Samstag, 25. April 2015

Schwere atmosphärische Störungen im Sparkassenlager

Von Ralf Keuper

Es scheint, als wäre im Sparkassenlager ein Richtungsstreit entbrannt. Bemerkbar macht sich das zum einen an dem Schlingerkurs der Sparkassen bei der Beteiligung am gemeinsamen Bezahlverfahren Pay Direkt der Deutschen Kreditwirtschaft und zum anderen an dem Dissenz zwischen dem Präsidenten des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Fahrenschon, und dem Präsidenten des Westfälisch-Lippischen Sparkassenverbandes (WLSGV), Gerlach
Stein des Anstosses bei letzterem Konflikt ist die Frage der Haftung der Sparkassen für den Fall, dass eine Landesbank, wie in den letzten Jahren häufiger geschehen, in die Schieflage geraten sollte. Der Nachrichtendienst Reuters spricht in dem Zusammenhang von tiefen Narben, die der Haftungsstreit im Sparkassenlager hinterlassen habe

Der Zeitpunkt für die Divergenzen kommt recht ungünstig, steht die Branche doch vor den größten Herausforderungen der letzten Jahrzehnte, wahrscheinlich den gravierendsten seit ihrer Entstehung. Das geht weit über die Themen Niedrigzinsphase und Haftung hinaus. 

Wenn die Sparkassen überhaupt noch aktiv an dem Wandel, der bereits in vollem Gange ist und in den nächsten Jahren noch an Dynamik deutlich zunehmen wird, in irgendeiner Form mit gestalten wollen, müssen sich die Spitzen der Organisation über die Richtung im Klaren sein und an einem Strang ziehen. Es wird auch so schon schwer genug, wenngleich das viele Sparkassen-Vorstände noch anders sehen mögen. 

Mittlerweile werden die Grenzen der Verbundorganisation immer offensichtlicher - zu viele Fürsten mit ausgeprägtem Ego. In dieser Form ist sie kaum noch geeignet, die verschiedenen Interessen zu bündeln. Wenn ihr das aber schon nicht im Innenverhältnis gelingt, wie soll dann nach außen der Eindruck der Geschlossenheit, oder besser: Einigkeit entstehen? 

Update 13.05.2015:

BaFin kassiert Gerlach-Wunschklausel: Sparkassen müssen bei Haftungsverbund nachbessern

Update 15.05.2015:

Georg Fahrenschons magere Bilanz

Update 19.05.2015:

Kommentare:

  1. Guten Tag Herr Keuper,
    Ihre Zusammenfassung der Berichterstattung zu unserer vergangenen Mitgliederversammlung und Vorstandssitzung ist so nicht ganz schlüssig.
    Regionalität und Mitbestimmung sind ein wesentlicher Bestandteil der Sparkassen-Finanzgruppe – und das bringt mit sich, dass es verschiedenen Meinungen gibt. Sowohl bei der Entscheidung zu Pay Direkt, als auch bei der Umsetzung der EU-Einlagensicherungsrichtlinie bewegen wir uns innerhalb der gesetzten Fristen. Bei einer (dezentralen) Organisation unserer Größe ist es daher vollkommen natürlich, dass wir diese Zeit auch nutzen – allein schon aus organisatorischen Gründen.
    Sie schreiben, dass in unserer Organisation keine Einigkeit besteht. Wie würden Sie dann die einstimmige Entscheidung zum Sicherungssystem beurteilen?

    Wir freuen uns sehr, dass Sie über uns berichten und möchten Sie dazu einladen uns beim nächsten Mal direkt zu kontaktieren. Unsere Pressestelle gibt Ihnen – und auch anderen Bloggern – gerne Auskunft.

    Viele Grüße

    Ibrahim Ghubbar
    Referent Kommunikation in digitalen Netzwerken
    Deutscher Sparkassen- und Giroverband e.V.

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    1. Sehr geehrter Herr Ghubbar,

      vielen Dank für Ihren Kommentar.

      Was die von Ihnen beschriebene "Normalität" betrifft, ist anscheinend nicht nur bei mir der gegenteilige Eindruck entstanden - wie z.B. bei Reuters.
      Dass es in betont dezentralen Organisationsformen zwangsläufig zu Verzögerungen bzw. intensiven Diskussionen kommt, ist in der Organisationsforschung allgemein bekannt. Jedoch scheint in dem vorliegenden Fall, dieser, wenn man so will, naturgemäße Zustand sich schwerpunktmäßig auf die persönliche Ebene verlagert zu haben und weniger auf die Sachebene. Auch hier verweise ich auf den Bericht auf Reuters - und nicht nur da. Hier geht es weniger um die zeitliche Dimension, also die Einhaltung von Fristen, als vielmehr um das Gesamtbild, das die Sparkassenorganisation in diesem Fall in der Öffentlichkeit, in den Medien, hinterlassen hat. Ich mag mich täuschen: Nur: Einigkeit kommt doch irgend wie anders rüber, zumal dann, wenn, wie Reuters berichtet, das nur um den Preis tiefer Narben erreicht wurde.

      Bei Reuters heisst es:

      "Auch innerhalb der Sparkassen-Finanzgruppe ist der Ärger groß. "Die Außendarstellung der Organisation ist eine Katastrophe", schimpft ein Landesbanker. Er und viele seiner Kollegen üben hinter vorgehaltener Hand harte Kritik an DSGV-Präsident Fahrenschon. Dass er eine Mitte März getroffene Vereinbarung zu den Beitragszahlungen nicht durchgesetzt und das Paket noch mal aufgeschnürt habe, sei enttäuschend, sagt ein Insider. "Das hätte es bei seinem Vorgänger Heinrich Haasis nicht gegeben".

      Hinzu kommt, dass, wie es dem erwähnten Bericht heisst, der gefundene Kompromiss noch von den Aufsichtsbehörden gekippt werden könnte.

      Die Tatsache, dass die Sparkassen für ihren Entschluss, nun doch an dem Bezahlverfahren Pay Direkt teilzunehmen, relativ lange benötigt haben, auf ihre dezentrale Organisationsform zurückzuführen, steht im Widerspruch zum Entscheidungsfindungsprozess der Genossenschaftsbanken, die ebenfalls betont dezentral aufgestellt sind.

      Auch Sie dürfen mich jederzeit direkt kontaktieren.

      Viele Grüße

      Ralf Keuper

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