Sonntag, 26. April 2015

China und die Erfindung des ersten Papiergelds vor eintausend Jahren

Von Ralf Keuper

Im Mittelalter war es in China lange Zeit Brauch, sämtliche Zahlungen in bar, mittels sog. Münzschnüre, auch Gwang genannt, abzuwickeln. Wie der Dokumentarfilm Die Welt vor 1000 Jahren von Min. 5:55 bis 7:10 berichtet, stieß dieses Geldsystem irgendwann an fundamentale, physische Grenzen. So konnte ein Staatsbediensteter jener Zeit 200.000 Münzen pro Monat verdienen, ein Menü schon mal bis zu 5.000 Münzen kosten, d.h. man musste mehrere Schnüre mit tausenden von Münzen mit sich führen, wenn man sich auf den Markt oder in die Restaurants begab. Um diesen Missstand zu beheben, beschloss die Song-Dynastie um das Jahr 1000 Banknoten einzuführen. Das Papiergeld war geboren. 


Der lesenswerte und informative Beitrag Papiergeld, eine chinesische Erfindung? führt als weiteren Grund für die Ablösung des Hartgelds durch das Papiergeld den Metallmangel an. Bereits im 6. Jahrhundert gingen die Menschen dazu über, Noten statt Münzen als Begräbnisgeld zu verwenden. Später, gegen Ende der Tang-Dynastie, hinterlegten, deponierten die Händler ihre Wertsachen bei entsprechenden Stellen, wofür sie im Gegenzug Inhaberpapiere erhielten, sog. hequan. Wegen der breiten Akzeptanz der Inhaberpapiere wurden die Händler von Staatsseite ermutigt, ihr Metallgeld gegen offizielle Kompensationsnoten einzutauschen. Das erste Papiergeld erblickte jedoch erst, wie schon erwähnt, vor gut 1000 Jahren während der Song-Dynastie das Licht der Welt. Begünstigt wurde diese Entwicklung dadurch, dass China zu dem Zeitpunkt bereits führend in der Papierherstellung und bei den Druckverfahren war. 

Die ersten, die in Europa  für die Hinterlegung von Wertgegenständen Quittungen ausgaben, waren die Templer im 12. und 13. Jahrhundert, also in etwa zur selben Zeit, wenngleich die Geburt des Papiergeldes hier einige Jahrhunderte später vollzogen wurde. 

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