Dienstag, 3. März 2015

Digitalisierung: Banken mit veraltetem "Schaltplan"

Von Ralf Keuper

Wer sich die diversen Initiativen einiger Banken aber auch die Empfehlungen vieler Berater ansieht, die digitale Transformation in der Finanzbranche voran zu bringen, hat nicht selten den Eindruck, dass hier noch immer ein Denken aus dem Industriezeitalter dominiert, d.h. die Kommunikation findet in der Weise statt, dass von einem geschlossenen System aus in gebündelter Form mit den einzelnen Kunden interagiert wird. Kurzum: Es findet noch immer der Schaltplan der Massenmedien Verwendung. 

Statt Vernetzung wählen viele Banken, implizit, noch immer die Verbündelung, um eine Klassifizierung des Medienphilosophen Vilém Flusser aufzugreifen. 

Die Massenmedien senden Bündel von Informationen an Empfänger, die darauf nicht direkt antworten können und damit in gewisser Weise als unmündig betrachtet werden. Die Vernetzung dagegen erschafft kleine Inseln der Kommunikation. Hier verläuft die Kommunikation anders - direkt vom Sender zum Empfänger und zurück. Im besten Fall ein Dialog also. Die eigentliche Kommunikations- oder Medienrevolution besteht für Flusser darin, dass die Informationsströme umgelenkt werden und zwischen den Bündeln und den Inseln oszillieren. 

Die informatische Revolution macht die bisherige Trennung von Öffentlich und Privat weitgehend überflüssig:
Die informatische Revolution strukturiert die informatische Lage um, genauer: Sie baut den öffentlichen Raum ab. Die Informationen drängen jetzt in den Privatraum, um dort empfangen zu werden. Geschäfte, Banken, Schulen, Kinos und alle übrigen öffentlichen Orte werden von den neuen Technologien ausgeschaltet. Die Sender der Informationen müssen dank dieser Technologien nicht mehr publizieren, sondern sie können durch verzweigte Kanäle ihre Informationen an die einzelnen Empfänger verteilen lassen. Wo bisher der öffentliche Raum, der Stadtplatz, das Forum offenstand, werden in naher Zukunft strahlenförmig und netzförmig strukturierte Kanäle liegen. Die Menschen werden an den Ausgängen dieser Kanäle sitzen, um Informationen zu empfangen und zu senden (in: Medienkultur)
Einer Gründe für den schleichenden Niedergang der Filiale liegt in dem Umbau des Schaltplans, von dem Flusser spricht. Daher sind alle Versuche, geschlossene Systeme, wie Filialen, die eigentlich nur darauf ausgelegt sind, Informationen in Form vorgefertigter Produkte und Angebote zu senden, und damit den Dialog zu vermeiden, zum Scheitern verurteilt. 

Somit lautet die entscheidende Frage - nicht nur für die Banken:
Die grundlegende Frage, vor der wir angesichts der neuen Technologien gestellt sind, ist demnach die des Schaltplans der Kanäle (ebd.).
Allerdings ist der Schaltplan der Verbündelung noch immer so stark in der Kultur und den Strukturen der Banken, aber auch zahlreicher Berater verhaftet, dass ein Umlenken äußerst schwierig ist. 


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