Dienstag, 7. April 2015

Strategische Wendepunkte im Banking #7 - Innovationsgeschwindigkeit und Marktdynamik nehmen weiter zu

Von Ralf Keuper

Als ich vor bald zwei Jahren den ersten Beitrag aus der dann entstandenen Serie Strategische Wendepunkte im Banking verfasste, stellte ich den Bedingungsrahmen von Andy Grove, Gründer von Intel, vor, den er allen Unternehmen empfahl, die sich in einem Marktumfeld bewegen, das von hoher Innovationsgeschwindigkeit gekennzeichnet ist. 

Drei Fragen sind für ihn dabei zentral:
  • Ändert sich ihr Hauptkonkurrent?
  • Ändert sich etwas bei dem Hauptanbieter von Komplementärprodukten? (Branchenstruktur)
  • Haben ihre Kollegen und Mitarbeiter nicht mehr alles im Griff? d.h. haben Sie den Kontakt zum Markt und den Kunden verloren?
Damals schrieb ich dazu: 
Gemessen daran, ist es nicht übertrieben festzustellen, dass die Bankenbranche gleich auf mehrere strategische Wendepunkte zusteuert. Warum sollte es hier auch anders sein?
Heute lässt sich kaum noch übersehen, dass die strategischen Wendepunkte weitgehend passiert sind. Die Banken haben den Anschluss auf vielen Feldern, darunter Mobile Payments, nahezu vollständig verloren. Als neue Hauptkonkurrenten sind zahlreiche FinTech-Startups hinzugekommen, ebenso die großen Internetkonzerne wie Apple, Amazon, Google, facebook, Alibaba, Tencent und Softbank. Die Banken und ihre Mitarbeiter sind dabei, den Kontakt zum Markt und zu den Kunden zu verlieren, insbesondere zur Generation der häufig zitierten "Digital Natives". Banken und Kunden bewegen sich in unterschiedlichen Sprach- und Symbolwelten. Einige Banken, wie die BBVA und Barclays, haben das erkannt, und versuchen gegenzusteuern, u.a. durch Übernahmen von und Kooperation mit FinTech-Startups. 
Der Medienwandel läuft an den Banken vorbei, die glauben, mit einem Auftritt in den sozialen Netzwerken ihrer Pflicht genüge zu tun. Derweil graben ihnen die "Digitalen Ökosysteme" wie Google, facebook und Apple, zunehmend das Wasser ab, und lenken es in ihre Kanäle. 

Es zeigt sich immer mehr, dass das herkömmliche Geschäftsmodell der Banken die Value Outflow-Phase (Adrian Slywotzky) erreicht hat. Gewinnzuwächse stammen weniger aus der Geschäftstätigkeit, als vielmehr der Senkung der Risikovorsorge. Das Denken in Sicherheiten, statt in Risiken und Chancen dominiert nach wie vor. Das Bilanzmanagement hat Vorrang. Das Vertrauen auf die eigene Systemrelevanz scheint ungebrochen. 

Selbst die FAZ sieht inzwischen das Ende der klassischen Banken nahen. Allerdings ist dies weniger eine Folge der Regulierung und nicht einmal der Niedringszinsphase, als vielmehr dem technologischen und gesellschaftlichen Wandel geschuldet. Regulierung kommt und geht, mal ist es mehr, mal weniger, und auch die Zinsentwicklung verläuft zyklisch - das ist für Banken nicht wirklich neu. Solange alle Mitbewerber denselben Bedingungen, Restriktionen unterliegen, wie es in der Vergangenheit der Fall war, wird sich das über kurz oder lang einpendeln. Einige Banken würden verschwinden, übernommen oder ihr Geschäft zurückfahren, neue hinzukommen -  an der Branchenstruktur würde sich jedoch kaum etwas ändern. Heute ist das anders: Die neuen Mitbewerber streben erst gar nicht den Status einer Vollbank, einer klassischen Universalbank an, die der Regulierung unterliegen und das Geschäft deutlich unrentabler machen würde. Sie greifen so viel Geschäft wie möglich ab, ohne der Regulierung, oder treffender: ihr so wenig wie möglich zu unterliegen. Die Zeit und damit der technologische und gesellschaftliche Wandel arbeiten in ihre Richtung. Dazu aktuell: Uber, the network economy and why we need a system upgrade und The Dawn Of The Age Of The Software ‘Infrapreneur.
Der Sog, der von ihren Netzwerken ausgeht, ist so schon jetzt so stark, dass die Banken dem nicht mehr viel entgegensetzen können. Die neuen Gatekeeper sind andere. 

Die klassischen Banken werden sich in den nächsten Jahren neu erfinden müssen.  Als Treuhänder und Finanzdiplomaten , als Gegengewicht zu den Technologieriesen, werden sie gebraucht, wenngleich nicht mehr in dem gewohnten Umfang. 

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