Donnerstag, 2. April 2015

Banken benötigen dringend ein neues Chancenmanagement

Von Ralf Keuper

In ihrer Funktion als Risikohändler verfolgen Banken naturgemäß eine konservative Geschäftspolitik. Gewiss - nach den Erfahrungen der Finanzkrise gilt dies nicht für jedes Institut bzw. jede Bankengruppe. Banken, die zu hohe Risiken eingegangen sind, gab es zuvor schon, genannt seien aus Deutschland nur die Herstatt-Bank und die SMH-Bank sowie aus der jüngeren Zeit Sal. Oppenheim, die WestLB, die IKB Bank und die Hypo Real Estate; in ihrer Mehrheit jedoch sind die Banken darauf bedacht, Zahlungs-und Kreditausfälle so weit wie möglich zu verhindern. Immer dann, wenn sie ihr gewohntes Terrain verlassen haben, wenn sie zu innovativ bzw. zu risikobewusst waren, wie bei den sog. Finanzinnovationen, kam die Quittung häufig postwendend - zu den Empfängern der letzten größeren Rechnung zählte der Steuerzahler, der darüber verständlicherweise "not amused" war.

Wenn die Risiken schon in ihrem angestammten Geschäft schnell existenzbedrohende Ausmaße annehmen können, warum sollten die Banken sich dann auch noch mit neuen Technologien beschäftigen? Auf diesem Gebiet fällt die Unterscheidung zwischen Hop oder Top selbst den gewieftesten und erfahrensten Investoren und Acceleratoren nicht leicht. Technologien, die heute "der letzte Schrei" sind, können schon morgen Ladenhüter sein. Hat man hier auf das falsche Pferd gesetzt, ist der Anschluss schnell verloren. Nur - wer kann gleichzeitig so viele Bälle in der Luft halten, dass ein Fehlschlag nahezu ausgeschlossen werden kann? Selbst die großen und erfolgreichen Technologieunternehmen werden von der ständigen Furcht begleitet, von einem disruptiven Startup verdrängt zu werden. Nicht umsonst sagte Andy Grove von Intel einmal: Nur die Paranoiden überleben.

Sofern also Banken sich immer mehr in Technologieunternehmen wandeln, um so größer werden die Anforderungen an das Risiko- und Chancenmanagement. Das bezieht sich nicht nur auf die klassischen Technologierisiken, wie Cyberangriffe und Systemausfälle, sondern auch auf verpasste Chancen. 
Sinnbildlich für die verpassten Chancen der Banken sind die zahlreich FinTech-Startups. Mittlerweile gehen viele Banken dazu über, Kooperationen mit FinTech-Startups zu bilden oder selber ins Investment zu gehen, sei es über direkte Beteiligungen oder durch Übernahmen sowie mit der Gründung von Inkubatoren oder Acceleratoren. Einige Banken tasten sich schon an die Digitalen Währungen und die Blockchain heran. 

Reichen diese z.T. noch zaghaften aus, um mit dem technologischen und gesellschaftlichen Wandel Schritt zu halten? Die Erfahrungen anderer Branchen sind jedenfalls nicht dazu angetan, sich auf die Systemrelevanz zu verlassen.

Dass die Medienbranche von der fortschreitenden Digitalisierung auf dem falschen Fuss erwischt wurde, ist hinlänglich bekannt; unterdessen droht auch die Automobilindustrie durch die Verbreitung der "Connceted Cars" wortwörtlich unter die Räder zu kommen. Autos werden künftig mobile Devices, wie Smarthphones und Tablet-PCs sein. Wer diese Devices mit dem passenden Content und Angeboten versorgt bzw. bespielt, wird hier über kurz oder lang die Regie führen. Insofern überrascht es nicht, wenn Google, Apple, Tencent und Baidu intensiv an einem serienfertigen Autonomen Auto, Connected Car,  arbeiten. 

Banken werden sich diesem Trend nicht entziehen können. Die Zeit der Filialen, die Zeit, als die Bank erste, natürliche Anlaufstelle für Finanzfragen war, sie neigt sich dem Ende zu. 

Benötigt wird daher ein neues Chancenmanagement in den Banken, deren integraler Bestandteil das Technologiemanagement, aber auch die Beschäftigung mit Fragen des Medienwandels ist. Leitende Fragen sind, ob eine Bank überhaupt noch als Universalbank auftreten kann, und falls nicht, welche Differenzierungsmöglichkeiten noch bestehen.  Das wird ein schmerzhafter Prozess, da viele als selbstverständlich angenommenen Rollenbilder aufgegeben werden müssen. 

Die größten Chancen der Banken liegen m.E. weiterhin im Bereich der Sicherheit. In der Digitalmoderne, im Informationskapitalismus besteht die Aufgabe der Institution Bank darin, die Rolle als Treuhänder und Berater der Kunden in Fragen der Datensicherheit sowie der Verwertungsmöglichkeiten der Daten (Digital Assets)  wahrzunehmen. Ferner als Intermediär, als Broker, Agent für die Kunden im Netz gegenüber den sog. Datenkraken aber auch anderen Unternehmen und Institutionen aufzutreten, die auf der einen oder anderen Weise auf der Jagd nach den (Kunden-)Daten, dem neuen Öl, sind. Nicht nur aus diesem Grund ist die Beschäftigung mit dem Potenzial der Blockchain für die Banken so elementar. 

Machen sie, die Banken es nicht, werden es andere übernehmen. Dann wäre auch diese Chance vertan. 

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