Mittwoch, 15. April 2015

Hat der Geldautomat mehrere Leben?

Von Ralf Keuper

In diesem Jahr begeht der Geldautomat offiziell seinen 50. Geburtstag (Vgl. dazu: The ATM is Dead. Long Live the ATM!) So ein hohes Alter erreichen in unserer schnelllebigen Zeit nur noch wenige technologische Neuerungen. Denn um eine solche handelte es sich, als der Geldautomat im Jahr 1965 das Licht der Welt erblickte. Spötter behaupten, dass seither der Bankenbranche keine wirkliche Innovation mehr gelungen sei. Andere wiederum halten den Einzug der GAAs in den Filialen für den Anfang vom Ende der Kundenbeziehung. Statt mit den Kunden am Schalter in Dialog zu treten, habe man sie in die Maschinenparks in der Vorhalle abgeschoben. Insofern handelt sich beim GAA um ein zweischneidiges Schwert. 

In letzter Zeit zeigt der GAA erste Altersschwächen, ja sogar Verfallserscheinungen. Die Zahl der Interaktionen der Kunden mit den GAAs ist ebenso wie die der Geräte rückläufig. Ursachen hierfür sind zum einen die veränderten Zahlungsgewohnheiten der Kunden, die für Transaktionen immer häufiger zum Smartphone greifen, wie überhaupt der Rückgang des Bargelds im Wirtschaftskreislauf. 

Auf der anderen Seite betonen die Vertreter der Hersteller von Geldautomaten und Kassensystemen, aber auch einige Marktbeobachter, dass der Geldautomat noch immer ein bedeutender Kommunikationskanal im Banking ist und auf absehbare Zeit auch bleibt, wie etwa in What is the future of the ATM in a world of digital money? Auffallend ist, dass Bargeld für Geldtransaktionen von bis zu 100 $ weit vorne liegt, bei den großvolumigen Zahlungen ab 100 $ jedoch an Bedeutung rapide abgenommen hat. Im Kleingeld groß um im großen Geld klein - so könnte es formulieren. Auch sei Bargeld deutlich langlebiger als vielfach angenommen, der Rückgang bei weitem nicht so dramatisch, wie häufig behauptet - eher im Gegenteil.

Im Gegensatz dazu besagen andere Untersuchungen, dass die Bargeldlose Gesellschaft kurz vor ihrer Vollendung steht, wie in How technology is driving a cashless society. Der Beitrag weist u.a. darauf hin, dass Schweden bis 2020 die bargeldlose Gesellschaft anpeilt. 

Der Chefvolkswirt der Citi Bank, Willem Buiter, gibt dem Bargeld gute Überlebenschancen. Auf der anderen Seite wiederum, wird dem mobilen und elektronischen Bezahlen ein rapides Wachstum vorhergesagt, wie beispielsweise in Afrika. Vgl. dazu: The Quest To Kill Cash: New Apps Are Finally Getting People To Abandon The ATM

Noch nicht, oder kaum berücksichtigt in den Schätzungen, werden die digitalen Währungen, wie Bitcoin. Sollten sie sich durchsetzten, ergibt sich ein anderes Bild, d.h. das Bargeld bekommt einen schwereren Stand, als jetzt schon - und damit auch der Geldautomat sowie seine Hersteller.

Denn diese bekommen den Gegenwind immer deutlicher zu spüren, wie aktuell Wincor Nixdorf, aber auch bei NCR. Einzig bei Diebold gibt man sich ungebrochen zuversichtlich

Bei Licht betrachtet verfügt der Geldautomat tatsächlich über mehrere Leben - nur wird die Lebensspanne von Mal zu Mal kürzer. 

Weitere Informationen:

NCR income drops in Q1

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