Freitag, 13. März 2015

Digitalisierung: Banken als Gatekeeper?

Von Ralf Keuper

Über die künftige Rolle der Banken in der Digitalmoderne wird derzeit an vielen Stellen kontrovers diskutiert.  Hat das Modell der Universalbank noch Zukunft? Werden Banken zu reinen Infrastrukturanbietern degradiert? Oder werden die Bankberater der Zukunft, wie Joachim Jürschick meint, "zu App- und Mobil-Experten in flexiblen In-Shop-Filialen". Diese Ansicht teilt Adriano Lucatelli in einem Interview mit finews.ch. Banken werden nicht überflüssig, es werde auch in Zukunft noch Institutionen geben, die Geldgeschäfte in einen Kontext setzen können. Das jedoch erfordert ein anderes Berufsbild des Kunden- und Anlageberaters. Dieser werde zu einem "Gatekeeper" für die Kunden, quasi eine Art "Guardian Angel".

Sollte das zutreffen, setzt dieses Berufsbild voraus, dass die Kundenberater über eine größere und vielschichtigere Informationsbasis verfügen als die Kunden. Dabei wird ausgeblendet, dass die Zeiten, in denen die Banker einen Informationsvorsprung für sich beanspruchen konnten, durch die Verbreitung des Internet endgültig vorbei sind. Die Informationsasymmetrie hat sich zugunsten der Kunden und anderer Anbieter, wie FinTech-Startups und Internetkonzerne, verlagert. Es entstehen derzeit neue Symbolmilieus im Banking, an denen die Banken kaum einen Anteil haben. Die Gatekeeper für Informationen und Kontext, kurzum für semantische Informationen sind facebook, Google und andere. Besonders deutlich wird das im Bereich Payments, wie Ben Rossi in The future of social technology in banking schreibt:
In other words, the integration of a payments service within social media will turn the likes of Facebook, LinkedIn and others into the ultimate destination for payments and e-commerce.
Wenn eine Institution mit unabhängiger Beratung punkten will, kann das Stand heute kaum eine Bank sein, die letztlich ihre eigenen Interessen verfolgt. Hier benötigen wir in der Tat ein neues Berufsbild und womöglich auch neue Institutionen, die diese Rolle übernehmen können. Finanzdiplomaten im besten Sinne. 

Als Bestandteil des Totalen Medienverbundes auf Digitalbasis müssen sich die Banken und Banker schon etwas mehr einfallen lassen, als sich als Schutzengel im digitalen Dschungel zu präsentieren. So orientierungslos sind die Kunden dann doch nicht (mehr). 



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