Mittwoch, 18. März 2015

Wie und warum der Kuchen im Banking sich verkleinert

Von Ralf Keuper

In dem Beitrag How to eat a banker's lunch bespricht Izabella Kaminska vorab den demnächst erscheinenden Report von Bruce Packard über die Herausforderungen der Banken durch die FinTech-Revolution. In seinem Blogbeitrag New entrants and customer behavior gab Bruce Packard selber einen ersten Vorgeschmack. 

Packard stellt fest, dass die Banken noch immer in den Strukturen, d.h. den Führungs-, Preis- und Anreizsystemen der 1990er Jahre verhaftet sind, die sie daran hindern, den diversen FinTech-Startups Paroli zu bieten. Die eigentliche Bedrohung rühre jedoch daher, dass durch die neuen Spieler der gesamte zur Verteilung stehende Kuchen verkleinert werde, so wie es Skype im Bereich der Telefonie getan hat. Zwar habe Skype 30 Prozent Marktanteil in der internationalen Telefonie errungen, ohne jedoch 30 Prozent der Einnahmen für sich verbuchen zu können. Dennoch arbeitet Skype profitabel. Dieses Szenario drohe nun auch den Banken. 

Im Anschluss daran teilt Packard die neuen Player in die Kategorien (aus Bankensicht) High Risk, Medium Risk und Low Risk ein. Hinzu kommt noch die Einordnung nach dem Banktyp, d.h. in disruptive (new entrant bank) oder eher ergänzend (substitute product)

Zur Kategorie High Risk zählen u.a. Fidor, Lending Club, TransferWise und Kreditech. Unter Medium Risk fallen u.a. Holvi, M-Pesa, Nutmeg und die Atom Bank, während Yodlee, mBank und Society One als Low Risk eingeschätzt werden. 

Kaminska nimmt anschließend Packards Argumente unter die Lupe und widerlegt einige von ihnen. 

Zunächst ist noch immer relativ unklar, ob und wieviel Geld die Disruptoren verdienen. Jenseits der Ankündigungen und des Marketing, sei die Informationslage recht überschaubar. Eine valide Bewertung ergebe nur vor einem 10jahres-Szenario Sinn. 

Abgesehen davon sei es kein Hexenwerk, die Banken in bestimmten Bereichen mittels innovativer technologischer Lösungen zu übertrumpfen. Deutlich schwieriger sei im Vergleich zur Kür dagegen die Pflicht, d.h. die eigentliche Verarbeitung, das Billing, Settlement, Reconciliation etc. Hier haben die klassischen Banken noch immer einen Vorsprung im Know How und in der Technik/Infrastruktur.

Insofern sei bei TransferWise Zurückhaltung geboten. Letztendlich bewegt sich das Angebot an der Oberfläche und müsse seine langfristige Profitabilität erst noch unter Beweis stellen. 

Die eigentliche Kunst im Banking, so Kaminska, bestehe darin, die verschiedenen Zahlungsströme, Geschäftsvorfälle zu matchen, also mehr oder weniger das, was auch als Firsten- und Risikotransformation bekannt ist. Dazu gehört natürlich auch die Fähigkeit, kurzfristige, temporäre Risiken in die eigenen Bücher nehmen zu können. Für den Fall, dass nicht alle Geschäfte auf den eigenen Plattformen untergebracht werden können, muss der Anbieter in der Lage sein, weitere Absatzkanäle nutzen zu können. Hier führt, derzeit wenigstens, kein Weg an den Banken vorbei.

Alles in allem eine der fundiertesten Einschätzungen zu dem Themenkomplex, die ich kenne. 

Kaminska weist auf die Schwachstellen vieler FinTech-Startups hin, die, je näher sie an das eigentliche Bankgeschäft kommen, erkennen müssen bzw. werden, dass die Komplexität doch größer ist, als an der Benutzeroberfläche sichtbar wird. Diese Kosten lassen sich auch durch die beste User Experience nicht aus der Welt schaffen. Sie sind real. 

Auf der anderen Seite räumt aber auch Kaminska ein, dass die schiere Zahl der FinTech-Startups dafür spricht, dass das aktuelle Geschäftsmodell der Banken, die Wertschöpfungskette, jedenfalls nicht mehr durchgängig, den Anforderungen der Kunden entspricht. 

Das bestätigt mich in meiner Annahme, dass die eigentliche Bedrohung der Banken nicht so sehr von den FinTech-Startups ausgeht, sondern von den großen Internetkonzernen wie Amazon, Apple, PapPal, facebook, die bestrebt sind, die Infrastruktur der Banken zu nutzen, da ihnen bewusst ist, wie aufwendig das Transaktionsbanking ist. Ungeachtet dessen werden Apple & Co. ihre Bemühungen verstärken, am Front End so viel Geschäft wie möglich, u.a. durch Mobile Payments, in ihre Kanäle zu lenken und mit Mehrwertdiensten anzureichern. Den Rest bekommen dann die anderen, im Middle Office und Back End angesiedelten Mitspieler im Verwertungskreislauf. 

Auf der Veranstaltung Kundennutzen im Fokus: Wer gestaltet das Banking der Zukunft? gestern auf der CeBIT in Hannover, kam von verschiedenen Seiten der Hinweis, dass das Payment-Geschäft jetzt, und künftig noch in verstärktem Maße, eigentlich keinen Spass mehr bereite und kaum bis gar nicht profitabel sei. Die Banken müssten daher Mehrwertdienste anbieten. 

Das ist ja genau das, was Apple mit Apple Pay sowie aktuell facebook beabsichtigen. Dass mit den Payments kaum Geld zu verdienen ist, dürfte auch Apple und facebook nicht entgangen sein. Jedoch sind Payments ein wichtiger, integraler Bestandteil für den digitalen Alltag der Menschen, d.h. Einkaufen, Finanzieren, Informieren und Unterhaltung. Das lässt sich dann, wie die Banken heute noch im klassischen Modell vorexerzieren, querfinanzieren. Nur fehlt den Banken derzeit die dazu nötige Infrastruktur und vor allem die Reichweite. Und wenn dann noch die digitalen Währungen, sei es IBMCoin oder andere, die Zahlungsverkehrsinfrastruktur von Grund auf verändern, kommt in dem Szenario eine weitere Dimension hinzu. 

Das ist das eigentliche Dilemma.

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