhalten. Für den Händler, und weit mehr noch für den "Embedded Payments" Anbieter, bringt das - im Idealfall - den Vorteil größerer Planungssicherheit und geringerer Streuverluste in der Werbung und im Marketing - und nicht zuletzt: eine höhere "Kundenbindung". 

So weit so gut, oder auch nicht. 

Wo Licht ist, da ist bekanntlich auch Schatten. Für den Kunden besteht ein wesentlicher Schmerzpunkt darin, dass er in dem beschriebenen Modell keine Hoheit über seine Daten mehr besitzt und immer mehr zum "Homo Granularis" mutiert. Ausklinken aus dem Verwertungskreislauf kann er oder sie sich nur durch Barzahlung, sofern dies künftig noch möglich ist. Weiterhin wird der Kunde in die Rolle des "unbezahlten Mitarbeiters" gedrängt, der mit seinem Smartphone Arbeiten erledigt, für die bisher das Personal des Handels zuständig war.
Kurzum: Es stellt sich die Frage, ob und inwieweit der Kunde bereit ist, den Händlern die Verwertung seiner Daten und seine Mitarbeit kostenlos zur Verfügung zu stellen. Das wird je nach Land abweichen. 

Benötigt wird so etwas wie ein "New Deal". 

Welche Rolle fällt in dem soeben skizzierten Szenario den Banken zu?

Da wäre zunächst einmal die Gewährleistung der sicheren Transaktionsabwicklung, wie bis auf weiteres die Kontoführung. Die eigentliche Musik spielt derweil woanders, im Front End, an der Benutzeroberfläche. Dort werden sich die diversen "Embedded Payments" - Anbieter platzieren, d.h. die digitalen Ökosysteme, wie die von Apple, Google, Amazon, Alibaba, Huawei, SoftBank, Xiaomi, Microsoft, Rakuten und große Einzelhandelskonzerne wie Walmart. Die Banken haben hier einen strukturellen Nachteil: Weder verfügen sie über eigene Software für Smartphones oder die Hardware, noch über die Reichweite der digitalen Ökosysteme. 

Die Chance für die Banken in diesem Modell besteht in der Rückbesinnung auf ihre ursprüngliche Funktion des Intermediärs, des Treuhänders, und zwar für die Daten und digitalen Vermögenswerte der Kunden. So könnten die Banken beispielsweise gegenüber den "Datenkraken" als Repräsentanten ihrer Kunden auftreten. Die Bank oder ein anderer Intermediär handelt im Auftrag des Kunden die besten Konditionen aus. Grundsätzlich gilt dabei: Je mehr qualitative Daten der Kunde bereits ist freizugeben, um so bessere Konditionen werden ihm gewährt. 





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