Montag, 1. Juni 2015

Das Innovation Lab der Erste Group und die Tücken des Benchmarks

Von Ralf Keuper

In letzter Zeit habe ich mich auf diesem Blog mehrfach kritisch zu den z.T. übertriebenen Erwartungen den zahlreichen FinTech-Startups gegenüber geäußert. Nichtsdestotrotz halte ich die intensive Beschäftigung der Banken mit den FinTech-Startups für essentiell. Die FinTech-Startups sind die Antwort auf die Defizite in den F&E-Abteilungen der Banken. In gewisser Hinsicht kann man sie auch als ausgelagerte F&E-Abteilungen der Banken bezeichnen. Kurzum: Sie decken einen Bedarf, der von den Banken nicht ausreichend gedeckt wurde bzw. wird. 

Der Chef des Erste Hub, Boris Marte, wird auf der Pressekonferenz THE FUTURE OF PRIVATE BANKING with open discussion including leading Fin-Tech Startups mit den Worten zitiert:
"In Sachen Technologie benchmarken wir vielleicht mit den Start-ups“, sagt Boris Marte, Leiter des Innovation Lab Erste Hub: „Aber in punkto Integration haben wir keine andere Wahl, als mit den anderen Banken zu benchmarken.
Keine andere Wahl? Sind die anderen Banken der einzige "Benchmark"? 

Wohl kaum noch. Das wäre das falsche "Value Network" , nicht nur in der Interpretation von Clayton Christensen

Im Kapitel Value networks and new perspective on the drivers of failure aus seinem Buch The Innovator's Dilemma schreibt Christensen:
The concept of the value network - the context within which a firm identifies and responds to customers, and strives for profit - is central .. . Within a value network, each firm's competitive strategy, and particularly its past choices of markets, determines its perceptions of the economic value of a new technology. These perceptions, in turn, shape the rewards different firms expect to obtain through pursuit of sustaining and disrupting innovations. In established firms, expected reward, in turn, drive the allocation of resources toward sustaining innovations and away from disruptive ones.
Den "Benchmark" im Banking setzen andere - insbesondere die Digitalen Ökosysteme, wie Apple, Amazon, Google & Co - Die Bank als digitales Ökosystem. Hier erfolgt die Integration auf einer Ebene, die den Banken - mangels technologischer und organisatorischer Voraussetzungen - versperrt ist. Es mag Trost spenden und der eigenen Erbauung zuträglich sein, sich mit anderen Banken zu vergleichen, die mehr oder weniger von denselben Problemen geplagt werden - nur ist das wenig hilfreich, wenn diese Gruppe, ebenso wie man selbst, dabei ist, den Anschluss zu verlieren. 

Hier lohnt es sich dann doch mal, aus der Studie Die digitale Transformation der Industrie von Roland Berger zu zitieren. Dort heisst es in dem Abschnitt Digitaler Kundenzugang: Neue Intermediäre.
Bislang hatten in vielen Märkten nur wenige Anbieter oder Anbietergruppen unmittelbaren Zugang zum Konsumenten oder Abnehmer. Durch digitale Schnittstellen im Internet (E-Commerce) erhalten jetzt neue Akteure einen direkten und skalierbaren Zugang zum Kunden. Intermediäre stellen Plattformen zur Verfügung, die Anbieter und Nachfrager rasch und bequem zusammenbringen. Diese Intermediäre oder Agenten können nach und nach die Kontrolle über die Kundenschnittstelle gewinnen, so wie dies zum Beispiel Google mit Android für mobile Endgeräte gelungen ist.
Die Macht im Banking verschiebt sich; und damit auch der "Benchmark".  

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