Freitag, 29. Mai 2015

Banking im Zeitalter Digitaler Identitäten

Von Ralf Keuper

Nicht mehr lange, und wir werden in unserem Alltag mit mehreren Digitalen Identitäten konfrontiert. Das reicht von den unterschiedlichen Ausprägungen unserer eigenen Digitalen Identität (Bürger-ID, Telemedizin-ID, Financial-ID, SteuerID, Elektronischer Personalausweis etc.) bis hin zu denen technischer Objekte (Autos, Maschinen, Roboter, Kühlschränke usw.). Eng damit verknüpft sind Artefakte wie Verträge, Akten, Aktien, Eigentumsrechte, Patente etc. 

Dieser Stilwandel im Bereich der Behandlung und Repräsentation der digitalen Identitäten von Personen, Dokumenten und Sachen bleibt für das Banking nicht ohne Folgen. In Zukunft wird es sich, nicht nur im Bankgeschäft, um eben diese digitalen Identitäten und ihre Derivate drehen. Wer es als Anbieter schafft, möglichst viele dieser Digitalen Identitäten in seine Kanäle zu lenken, sie sogar treuhänderisch verwalten zu dürfen, der hat einen entscheidenden Wettbewerbsvorsprung. Ein Punkt, den die Internetkonzerne bzw. Digitalen Ökosysteme allem Anschein nach bereits voll erkannt haben. Die Banken dagegen sind von der Vorstellung beherrscht, ihr Geschäft bestehe in dem eines klassischen Finanzintermediärs, d.h. in der Fristentransformation und der Risikoverarbeitung. Fragen der Digitalen Identität sind nur mit Blick auf den KYC-Prozess von Belang. 

Hier ist ein baldiger Perspektivwechseel nötig, wenn die Banken in Zukunft eine relevante Rolle im Wirtschaftskreislauf spielen wollen. Insofern ist die intensive Beschäftigung einiger Banken mit dem Potenzial der Blockchain-Technologie alles andere als ein exotisches Experiment. 

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