Donnerstag, 26. März 2015

Die Bank im Auto #2

Von Ralf Keuper

Die Bank im Auto nimmt Fahrt auf. Es scheint, als würde sich das Filial-Problem der Banken in gewisser Weise von selbst, quasi auf mobilem Weg lösen. Das Auto als das neue Leitmedium. 

So weit hergeholt, wie es auch den ersten Blick scheinen mag, ist dieses Szenario nicht (mehr), wie ein Interview mit Elmar Frickenstein, Leiter der Entwicklung Elektrik/Elektronik bei BMW, verdeutlicht. Darin sagt Frickenstein:
.. Wir erreichen die BMW-Fahrer auch nicht über die Konnektivität allein, sondern über die damit verbundenen Funktionen. Das ist entscheidend. Die Kunden nutzen Echtzeitstauinformationen im Verkehr oder Spotify. Und wir gehen konsequent einen Schritt weiter. Wir haben beispielsweise heute schon Online-Entertainment im Fahrzeug. Das heisst, die Musik wird direkt aus dem Backend gestreamt. Wir arbeiten hier unter anderem mit Napster zusammen. Der Kunde kann seine Entertainment-Dienste folglich im Auto, auf dem Smartphone, dem Tablet oder dem Smart-TV nutzen. Er kann diese Funktionalitäten also auf mehreren Devices abrufen - das ist für unsere Kunden das entscheidende Kriterium (in: Daten sollten herstellerübergreifend zur Verfügung stehen. CARIT 01/2015)
Wenig später fügt Frickenstein als Antwort auf eine weitere Frage hinzu:
.. Wir bringen das Wohnzimmer ins Fahrzeug. Wie machen wir das? Wir integrieren Tablets im Fond und sind in der Lage das Fahrzeug zu "steuern". Das Ganze geschieht über eine WLAN-Anbindung. Sie können die Lüftung verändern, den Sitz n eine bequeme Schlafposition bringen und das Entertainmentsystem in seinem ganzen Umfang bedienen. Sie haben Zugriff auf Musik und Filme und arbeiten direkt und einfach in ihren Office-Funktionen.  
Vor diesem Hintergrund erscheint es nur folgerichtig, geradezu zwingend, wenn Apple, Google, Tencent und Baidu nun selber in das Geschäft mit den selbstfahrenden Autos einsteigen. Insofern ist es schon längst nicht mehr die Frage, ob das iCar kommt, sondern nur noch wann. Auf die Automobilhersteller kommen ähnliche harte Zeiten zu, wie auf die Banken und die Medien. Das Auto als Abspielgerät, als fahrbare Medien- und Kommunikationsplattform. Google, Baidu & Co. ist schon längst aufgefallen, was in Why cars will soon be the most connected devices in our lives zum Ausdruck kommt. Es geht in erster Linie um die Daten und die Anwendungen, die sich daraus ableiten lassen. Ein weiterer Schub wird m.E. durch die Blockchain und Smart Contracts kommen. 

Die Autohersteller haben noch den Vorteil, über eigene Banken zu verfügen, deren Angebote sie in die Infotainment-Systeme integrieren können. 

Ebenfalls konsequent ist es daher, wenn aus Autobanken zunehmend Mobilitätsbanken werden. Dennoch werden sie es gegen die digitalen Ökosystem sehr schwer haben zu bestehen. 

Aber das ist ein anderes Thema. 

New Banking: Herausforderungen für die Autobanken

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