Mittwoch, 27. Mai 2015

Auf dem Weg zur Bank auf vier Rädern

Von Ralf Keuper

Das Auto ist auf dem besten Weg, den vier Wänden den Rang als bevorzugtem Aufenthaltsort der Menschen abzulaufen - jedenfalls in Teilen. Nicht von ungefähr stellt Bettina Grachtrup gestern die Frage: Das Auto als neuer Lebensraum? In meiner gestrigen Bankstil-Kolumne im IT-Finanzmagazin Autobanken und die Herausforderungen der Digitalen Transformation habe ich versucht, den Bedeutungs- bzw. Wertewandel in Sachen Mobilität am Auto und den Autobanken deutlich zu machen. Es gehört nur wenig Übertreibung dazu, in den Autos fahrbare Smartphones zu erkennen, was erklärt, weshalb Apple und Google sich so intensiv mit selbstfahrenden Autos bzw. den Connected Cars beschäftigen.

Wenn es stimmt, dass wir noch mehr Zeit als bisher im Auto, mobil verbringen, dann ist es von geradezu zwingender Logik, dass die großen Internetkonzerne sich dieser mobilen Kommunikationsplattform annehmen. Mit ihren Smartphones sind sie ohnehin schon in das Auto eingewandert. Von dort dürften sie sich kaum mehr vertreiben lassen. Insofern werden Automobilhersteller, und mit ihnen die Autobanken, sehr darauf acht geben müssen, nicht in den Hintergrund und damit aus dem Geschäft gedrängt zu werden. Auf die klassischen Automobilhersteller kommen jedenfalls harte Zeiten zu, wie bei den Banken. 

Die Bank im Auto wird Realität. Das Auto wird zum Softwareprodukt. Die entscheidende Auseinandersetzung findet auch hier im Bereich Daten statt; begleitet von der Frage, wer die Hoheit darüber erringt: Die Internetkonzerne, die Automobilhersteller oder die Kunden? Bisher läuft die Entwicklung in Richtung Internetkonzerne. Es ist wenig wahrscheinlich, dass die Automobilhersteller diesen Wettlauf (noch) gewinnen können. Zusammen mit den Autobanken müssen sie ihre Rolle neu definieren. 

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