Mittwoch, 25. März 2015

New Banking: Steht das herkömmliche Rechnungswesen dem Wandel im Weg?

Von Ralf Keuper

Als eine der Folgen der anhaltenden Finanz- und/oder Staatsschuldenkrise gilt die Aufmerksamkeit in den Chefetagen der Banken in erster Linie dem Bilanzmanagement. Für die Beschäftigung mit technologischen Innovationen, den Herausforderungen durch die Digitalisierung bleibt da häufig nur wenig Raum. 
Die stille Macht des Rechnungswesen sollte daher nicht unterschätzt werden. Banken, mit ihrer konservativen Haltung gegenüber herkömmlichen Risiken aus ihrer Geschäftstätigkeit, laufen daher Gefahr, durch die Fixierung auf Finanz- und Bilanzkennzahlen die eigentlichen Ertragsquellen aus dem Blick zu verlieren - und die liegen heute mehr denn je außerhalb der eigenen Unternehmensgrenzen. 

Für die schwedischen Autoren Hans V.A. Johnsson und Per Erik Kihlstedt kann das traditionelle Rechnungswesen den Anforderungen der Digitalen Ökonomie nicht mehr gerecht werden:
The traditional company-centered view reflects the prevalent worldview form the origins of accounting, the fifteenth century, placing the earth as a fixed and finite body at the center of the universe. Astronomers today help to see the universe rather as an infinite and interactive network of balancing dynamic tensions and relationships. 

By the same token, the business universe, and every company that lives in it, is best described as a network of relationships. This is most obvious in "virtual" companies, e-businesses and dot-coms, but the trend is wider than that. (in: Performance Based Reporting. New Management Tools for Unpredictable Times)
Unternehmen, ebenso wie Banken, agieren heute mehr denn je in einem Netzwerk, in dem sie nur ein Spieler von vielen sind. Die volle Kontrolle über die Wertschöpfung ist eine Illusion:
The company is no longer contained within the walls that are built up by accounting and legal definitions. The company becomes a network, where the borderlines are hard or impossible to define with old terminology. (ebd.)
Bereitet dieser Perspektivwechsel der Industrie und dem Handel schon Probleme genug, fällt er den Banken naturgemäß noch deutlich schwieriger. Statt den Chancen, gilt die Aufmerksamkeit den Risiken. Man versucht so viel Wertschöpfung, so viel Erlöse in der Bank oder dem Verbund zu halten, wie irgend möglich. In Zeiten, in denen Apple, Amazon, Google, facebook, PayPal & Co. verstärkt ins Stammgeschäft der Banken drängen, ist das eine weitgehend wirkungslose Strategie. Die veränderte Mediennutzung, das gewandelte Informationsverhalten lässt die alten Grenzen verschwinden. Weite Teile der Profitzone haben sich ins Netz, in die digitalen Ökosystem verlagert. 

Seit Jahren schon versucht das Beyond Budgeting bzw. der Beta Codex, das Controlling von der Fixierung auf Finanzkennzahlen zu befreien. Eine der wenigen Banken, die das Prinzip des Beta Codex anwendet, ist die schwedische Handelsbanken. Die Bank gilt als eine der profitabelsten und sichersten weltweit. 

Sicher - mit einem anderen Rechnungswesen mit neuen Controlling-Methoden ist es nicht getan. Jedoch sollte man deren Bedeutung für den Wandel nicht unterschätzen. 

Weitere Informationen:

New Banking: Svenska Handelsbanken

Neue Quellen der Wertschöpfung im Banking

New Banking: Auf der Suche nach der verloren gegangenen Profit Zone

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