Mittwoch, 3. Juni 2015

Google, Apple & Co. schaffen ihre eigenen Bezahlsysteme

Von Ralf Keuper

In den Verbänden der deutschen Kreditwirtschaft hält sich allem Anschein nach hartnäckig der Glaube an die Unersetzlichkeit der eigenen Branche. Das betrifft vor allem den Bereich Zahlungssysteme. Bestärkt durch die verschiedenen regulatorischen Bestimmungen, wie etwa der Payments Services Directive II, hält man sich für fast unverwundbar und die eigenen Sicherheitsstandards für unübertroffen.

Und das, nachdem Apple Pay mal eben im Alleingang das fertig gebracht hat, wozu die Kreditwirtschaft hierzulande erst jetzt willens oder in der Lage ist. Am Ende des Jahres will man uns mit Pay Direkt beglücken und bei der Gelegenheit gleich zeigen, wo der Hammer hängt.

Wäre es nicht so absurd, fast möchte man sagen kafkaesk, man könnte darüber lachen. Sollte diese Ansicht im Banken- und Sparkassenlager wirklich die vorherrschende sein, dann wundert einen nichts mehr. 

Woher nimmt eine Branche angesichts der Verschiebung der Machtgewichte im Banking noch diese Selbstgefälligkeit bzw. Überheblichkeit? Dort scheint zu gelten: Bevor man sich Gedanken über eine wirklich innovative Lösung macht, wirft man zunächst einen Blick in die regulatorischen Bestimmungen, an denen man übrigens mitgewirkt hat, um festzustellen, was alles nicht bzw. so nicht geht. Würde man bei Apple, Google oder anderswo so vorgehen, dann gäbe es keine Suchmaschine, kein Smartphone, kein Tablet-PC, iTunes ...

Während die deutsche Kreditwirtschaft demnächst mit Payments 1.0 aufwartet, ist die Branche bereits mehr als einen Schritt weiter, wie nicht nur Dana Stadler in The First Battle In The Mobile Payments War Is Over zu bedenken gibt. 

Weitere Meldungen, alleine der letzten Tage, bestätigen diesen Eindruck:
In den USA übernimmt Apple Pay bereits die Authentifizierung für die Banken. Apple, Google & Co. sind gerade dabei, ihre eigenen Bezahlsysteme zu schaffen, die integraler Bestandteil ihrer digitalen Ökosysteme sind. Zwar setzen sie dabei noch auf die bestehende Zahlungsverkehrsinfrastruktur auf, jedoch nur noch für die reine Abwicklung. Apple beispielsweise zeigt mit iTunes und mehreren hundert Millionen Nutzern, dass man dort sehr wohl das Thema Authentifizierung im Griff hat. 

Sich in dem Glauben zu wiegen, durch die regulatorischen Bestimmungen geschützt zu werden bzw. diese seien für andere nicht zu überwindende Markteintrittsbarrieren, ist bestenfalls naiv. Die Wirtschaftsgeschichte ist voll Beispielen von Unternehmen und Branchen, die von ähnlichen Annahmen geleitet waren und eines Besseren belehrt wurden. 

Nein Freunde: Banken hat es nicht schon immer gegeben und wird es auch nicht immer geben. 

Um mögliche Irritationen auszuräumen: Mit der letzten Aussage ist gemeint, dass nichts ewig währt; das gilt für Banken ebenso, wie für Google & Co. 

In einigen Fällen hilft wohl nur noch Kafka ;-))) 

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